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Die Gebärde für Golem
Die Gebärde für Golem (Bild: Martin Wolf/Golem.de)

Abhängig vom Dolmetscher

Kaum eine andere Fachwelt bringt so viele neue Begriffe in die Arbeits- und Alltagssprache wie die IT-Branche. All die Abkürzungen, Wortneuschöpfungen und Anglizismen stellen eine Herausforderung für die Verständigung zwischen Hörenden und Gehörlosen dar. "Wenn ich etwas über abstrakte Programmierung erzählen will, ist es schon recht schwierig für mich", sagt Fabian Spillner. "Die ganzen IT-Begriffe machen die Sache auch nicht einfacher. Da muss ich auf meinen Dolmetscher vertrauen, dass er richtig übersetzt."

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"Ehrlich gesagt", schreibt Spillner in den Chat, "fühle ich mich schon recht abhängig von der Kompetenz des Dolmetschers. Ist dieser gut, kann ich meine Stärken voll ausschöpfen. Ist dieser nicht gut, dann muss ich noch mehr Einsatz zeigen, damit es überhaupt mit der Kommunikation funktioniert." Denn in einer Gesprächssituation mit Hörenden braucht Spillner einen Dolmetscher, der die Feinheiten der jeweiligen Sprache korrekt in die andere transformieren kann.

Christian Pflugfelder ist für diesen Job wie geschaffen. Auch seine Muttersprache ist die Gebärdensprache, obwohl er selbst hören kann. Er ist als Kind gehörloser Eltern aufgewachsen. Und er interessiert sich für Computer. Pflugfelder zählt zu den gefragtesten Gebärdensprachdolmetschern Deutschlands und übersetzt zu Vorträgen, die sich etwa der Skriptsprache für Future App Models und Microcontroller widmen oder dem Entwickeln eines flexiblen GraphQL Backends.

Auch Fabian Spillner nimmt ihn mit, wenn er eine Konferenz besucht. Anders als auf den großen US-amerikanischen Entwicklerkonferenzen wie der Microsoft Build und der WWDC werden in Deutschland noch kaum Dolmetscher ohne Eigeninitiative und Budget der Gehörlosen bei IT-Konferenzen eingesetzt. "Oft sind die Veranstalter sowie die Gäste begeistert, wenn ein Gebärdensprachdolmetscher auf der Bühne steht", erzählt Spillner.

Montags kommt Pflugfelder meist in die Münchner Zentrale von Gutefrage.net, wenn diverse IT-Meetings anstehen. Dann übersetzt er Spillners Gebärden ins gesprochene Deutsche und die Worte der Kollegen in die visuellen Zeichen der Gebärdensprache.

Wenn neue Begriffe auftauchen

Pflugfelders Übersetzung besteht aus präzisen Bewegungen und Gesten von Augenbrauen, Handformen, Fingern, der Körperhaltung und der Gesichtsmimik. Tauchen neue IT-Begriffe auf, schauen Spillner und sein "Leibdolmetscher" erst einmal, ob eine Gebärde schon für das Wort existiert. Dafür muss auch Pflugfelder genau verstehen, was ein Begriff bedeutet.

Wenn sich noch kein Ausdruck innerhalb der Gehörlosengemeinde für den neuen Begriff durchgesetzt hat, geht das Team kreativ vor: Existiert beispielsweise eine Gebärde für einen nahverwandten Begriff, modifizieren sie das Zeichen ein wenig, beziehungsweise verwenden eine Gebärde, die den Inhalt wiedergibt. "Wir erfinden auch neue Gebärden, oder wir benutzen eine, die aus dem Amerikanischen kommt und die den Begriff umschreibt", sagt Spillner. Allzu viele US-amerikanische Gebärden will er aber nicht anwenden, da er die American Sign Language (ASL) nicht gut beherrscht; sie unterscheidet sich sehr von der deutschen Gebärdensprache.

So sind die Gebärden für neue Begriffe zunächst sehr lokal. "Zum Beispiel gab es für das Wort DVD unterschiedliche Varianten in Süddeutschland wie in Norddeutschland, die sich als eigenständige Gebärde entwickelt haben", erzählt Spillner. Die Einigung auf eine Gebärde setzt dann ein, wenn sich Gehörlose aus verschiedenen Regionen über ein Thema austauschen. "Je mehr Gehörlose die Möglichkeit haben, im IT-Bereich zu arbeiten", sagt Spillner, "desto mehr werden auch die neuen und speziellen IT-Begriffe, wie etwa 'Spark', von mehreren Gehörlosen verwendet" - und einheitliche Begriffe entstehen. Für DVD hat sich eine Gebärde durchgesetzt, da der Begriff immer häufiger in der Alltagssprache von Gehörlosen verwendet wurde: eine Modifizierung der Buchstaben D, V und D.

 IT-Fachbegriffe: Wie zum Teufel gebärdet man DDos-Attacke?IT verändert die Gebärdensprache 

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Lajka 13. Sep 2017

das sind doch die mit den guten Fragen und durchweg richtig schlechten Antworten

Lajka 13. Sep 2017

ein Grund dafür auch ist, dass in der Vergangenheit Kindern verboten wurde in...

skeks 12. Sep 2017

Sehr geile Idee !!

quark2017 02. Sep 2017

Kleine Anmerkung dazu, weshalb einige "Gehörlose" gut sprechen können und andere hingegen...

format 21. Aug 2017

Danke für diesen Artikel, mal etwas Anderes und hat mich nachdenklich gestimmt.



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