Gasag-Netztochter NBB: Glasfaser-Erdraketen zerstören häufig Gasleitungen

Zerstörungen am Gasnetz durch den Einsatz von Glasfaser-Erdraketen bringen Energieversorgern wie der NBB Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg zunehmend Probleme. Das gab die Gasag-Netztochter am 30. April 2024 bekannt(öffnet im neuen Fenster) . Erdraketen seien im vergangenen Jahr mit mehr als 300.000 Euro zweithäufigste Ursache für Leitungsschäden gewesen.
So waren in Priort-Elstal bei Wustermark im Landkreis Havelland Ende 2022 mehr als 1.000 Haushalte mehrere Tage lang vom Netz getrennt, nachdem eine beim Breitbandausbau verwendete Erdrakete eine Hochdruckleitung beschädigt hatte. In diesem Bereich war DNS:NET(öffnet im neuen Fenster) neben weiteren Firmen beim Ausbau aktiv.
In Berlin-Reinickendorf konnte durch den Einsatz von Beschäftigten der NBB ein zweistelliger Millionenschaden für ein Unternehmen abgewendet werden, nachdem eine Gasleitung durch eine Erdrakete getroffen und die Versorgung der Schmelzöfen eines Werkes gefährdet war. Dort waren die Deutsche Telekom(öffnet im neuen Fenster) und DNS:NET aktiv(öffnet im neuen Fenster) .
Wer Tiefbaumaßnahmen plant oder durchführt, ist laut NBB gesetzlich verpflichtet, sich zuvor bei den Netz- und Infrastrukturbetreibern vor Ort über Leitungsverläufe zu informieren. Laut Informationen der NBB Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg sei aber nicht einmal die Hälfte der Schadensverursacher aus dem vergangenen Jahr vor Beginn der Bauarbeiten dieser Pflicht nachgekommen.
Namen von Netzbetreibern, deren Tiefbaupartner für solche Schäden verantwortlich seien, wurden von der NBB auf Nachfrage von Golem.de nicht genannt.
Der Einsatz der Erdraketen ermöglicht es, die letzten Meter durch den Garten zu einem Haus zu überwinden. Einfahrt und Vorgarten sollen bei der Glasfaserverlegung so intakt bleiben. Um das zu ermöglichen, wird ein Bodenverdrängungshammer in eine Grube im Gehweg an der Grundstücksgrenze eingesetzt. Von dort gräbt er sich mit Druckluft unter der Oberfläche hindurch. Dann wird ein Speednet-Rohr verlegt, in das später die Glasfaser eingeblasen wird.
Berlin und Brandenburg: Ausbau auf Hochtouren
Der Netzbetreiber-Branchenverband Breko verweist dagegen im Gespräch mit Golem.de darauf, dass der Glasfaserausbau in Berlin und Brandenburg auf Hochtouren laufe und man mit eigens entwickelten Schulungen auf hohe Qualität hinarbeite.
"Allein in Brandenburg lag die Glasfaserquote laut Breko-Marktanalyse Mitte vergangenen Jahres bei 51 Prozent - ein Anstieg um 31 Prozentpunkte und damit der höchste Zuwachs unter allen Bundesländern" , sagte Breko-Sprecher Lorenz Vossen Golem.de auf Anfrage.
Grabenlose Verlegemethoden wie die Erdrakete leisteten einen wichtigen Beitrag, um mehr Menschen in der Region mit Glasfaseranschlüssen zu versorgen. "Im Rahmen einer eigens entwickelten Schulung für Projektleiterinnen und Projektleiter in der Bauüberwachung bildet der Breko gemeinsam mit den Schulungspartnern Bau-ABC Rostrup, TRACTO, Gabocom, Bagela, Plan[neo] und Opternus Beschäftigte von Glasfaser ausbauenden Unternehmen" zum Arbeiten mit der Erdrakete sowie zu Rechtsvorschriften bei Bauarbeiten im Bereich von Versorgungsanlagen weiter, erklärte Vossen.



