Gaskrise: Cern erwägt Abschaltung von Teilchenbeschleunigern

Aufgrund der durch den Ukrainekrieg ausgelösten Energiekrise bietet das Cern an, seine Anlagen herunterzufahren. Der LHC soll zuletzt drankommen.

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Supraleitender Magnet des LHC: Eine Abschaltung verzögert den wissenschaftlichen Betrieb.
Supraleitender Magnet des LHC: Eine Abschaltung verzögert den wissenschaftlichen Betrieb. (Bild: Samuel Joseph Hertzog/Cern)

Lichter aus in Genf: Das europäische Kernforschungszentrum Cern erwägt, seine Teilchenbeschleuniger, darunter auch den Large Hadron Collider (LHC), wegen der Energiekrise zeitweise stillzulegen.

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Das Cern habe einen entsprechenden Plan ausgearbeitet, der Ende des Monats den Regierungen der Schweiz und Frankreichs vorgelegt werden solle, berichtet die US-Tageszeitung Wall Street Journal. Hintergrund ist, dass der russische Gaskonzern Gazprom die Erdgaslieferungen nach Europa durch die Nord-Stream-1-Pipeline gestoppt hat.

"Unsere Sorge gilt wirklich der Netzstabilität", sagte Serge Claudet, Leiter des Gremiums für das Energiemanagement des Cern, der Zeitung. Das Cern werde alles tun, um einen Stromausfall in der Region zu verhindern. Dazu gehöre, bei Bedarf auch den LHC abzuschalten.

Das Cern braucht 200 Megawatt

Das Cern betreibt neben dem LHC sieben weitere Teilchenbeschleuniger sowie zwei Teilchenverzögerer. Der Spitzenbedarf an Energie liegt bei 200 Megawatt - das entspricht etwa einem Drittel des Energiebedarfs von Genf.

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Das Cern verhandele mit dem französischen Energieversorger Électricité de France über eine Vorwarnzeit von einem Tag, wenn das Cern die Leistungsaufnahme drosseln müsse. In so einem Fall wolle das Cern erst andere Beschleuniger abschalten, wodurch 25 Prozent weniger Strom benötigt würden.

Der LHC soll erst im zweiten Schritt heruntergefahren werden. Das wird noch einmal eine Einsparung von 25 Prozent bringen. Das Problem ist jedoch, dass die supraleitenden Magnete des LHC weiter auf etwa 2 Kelvin gekühlt werden müssen. Wenn diese abgeschaltet werden, kann es Wochen dauern, bis der wissenschaftliche Betrieb wieder aufgenommen werden kann.

Erneuerbare Energien und Klimaschutz: Hintergründe - Techniken und Planung - Ökonomie und Ökologie - Energiewende (Deutsch)

Das Spielzeug soll ganz bleiben

Die Abschaltung erfolge freiwillig, sagte Claudet. Mit einer solchen Aktion wolle man aber sein Spielzeug nicht kaputt machen.

Der LHC läuft ohnehin nur in den Monaten Mai bis Dezember, also weitgehend außerhalb der Heizperiode, um die Energieversorgung nicht zu beeinträchtigen. In dieser Zeit gibt es dann sehr eng getaktete Zeitpläne für die Durchführung von Experimenten. Eine längere Abschaltung würde diese durcheinanderbringen.

Der Teilchenbeschleuniger LHC hat nach einer dreijährigen Pause seinen Betrieb erst Anfang Juli 2022 wieder aufgenommen. In dieser Zeit wurden der Beschleuniger und seine Injektoren sowie die Experimente gewartet und aufgerüstet. Künftig kann der LHC mit einer Energie von 13,6 Billionen Elektronenvolt (TeV) arbeiten.

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