Gartner: Billionen US-Dollar für KI werden sich über neue Produkte amortisieren
Der Ausbau der für KI erforderlichen Rechenzentren sei das größte Infrastrukturprojekt, das die Menschheit je in Angriff genommen hat. Das sagte Gartner-Chefanalyst John-David Lovelock am 23. Juli 2026 auf Fragen von Golem. Lovelock verglich dies mit den zusammengenommenen Ausgaben für das US-Autobahnnetz, das europäische Schienennetz und die Internationale Raumstation (ISS). Der Gartner Forecasts Worldwide IT Spending wurde am 27. Juli 2026 veröffentlicht.
Lovelock betonte: "Mit der möglichen Ausnahme der Neoclouds stützt sich keines der Unternehmen, die Rechenzentren ausbauen, auf ein einziges, einfaches Geschäftsmodell. Das Cloudmodell, nach dem man einen Server kauft, und die Kapazität vermietet, reicht bei KI nicht aus."
Es gebe mittlerweile sich überschneidende Modelle zur Umsatzgenerierung, und die Server selbst unterstützten in vielen Fällen die Einnahmequelle: So generiere etwa Copilot Umsatz für Microsoft, während der Azure-KI-Stack einen Kostenfaktor darstelle. Die Rechenzentren selbst erwirtschaften vielleicht nie die Einnahmen, um die Investitionen zu amortisieren, aber sie bilden die Basis für die neuen Produkte und Dienstleistungen, die dies laut Gartner erreichen werden.
"Der Markt für generative KI ist der größte und wichtigste Wettlauf um Marktanteile, den der Technologiesektor seit der Einführung der Cloud erlebt hat. Der Fokus der aktuellen KI-Anbieter liegt auf einer schnellen Markteinführung, der Funktionalität und einer zunehmenden Kunden- und Partnerbindung", erklärte Lovelock.
Das Ende der IT-Sicherheit
Dies untergrabe jegliche Bemühungen um Sicherheitsstandards und -zertifizierungen und mache sie faktisch hinfällig. Jeder Anbieter von Large Language Models (LLMs) priorisiere funktionale Verbesserungen durch schnelle Release-Zyklen. Der Markt für generative KI entwickle sich schneller, als regulatorische oder sicherheitsrelevante Rahmenbedingungen Schritt halten könnten. Das mache die Haftungsfrage zur größten bekannten Unbekannten der generativen KI.
Scapegoat-in-the-loop
Lovelock erklärte: "Trotz ungeklärter Fragen zu Gesetzgebung, Haftung und Verantwortlichkeit steigen die Adoptionsraten für generative KI, wobei sich der Trend hin zu agentenbasierten Arbeitsabläufen verlagert. Dieses Umfeld, in dem Geschwindigkeit über alles geht, hat zum Phänomen des AI Jaywalking geführt: einem Konzept, bei dem die Verantwortung für einen Unfall auf das Opfer abgewälzt wird."
Der gängigste Lösungsansatz Human-in-the-loop scheitere oft daran, dass Menschen biologisch und psychologisch nicht dafür gerüstet seien, Hochgeschwindigkeitsalgorithmen zu überwachen. Dies führe zu einem Phänomen, das sich als Scapegoat-in-the-loop bezeichnen lässt: Menschen fungierten dabei eher als Puffer für die Haftung denn als wirksame Kontrollinstanzen. "Bis der Markt so weit gereift ist, dass anerkannte Sicherheitstests existieren, wird die Haftungsfrage ein heikles Thema bleiben", sagte Lovelock.
Der Autor meint
Wenn man die geschätzten 500 bis 600 Milliarden US-Dollar, die die Tech-Konzerne allein im Jahr 2026 für KI-Infrastruktur ausgeben, und die prognostizierten mehrere Billionen US-Dollar bis 2030 mit den Schätzungen der Vereinten Nationen (UN) vergleicht, ergibt sich ein klares Bild: Mit den globalen Investitionen eines einzigen Jahres in KI-Rechenzentren, Chips und Energienetze könnte man rechnerisch den Welthunger für ein ganzes Jahrzehnt beseitigen und das globale Trinkwasserproblem lösen. Doch das passiert nicht, denn der Profit einer Handvoll Superreicher geht vor.
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