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Gear IconX im Test: Anderthalb Stunden Trainingsspaß

Mit Samsungs Gear IconX sollen sportlich aktive Nutzer nicht nur Musik hören, sondern auch ihre Aktivitäten aufzeichnen - dank eingebautem Pulsmesser und Fitnesstracker. Das funktioniert gut, die kurze Akkulaufzeit der kabellosen Ohrstecker verhindert aber einen ernsthaften Einsatz.
/ Tobias Költzsch
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Die Gear IconX im Ohr (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Die Gear IconX im Ohr Bild: Martin Wolf/Golem.de

Wie The Dash bestehen die IconX-Kopfhörer aus zwei einzelnen Steckern, die weder untereinander noch mit dem angeschlossenen Smartphone per Kabel verbunden sind. Diese vollständige Kabelfreiheit ermöglicht in jeder Situation ungestörte Bewegungen, was besonders beim Sport praktisch ist. Allerdings hat sie auch einen Nachteil, der uns während unseres Tests schnell aufgefallen ist: eine kurze Akkulaufzeit.


Die Einrichtung der Gear IconX ist denkbar einfach: Nachdem wir die Stecker zunächst in ihrer Ladebox aufgeladen und die Samsung-Gear-App aus dem Play Store heruntergeladen haben, müssen wir die Stecker nur noch in unsere Ohren stecken. Sie schalten sich automatisch an und lassen sich problemlos mit unserem Oneplus Three koppeln. Kompatibel sind die Stecker mit Smartphones, die über die Android-Version 4.4 und höher sowie mindestens 1,5 GByte RAM verfügen. Mit iOS-Geräten funktionieren die Kopfhörer nicht.

Stecker schalten sich automatisch ein

Einmal gekoppelt, müssen die Gear IconX bei Benutzung nur ins Ohr gesteckt werden. Nach Gebrauch legen wir die Kopfhörer einfach wieder in ihre Ladebox zurück. Diese hat einen eingebauten Akku, der die Stecker wieder auflädt. Den Ladestand der einzelnen Stecker können wir über zwei LEDs an der Vorderseite der Ladebox ablesen, den der Box selbst auf der Rückseite. Hier befindet sich auch der Ladestecker für die Box.

Einfache Bedienung per Touchpad

In der Bedienung sind die Gear IconX einfach und intuitiv: Gesteuert werden die Stecker über Touchpads an den Rückseiten der Stecker. Ein einfacher Tap auf das Pad stoppt und startet die Wiedergabe des aktuellen Musiktitels. Ein Doppel-Tap wechselt zum nächsten Titel und beantwortet und beendet einen Anruf. Ein dreifacher Tap gibt den vorigen Titel wieder. Auf- und Abstreichen auf dem Touchpad reguliert die Lautstärke. Die Steuerung ist trotz Auswahl eines Hauptsteckers über die Touchpads beider Stöpsel möglich.

Bei der Einrichtung und in den Einstellungen über die Gear-App können Nutzer auswählen, ob sie das Touchpad des rechten oder linken Steckers verwenden wollen. Sofern dieser Hauptstecker im Ohr gelassen wird, bleibt Gear IconX mit dem Smartphone verbunden und kann als Bluetooth-Headset genutzt werden. Wählen wir den rechten Stöpsel als Hauptstecker und nehmen ihn heraus, schalten sich die Kopfhörer hingegen nach knapp einer Minute ab.

Ausgeglichener, aber etwas unspektakulärer Klang

Trotz ihrer Fitnesstracking-Fähigkeiten sind die Gear IconX für uns in erster Linie Kopfhörer - entsprechend muss der Klang stimmen, besonders bei einem Preis von 200 Euro. Musik geben die beiden Ohrstöpsel gut in den Frequenzen getrennt wieder, die Bässe sind sehr unauffällig. Wir haben mit einem Equalizer etwas die unteren Frequenzen angehoben und auch die Höhen leicht verstärkt - in der Grundeinstellung sind uns die Kopfhörer etwas zu dünn in den Bassfrequenzen.


Es gibt natürlich geschmackliche Unterschiede bei unterschiedlichen Nutzern: Wer nur leichte Bässe bei Kopfhörern mag, wird bei den IconX nicht an den tiefen Frequenzen schrauben müssen. Insgesamt halten wir die Tonqualität für gut, die Frequenzen sind gut auseinanderzuhalten; der Klang ist nicht matschig, was auch an den dezenten Bässen liegt.

Nutzer können nicht nur Musik vom Smartphone auf den Gear IconX hören, sondern auch direkt Musikdateien auf den Kopfhörern selber speichern. Dafür steht ein 4 GByte großer interner Speicher zur Verfügung. Besitzer eines Samsung-Galaxy-Smartphones können Musikdateien entweder vom Smartphone oder mit einer speziellen Software von einem PC übertragen; wer kein Galaxy hat, kann nur die Verbindung über den PC wählen.

Verschiedene Aufsätze für guten Halt

Gedacht sind Samsungs Kopfhörer aber nicht nur als reine Musikwiedergabegeräte, sondern als Fitnessohrstecker. Daher hat Samsung den Stöpseln insgesamt drei unterschiedlich große Gummiaufsätze für den Gehörgang sowie drei Halteflügel beigelegt. Damit lassen sich die Gear IconX so konfigurieren, dass sie in die meisten Ohren passen dürften.

Bauartbedingt haben wir beim Test Veränderungen beim Klang beobachtet, wenn wir unser Gesicht - und damit auch unsere Ohren - stärker bewegten. Dieses Problem haben betroffene Nutzer aber nicht nur mit den Gear IconX, sondern mit allen Kopfhörern, die verhältnismäßig tief im Gehörgang sitzen.

Die beiden Stöpsel haben einen Pulsmesser eingebaut, der während der Trainingseinheiten die Herzfrequenz misst und aufzeichnet. Ein Workout kann entweder über Samsungs Fitness-App S Health oder direkt über die Gear IconX gestartet werden. Dazu hält der Nutzer den Finger auf dem Touchpad; anschließend kommt eine Ansage, ob ein Workout gestartet werden soll. Wird der Finger jetzt von Touchpad genommen, startet die Aufzeichnung. Dafür ist keine Verbindung mit dem Smartphone nötig - der aufgezeichnete Verlauf kann auch später über S Health synchronisiert werden.

Fester Sitz und gute Abschirmung

Die automatische Aufzeichnung unterscheidet zwischen verschiedenen Sportarten, wie etwa Gehen, Laufen und Radfahren. Über S Health stehen noch zahlreiche weitere Sportarten zur Verfügung, die aber mitunter gar nicht die Gear IconX verwenden. Starten wir etwa ein Kraftsport-Workout oder geben wir an, dass wir einen Ellipsentrainer verwenden, wird lediglich die Zeit mit einem errechneten Kalorienverbrauch aufgezeichnet und kein Puls. Das geht auch nur mit einem Smartphone ohne die Ohrstöpsel.


Die Gear IconX sitzen während sportlicher Aktivitäten fest und stören uns überhaupt nicht - fehlendes Kabel sei Dank. Zwischendrin bekommen wir immer wieder Ansagen zu unserem sportlichen Fortschritt. Wer in einer Umgebung Sport macht, in der es wichtig ist, die Umgebungsgeräusche zu hören, kann einen entsprechenden Modus aktivieren.

Umgebungsmodus für Wahrnehmung von Geräuschen

An sich schirmen die Gear IconX nämlich Geräusche sehr gut ab, was etwa beim Joggen auf der Straße zum Sicherheitsrisiko werden kann. Halten wir den Finger lange auf dem Touchpad, kommt zunächst die Frage, ob wir ein Workout starten oder beenden möchten; lassen wir den Finger auf dem Touchpad, kommt als Nächstes die Frage, ob wir die Umgebungsgeräusche aktivieren wollen. Lassen wir das Pad dann los, werden alle Geräusche über das Mikrofon der Kopfhörer aufgenommen und direkt wiedergegeben.

Dadurch bekommen Nutzer auch während des Musikhörens recht gut mit, was um sie herum passiert. Aufpassen sollte man hier bei sehr lauten Geräuschen, da es dann zu Übersteuerungen kommen kann, die nicht besonders angenehm für das Trommelfell sind.

Als Trainingsunterstützung finden wie Samsungs Ohrstöpsel sehr praktisch. Ein Standard-Workout lässt sich schnell starten, die Stöpsel sitzen bequem im Ohr und stören dank fehlenden Kabels überhaupt nicht. Die aufgezeichneten Daten wirken auf uns kongruent und geben eine Reihe interessanter Informationen über die eigenen sportlichen Aktivitäten wieder. Die Bedienung per Touch und Sprachansagen ist mit kurzen Wartezeiten verbunden, dafür aber selbsterklärend und unkompliziert.

Viel zu kurze Akkulaufzeit

Leider haben die Gear IconX aber auch eine Kehrseite, die die Kopfhörer gemessen an ihrem Einsatzzweck - dem Tracken von Sport - mitunter einschränken: die Akkulaufzeit. Wir kommen sowohl beim reinen Musikhören als auch beim Musikhören mit gleichzeitiger Fitnessaufzeichnung auf eine Laufzeit von 75 bis 90 Minuten. Mehr als 1,5 Stunden ist mit den Kopfhörern schlicht nicht drin.


Das schränkt die Nutzung unserer Meinung nach stark ein: Wer die Stöpsel hauptsächlich als reine Kopfhörer verwenden will, kann mit einer Laufzeit von maximal 1,5 Stunden absolut nichts anfangen. Wer die Gear IconX als Tracker verwenden will, muss seine Aktivität gut planen: Für eine kurze Jogging-Session reicht die Laufzeit. Wer allerdings etwa eine Radtour, eine längere Laufsession oder ein Workout im Fitnessstudio machen will, dürfte Probleme bekommen.

Beim Workout im Fitnesscenter wird es schon knapp

Wir sind nach der Arbeit 30 Minuten zum Studio gefahren und haben anschließend trainiert. Nach 45 Minuten Training, noch bevor wir fertig waren, haben die Akkus schlappgemacht. Um sie in der Ladebox wieder vollständig aufzuladen, braucht es ungefähr eine Stunde; gut, dass wir noch kabelgebundene Kopfhörer als Ersatz dabeihatten.

Natürlich ist Samsung aufgrund der kleinen Bauform bei der Auswahl der Akkugröße eingeschränkt. Mehr als zwei Stunden Laufzeit sollten bei explizit für die Aufzeichnung von Sport gedachten Kopfhörern aber drin sein, finden wir. Die Ladebox hat einen Akku mit einer Nennladung von 315 mAh, was für zwei Aufladungen beider Stöpsel ausreicht. Danach muss auch die Box wieder ans Ladekabel; ihr Akku und die Ohrstöpsel können gleichzeitig geladen werden.

Die von den Gear-IconX-Stöpseln aufgezeichneten Daten können über die S-Health-App mit einigen anderen Fitnessdiensten geteilt werden: Über das Einstellungsmenü der Anwendung kann der Nutzer die gewünschten Services auswählen. Aktuell stehen hier Fitbit, Jawbone, Microsoft, Misfit, Runkeeper und Strava zur Verfügung. Runtastic oder Google fehlen in der Auflistung.

Daten können teilweise mit anderen Apps geteilt werden

Welche Daten geteilt werden, ist je nach Anbieter unterschiedlich: Jawbone, Microsoft, Misfit und Runkeeper erhalten sowohl Aufzeichnungen über das Schlafverhalten als auch das Training. Fitbit bekommt nur Schlafdaten, Strava nur Trainingsdaten. Anhand dieser Auswahl ist erkennbar, dass nicht explizit die Daten des Gear IconX geteilt werden, sondern generell die von S Health: Schlafdaten zeichnen die Ohrstöpsel nicht auf, was auch keinen Sinn ergeben würde. Trägt der Nutzer die Stöpsel nicht, zeichnet S Health weiter die über das Smartphone gemessenen Schritte auf - und teilt sie dann mit dem verknüpften Service.

Eine explizite Möglichkeit, die Gear-IconX-Kopfhörer als externen Tracker in eine Drittanbieter-App einzubinden, haben wir nicht gefunden. Die Runtastic-App unter Android beispielsweise erkennt das Gerät zwar, kann es aber nicht als Quelle für Pulsfrequenzdaten nutzen.

Verfügbarkeit und Fazit

Die Gear IconX kosten bei Samsung 230 Euro und sind in den Farben Weiß, Schwarz und Blau erhältlich.

Fazit

Die Gear IconX messen zuverlässig Schritte und die Pulsfrequenz beim Trainieren, zudem klingen sie beim Abspielen von Musik gut. Dank der verschiedenen Aufsätze lassen sich die Ohrstöpsel gut an verschiedene Ohrformen anpassen.

Die Bedienung über die an den Seiten der beiden einzelnen Stecker angebrachten Touchpads ist unkompliziert und eingängig. Aufgrund der Sprachausgabe müssen wir zwar immer ein wenig warten, bis wir einen Menüpunkt auswählen können, das hat uns in der Praxis aber wenig gestört.


Im Alltag sehr gestört hat uns allerdings die Akkulaufzeit. Als reine Kopfhörer sind die Gear IconX mit einer Laufzeit von durchschnittlich 1,5 Stunden unserer Meinung nach nicht zu gebrauchen. Eine längere Bahnfahrt, ein Flug, selbst die morgendliche Fahrt zur Arbeit dürften aufgrund dieser kurzen Laufzeit oft zum Problem werden, wenn der Nutzer dabei Musik hören möchte.

Für sportliche Aktivitäten - dem eigentlichen Einsatzzweck der Gear IconX - eignen sich die Ohrstöpsel aufgrund des Akkus auch nur bedingt: Längere Läufe oder ein Workout im Fitnessstudio werden zeitlich schon knapp. Beim Training andauernd auf die Uhrzeit achten zu müssen, finden wir nervig.

Bei einem Preis von 230 Euro halten wir Fitnessarmbänder oder -uhren mit eingebautem Pulsmesser für sinnvoller, um ein Training aufzuzeichnen. Samsungs eigenes Fitnessarmband, die Gear Fit 2, kostet beim Hersteller selbst 30 Euro weniger; wem es um die Analyse seiner sportlichen Aktivitäten geht, dürfte damit besser bedient sein.


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