IT-Fachbegriffe: Wie zum Teufel gebärdet man DDos-Attacke?

In kaum einem Fachgebiet kommen so viele neue Ausdrücke in die sprachliche Umlaufbahn wie in der IT-Branche. Wie managen Gehörlose diese Begriffe voller Abkürzungen und Anglizismen in ihrer Gebärdensprache?

Artikel von Bigna Fink veröffentlicht am
Die Gebärde für Golem
Die Gebärde für Golem (Bild: Martin Wolf/Golem.de)

Der rechte Ellbogen liegt in der linken Hand, der Arm ist nach oben gestreckt, die Hand zur Faust geballt, der Mittelfinger zeigt in die Höhe. Was diese Geste bedeutet, versteht auch ein Hörender ohne große Erklärung, sobald er begriffen hat, dass ihm hier nicht der Stinkefinger gezeigt wird: Sie stellt den Berliner Fernsehturm dar und steht für "Alexanderplatz". Die Gebärdensprache ist oft sehr bildhaft, doch in der sich rasch entwickelnden IT-Fachsprache stößt sie damit an ihre Grenzen. Wie drückt man "USB", "debuggen" oder "Typo3" als Gebärde aus?

Inhalt:
  1. IT-Fachbegriffe: Wie zum Teufel gebärdet man DDos-Attacke?
  2. Abhängig vom Dolmetscher
  3. IT verändert die Gebärdensprache

Zwei, die sich mit solchen Fragen viel beschäftigen, sind der gehörlose Softwareentwickler Fabian Spillner und sein Gebärdensprachdolmetscher Christian Pflugfelder. Pflugfelder begleitet Spillner zu Fachvorträgen und Konferenzen und übersetzt für ihn auf geschäftlichen Meetings. Denn ohne den Dolmetscher könnte Spillner solchen Treffen nicht folgen: Seine Muttersprache ist die Gebärdensprache. Seine Eltern und beide Brüder sind wie er gehörlos, auch einem Teil seiner Großeltern und sogar Urgroßeltern fehlte die Hörfähigkeit.

Die IT-Branche ist offen für technische Kommunikationswege

Für ihn war "lange Zeit die Gehörlosigkeit normal und die hörende Welt die fremde Welt, in die ich ab und zu hereinspaziert bin", wie er schreibt. Als junger Mann wusste er nicht, was man mit einem Hörenden anfangen soll, er war sehr schüchtern. Als Spillner vor zehn Jahren in München die Ausbildung zum Fachinformatiker begann, kam er zum ersten Mal intensiver in Kontakt mit der hörenden Welt. "Es war für mich schon eine gewaltige Umstellung", sagt er. Doch die Kolleginnen gaben sich Mühe - durch langsames Sprechen, Stift und Papier konnten sie sich gut verständigen: "Ich merkte, dass ich eigentlich sehr gerne mit Leuten rede. Die Barriere war plötzlich weg."

Wie Spillner arbeiten etliche Gehörlose mittlerweile in der IT-Branche. Viele der Nichthörenden können besonders gut räumlich sehen - ein Vorteil bei kreativer Computerarbeit. Zudem ist die Branche per se offen für technische Kommunikationswege. So gibt es eine IT-Konferenz speziell für Gehörlose und Schwerhörige, in der Spillner Mitorganisator ist. Für die 4. DeafIT am 10. und 11. November 2017 in Frankfurt rechnet Spillner mit rund 60 Teilnehmern aus ganz Deutschland.

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Seit acht Jahren arbeitet Spillner als Softwareentwickler für Gutefrage.net, die aktuell größte Ratgeberplattform Deutschlands. Für das Unternehmen programmiert der Senior Software Engineer das Frontend und Backend der Webseite. Die Kommunikation zwischen ihm und seinen Kollegen klappe gut, erzählt Spillner. Mit technologischen Kommunikationswegen wie E-Mail, Whatsapp oder Webcams habe sich in den vergangenen Jahrzehnten einiges für gehörlose Menschen getan.

Der Markt für Hörhilfen boomt

Insgesamt entwickelt sich der Markt für Hörhilfen in der alternden Gesellschaft rasant. So befindet sich beispielsweise der Kinect Sign Language Translator von Microsoft seit mehr als vier Jahren in der Entwicklung. Er soll Gebärden erkennen, in eine gesprochene Sprache übersetzen und umgekehrt. Ein ähnliches Projekt ist Simax, ein animierter selbstlernender Avatar österreichischer Entwickler. Das Münchner Unternehmen Verba Voice bietet die Vermittlung von Onlinedolmetschern an.

Hilfreich findet Spillner die Untertitel bei Videos und Filmen. Doch auch bei Youtube sind immer noch viele Videos von Vorträgen nicht untertitelt, obwohl diese interessant sind. "Froh bin ich aber, dass es die TED Talks nun häufig mit Untertitel gibt", sagt Spillner. Geschrieben werden die Untertitel der beliebten Innovationskonferenzen von Freiwilligen. "Heutzutage ist alles sehr angenehm", sagt er."Vieles geht auch über Chatsoftware wie Slack." Ohne Dolmetscher kommt er dennoch nicht aus.

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Lajka 13. Sep 2017

das sind doch die mit den guten Fragen und durchweg richtig schlechten Antworten

Lajka 13. Sep 2017

ein Grund dafür auch ist, dass in der Vergangenheit Kindern verboten wurde in...

skeks 12. Sep 2017

Sehr geile Idee !!

quark2017 02. Sep 2017

Kleine Anmerkung dazu, weshalb einige "Gehörlose" gut sprechen können und andere hingegen...

format 21. Aug 2017

Danke für diesen Artikel, mal etwas Anderes und hat mich nachdenklich gestimmt.



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