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Garmin Fenix 7 im Test: Outdoor-Wearable mit fast allem Drin und Dran

Eine weitere Funktionslücke ist geschlossen: Nun hat auch die Garmin Fenix 7 einen Touchscreen – und noch mehr Akkulaufzeit.
/ Peter Steinlechner
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Garmin Fenix 7 im Einsatz (Bild: Peter Steinlechner/Golem.de)
Garmin Fenix 7 im Einsatz Bild: Peter Steinlechner/Golem.de

Wann geht die Sonne in Spitzbergen auf? Wo ist Norden? Wie lange haben wir in dieser Woche HIIT-Training gemacht, wie viele Kilometer sind wir mit dem Rennrad und wie viele mit dem Gravelbike gefahren, wie viele Höhenmeter haben wir in den letzten Stunden zurückgelegt, droht ein Sturm im Gebirge, wie gelangen wir wieder nach Hause und wie steht es um unsere Herzfrequenzvariabilität?

Alle diese Fragen (und noch ein paar mehr) können wir mit den Wearables der Fenix-Serie beantworten. Und zwar autonom, also zur Not auch ohne Anbindung ans Internet und Ladekabel – in jedem Fall mehrere Tage, teils mehrere Wochen lang.

Die Uhren gelten als Alleskönner, in die Hersteller Garmin(öffnet im neuen Fenster) so gut wie alle irgendwo in seinem Modulbaukasten verfügbaren Funktionen packt. Nun gibt es mit der relativ kleinen Fenix 7S, der mittelgroßen 7 sowie der großen 7X neue Modelle mit besserer Hardware.

Dazu kommt mit der Epix 2 ein von der 47 Millimeter großen Fenix 7 abgeleitetes Wearable, das statt des stromsparenden MIPS-Displays mit einem hellen und detailreichen AMOLED-Bildschirm ausgestattet ist. Das hat Auswirkungen auf die Batterielaufzeit – aber davon abgesehen sind Fenix 7 (konkret: die Fenix 7 Sapphire Solar) und Epix 2 exakt die gleichen Uhren.

Die mit Abstand auffälligste Neuerung bei allen Modellen ist ein Touchscreen. Es wäre interessant zu wissen, wie lange die Entwickler bei Garmin darüber nachgedacht haben. In Foren war früher schließlich immer wieder zu lesen, dass die Community keinen Touchscreen möchte.

Grund: Die Tastensteuerung bei der Fenix funktioniert hervorragend auch unter schwierigen Bedingungen und mit Handschuhen. Bei Touch besteht immer die Gefahr, dass man etwa durch eine Berührung des Displays unbeabsichtigt ein Training abbricht oder den Kartenausschnitt verschiebt.

Um es kurz sagen: Wir hatten die gleichen Sorgen – aber nach ein paar Stunden haben wir Touch ganz selbstverständlich und gerne verwendet. Fehleingaben haben wir auch nach sehr vielen Tagen nie vorgenommen.

Das liegt unter anderem daran, dass wir die Touchsteuerung beim Training abstellen können; wobei ein Abbruch mit Touch sowieso nicht möglich wäre – hierzu müssen wir immer die gewohnte Taste drücken. Die Berührungssteuerung lässt sich außerdem immer mit einem Druck auf die linke untere und die rechte obere Taste ein- und ausschalten.

Dazu kommen durchdachte Optionen, mit denen wir die Fenix 7 ganz nach unseren Wünschen einstellen können. Dadurch können wir Touch etwa um Punkt 23 Uhr abstellen, so dass wir auch beim Schlafen keine Fehleingaben vornehmen oder das Licht aktivieren können.

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Nach Angaben von Garmin verbraucht Touch zwar Energie, es handelt sich aber nicht um einen "signifikanten" Anteil. Wenn wir über das Power Management die Restlaufzeit mit und ohne Touch vergleichen, sehen wir keine Unterschiede. Entweder ist die Technologie wirklich sehr genügsam oder der Energieverbrauch wird nicht korrekt berücksichtigt – wir wissen es nicht, tippen aber auf Ersteres.

Garmin Fenix 7 Solar Modelle
Fenix 7S Solar SapphireFenix 7 Solar SapphireFenix 7X Solar SapphireEpix 2
Durchmesser42 mm47 mm52 mm47 mm
Höhe / Gewicht14,1 mm / 63 Gramm14,5 mm / 79 Gramm14,9 mm / 96 Gramm14,5 mm / 76 Gramm Stahl (70 Gramm Titan)
Display1,2 Zoll MIP1,3 Zoll MIP1,4 Zoll MIP1,3 Zoll AMOLED
Display Auflösung240 x 240 Pixel260 x 260 Pixel280 x 280 Pixel416 x 416 Pixel
Akkulaufzeit Smartwatch (mit Solar)11 Tage (+3 Tage Solar)18 Tage (+4 Tage Solar)28 Tage (+9 Tage Solar)16 Tage Gesten, 6 Tage Always-on
Akkulaufzeit GPS (mit Solar)37 Stunden (+9 Stunden Solar)57 Stunden (+16 Stunden Solar)89 Stunden (+33 Stunden Solar)42 Stunden Gesten, 30 Stunden Always-on
Akkulaufzeit GPS Expedition (mit Solar)26 Tage (+17 Tage Solar)40 Tage (+34 Tage Solar)62 Tage (+77 Tage Solar)14 Tage
Preisrund 900 Eurorund 900 Eurorund 1.000 Eurorund 900 Euro Stahl (1.000 Euro Titan)

Wo wir gerade beim Thema Licht und Energie sind: Die zweite größere Neuerung gibt es nur bei der großen Fenix 7X, nämlich eine integrierte Taschenlampe an der oberen Kante (die nach vorne zeigt). Das klingt wie ein Gag, ist aber extrem praktisch – beim Ausleuchten von Hotelzimmern ebenso wie von Tropfsteinhöhen, bei der Suche nach Bärenfallen ebenso wie beim abendlichen Gassigehen mit dem Hund.

Dazu kommen noch Spezialanwendungen: Beim Laufen können wir etwa einen Modus aktivieren, mit dem bei Armbewegungen nach vorne die beiden weißen LEDs den Weg weisen, während beim Schlenkern nach hinten die rote LED als Rücklicht dient.

Solarstrom und Routing

Die Helligkeit der weißen LED lässt sich in mehreren Stufen regeln, bei der roten geht das nicht. Die weißen halten bei höchster Helligkeit rund drei bis vier Stunden durch – aber so lange braucht hoffentlich niemand, um nachts im Hotel vom Bad zur Toilette zu gelangen.

Bei den meisten der 22 unterschiedlichen Fenix-7-Modelle hat Garmin das schon aus einigen Vorgängern bekannte Solar-Laden integriert. Das lädt eine gewisse Menge Energie über eine hauchdünne Schicht auf den Saphierglas (anstelle von Gorilla Glass wie früher), sowie recht viel Energie über einen nun viel kräftigeren, braun glänzenden Ring am Rande des Displays.

Die Solarfläche ist also viel größer, und das merkt man auch. Die (durchaus glaubwürdigen) Angaben von Garmin stehen in der Tabelle. In der Praxis haben wir viel öfter und stärker erlebt, dass die Prozentzahl mit dem Restakku auch nach einer oder zwei Stunden Sport im Hellen viel weniger gesunken ist, als das sonst der Fall gewesen wäre.

Obwohl uns der Solar-Ring optisch nicht gefällt: Wir würden uns ab sofort in jedem Fall für das Laden per Sonnenenergie entscheiden.

Eine weitere Verbesserung in Sachen Hardware ist ein neues GPS-Modul, das in den meisten Modellen der Fenix 7 sowie in der Epix 2 nun – extrem vereinfacht gesagt – eine Auswertung von Satellitendaten über mehrere Bänder erlaubt. In der Praxis bedeutet das ein noch sehr viel schnelleres Erfassen von GPS-Daten beim Trainingsstart, vor allem aber genauere Positionsangaben.

Das sieht man auch in unproblematischem Gelände, weil die Routen viel genauer sind. Vor allem aber soll es in Hochhausschluchten und Felstälern etwas bringen, weil die dort unvermeidlichen Reflexionen viel besser herausgefiltert werden können.

Allerdings: Multi-Band verbraucht viel Energie. Auf der Fenix 7 sinkt bei einer Stunde Laufen der Akkustand nur mit GPS um zwei Prozentpunkte, in den höchsten Einstellungen ("All + Multi-Band") hingegen sind es rund sechs Prozentpunkte.

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Davon abgesehen hat Garmin in seinen neuen Wearables spürbar schnellere Prozessoren verbaut. Das merkt man beim Scrollen durch die Menüs, vor allem aber beim Routing auf den Offlinekarten: Die Fenix 7 schafft es in wenigen Sekunden, uns nach einer Stunde Jogging auf kürzestem Weg zum Startpunkt zu navigieren. Das Vorgängermodell hat für eine vergleichbare Berechnung mit etwas Pech noch ein oder zwei Minuten benötigt.

Momentan gibt es keine Version der Fenix 7 mit LTE oder anderen Mobilfunkverbindungen. Allerdings ist es durchaus möglich, dass entsprechende Modelle später nachgereicht werden.

Kabelloses Laden ist nicht möglich. Nach wie vor kommt die proprietäre Buchse aus den Vorgängern zum Einsatz; das Ladekabel wird über USB-A an ein nicht mitgeliefertes Netzteil angeschlossen.

Garmin Fenix 7 – Trailer
Garmin Fenix 7 – Trailer (01:00)

Es gibt kein integriertes EKG, aber eine andere gesunde Änderung auf der Rückseite: Der neue Herzfrequenzsensor (Generation 4) ist nun mit Glas statt mit Kunststoff geschützt – bei der Fenix 6 war das ein Problem für Menschen mit entsprechenden Allergien. Hier besteht nun keine Gefahr mehr.

Grundlegende Neuerungen bei der Software gibt es nicht. Es gibt zusätzliche Sportprofile, darunter HIIT und mehr unterschiedliche Radfahr-Trainings. Dazu kommt Bewährtes wie die Anzeige von Stress und Herzfrequenz (mit neuem Sensor), eine Ermittlung der Schritte, Schätzung des Kalorienverbrauchs, Schlafanalyse und die bekannten Benachrichtigungen.

Garmin Fenix 7 und Epix 2: Verfügbarkeit und Fazit

Die Schlafanalyse funktioniert bei uns genauso gut oder schlecht wie bei der Fenix 6. Auch die Fenix 7 neigt dazu, entspanntes Lümmeln vor dem Fernseher schon als REM-Phase zu kategorisieren. Zum Glück kann man die Werte recht einfach nachträglich per App korrigieren.

Verbindungsprobleme mit externen Sensoren hatten wir nicht, zumindest per Bluetooth hat alles auf Anhieb funktioniert. Auch das Koppeln mit dem Smartphone hat auf Anhieb zuverlässig geklappt. Dagegen kam uns die Datenübertragung per WLAN etwas wackliger und länger vor als bei den älteren Fenix.

Alle Fenix 7 sowie die Epix 2 verfügen über die Möglichkeit, Daten sowohl per WLAN als auch per Bluetooth zu übertragen. Alle haben mindestens 16 GByte internen Speicher, die meisten Modelle haben sogar 32 GByte verbaut.

Unterschiede gibt es bei den vorinstallierten Karten: Bei den Modellen mit 16 GByte müssen die Nutzer selbst laden, bei 32 GByte sind unter anderem die Karten der Heimatregion schon vorinstalliert. Außerdem bieten einige Wearables beim GPS kein Multi-Band, sondern lediglich Multi-Frequenz.

Garmin Epix 2 – Trailer
Garmin Epix 2 – Trailer (00:42)

Das bedeutet, dass neben GPS auch noch Galileo oder Glonass zur Positionsbestimmung verwendet wird, aber nicht die weitergehende Verfolgung von mehreren Satelliten. Sprich: Multi-Band in den teureren Fenix 7 und in der Epix 2 bietet genauere Daten, insbesondere in engen Straßen und Tälern. Alle Wearables sind wasserdicht bis 10 ATM (100 Meter).

Die meisten Versionen der Fenix 7 sowie die Epix 2 sind laut Garmin ab rund 700 Euro erhältlich. Die meisten Modelle mit Saphirglas und Solar kosten rund 1.000 Euro. Trotz der hohen Preise gibt es massive Lieferschwierigkeiten.

Fazit

Es fühlt sich merkwürdig an, im Jahr 2022 ein Wearable dafür zu loben, dass es eine Taschenlampe und einen Touchscreen hat. Allerdings sind das nun mal wichtige und sinnvolle Neuerungen bei der Garmin Fenix 7. Schade, dass es die erstaunlich praktischen LEDs nur bei der Fenix 7X gibt.

Die Touch-Bedienung hat Garmin nahezu perfekt umgesetzt. Auch viele langjährige Fans der Fenix-Tastensteuerung dürften rasch umschwenken – weil es einfach ist und Spaß macht. In fast zwei Wochen intensiver Nutzung hatten wir nie Fehleingaben. Die Optionen zum Ein- und Ausschalten von Touch sind vorbildlich. Genauso sollte das künftig bitte auch in anderen Wearables gelöst werden.

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Davon abgesehen ist die Fenix 7 eine sinnvolle Weiterentwicklung der Vorgänger. Im Alltag haben wir neben Touch und Taschenlampe vor allem die wesentlich flüssigere Darstellung der Offlinekarten und das schnellere Routing als angenehm erlebt. Auch die längere Akkulaufzeiten merkt man deutlich, inklusive der Solar-Ladung mit dem höheren Wirkungsgrad.

Von der besseren Herzfrequenzmessung haben wir im Alltag dagegen nichts gemerkt – aber die war ja auch schon bei der Fenix 6 sehr gut. Hier freuen wir uns am meisten darüber, dass die Sensoren durch Glas und nicht mehr durch Kunststoff geschützt sind. So wirkt dieses sowieso fast unkaputtbare Wearable noch robuster.

Das mit dem neuen GPS-Modul ist so eine Sache. Uns reicht einfaches GPS im Alltag. Auf höchster Erfassungsstufe mit Multi-Band liefert die Fenix 7 zwar beeindruckend präzise Daten, aber dafür wäre uns im Normalfall der Energieverbrauch zu hoch.

Wer die Fenix 6 besitzt und nun über den Kauf des Nachfolgers nachdenkt: Nur wegen Touch würden wir nicht upgraden – das ist eine tolle Luxusfunktion, aber kein Muss. Wenn allerdings neben Touch auch Routing, Akku und das sonstige Drumherum wichtig sind, dann ist die Fenix 7 die richtige Uhr.

Autor Peter Steinlechner auf Strava(öffnet im neuen Fenster)


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