Garmin Epix und Fenix im Test: Sportuhren mit Strahlkraft vs. Ausdauer

Im Jahr 2012 hat Garmin die ersten Fenix-Sportuhr veröffentlicht, jetzt gibt es erstmals so etwas wie eine zweite Linie: Parallel zu leicht verbesserten Pro-Versionen von Fenix 7S, Fenix 7 und Fenix 7X ( Test auf Golem.de ) sind unter der Bezeichnung Epix drei Varianten mit viel leuchtstärkeren AMOLED-Bildschirmchen erhältlich.
Die beiden Modellreihen Epix 2 Pro und Fenix 7 Pro sind fast identisch, neben dem Display besteht der einzige echte Unterschied in den Akkulaufzeiten.
Garmin hat die AMOLED-Versionen etwas umständlich benannt, die größte Variante etwa heißt Epix Pro (Gen 2) - Sapphire Edition 51mm. Wir schreiben, immer noch kompliziert, von der Epix 2X Pro.
Für diesen Test konnten wir knapp vier Wochen lang diese Epix 2X Pro und die Fenix 7X Pro ausprobieren und vergleichen - also die jeweils größten Modelle.
Drei Sachen haben uns vor allem interessiert: Wie gut sind die Sportuhren? Welche Version gefällt uns nach dieser Zeit besser - und wie spürbar sind die Verbesserung der Fenix 7X Pro gegenüber der Version ohne den Zusatz Pro?
Zuerst das Wesentliche zur Epix 2X Pro. Wir haben das AMOLED-Panel per Always-on ohne die eigentlich sehr gute Aktivierung per Geste verwendet - ebenso wie bei der Apple Watch und anderen Smartwatches reicht uns die heruntergedimmte Leuchtkraft im Alltag. Durch Antippen oder Drücken einer Taste schaltet die Epix 2X Pro in den helleren Standardmodus.
Always-on ist fast immer sehr gut ablesbar, Probleme gibt es nur in knallender Sonne. Allerdings: Wenn dann zur normalen Helligkeit hochgeschaltet wird, ist das Display tatsächlich immer sehr gut ablesbar.
| Epix 2X Pro | Epix 2 Pro | Epix 2S Pro | Fenix 7X Pro | Fenix 7 Pro | Fenix 7S Pro | |
| Größe | 51 x 51 x 14.9 mm | 47 x 47 x 14.5 mm | 42 x 42 x 14,1 mm | 51 x 51 x 14,9 mm | 47 x 47 x 14,5 mm | 42 x 42 x 14,1 mm |
| Gewicht mit Silikonband | 88 Gramm | 70 Gramm | 63 Gramm (Titan: 58 Gramm) | 89 Gramm | 73 Gramm | 65 Gramm (Titan: 58 Gramm) |
| Smartwatch-Modus: Akku | 31 Tage (Always-on 11 Tage) | 16 Tage (Always-on 6 Tage) | 16 Tage (Always-on 4 Tage) | 28 Tage | 18 Tage | 11 Tage |
| Smartwatch-Modus: Akku mit Solar | - | - | - | 37 Tage | 22 Tage | 14 Tage |
| GPS (Basis): Akku | 82 Stunden (Always-on 58 Stunden) | 42 Stunden (Always-on 30 Stunden) | 28 Stunden (Always-on 20 Stunden) | 89 Stunden | 57 Stunden | 37 Stunden |
| GPS (Basis): Akku mit Solar | - | - | - | 111 Stunden | 73 Stunden | 46 Stunden |
| Displaygröße, -auflösung und -typ | 1,4 Zoll mit 454 x 454 Pixeln (AMOLED) | 1,3 Zoll mit 416 x 416 Pixeln (AMOLED) | 1,2 Zoll mit 390 x 390 Pixeln (AMOLED) | 1,4 Zoll mit 280 x 280 Pixeln (MIP) | 1,3 Zoll mit 260 x 260 Pixeln (MIP) | 1,2 Zoll mit 240 x 240 Pixeln (MIP) |
Sport in der Mittagssonne ist ebenso wenig ein Problem wie Navigation mit den Offlinekarten; bei Aktivitäten ist per Default das Umschalten per Geste eingestellt.
Nachts wird bei der Epix 2X Pro zur vorgegebenen Ruhezeit das Display ganz abgeschaltet. Per Touch können wir - auch wenn dies sonst deaktiviert ist - für wenige Sekunden die Uhrzeit anzeigen lassen.
Wir waren davon erst nicht begeistert und wollten es abschalten (das geht). Dann haben wir es mal ausprobiert, inzwischen finden wir die Lösung von Garmin sehr gut. Auch nachts im Bett hat uns dieser Anzeigemodus nie gestört.















Das Display mit allen Konfigurationsmöglichkeiten hat uns überzeugt. Davon abgesehen ist die Epix eine ebenso gute Outdoor-Sportuhr wie die Fenix. Ein Highlight ist die bei allen Modellen in beiden Serien eingebaute Taschenlampe, mit der wir etwa nachts als Stolperfalle herumliegende Hunde rechtzeitig sehen oder in Piratenhöhlen den Weg zur Schatztruhe finden.
Die Taschenlampe ist beim Laufen in Dunkelheit zum Ausleuchten des Weges geeignet, allerdings nicht als Ersatz für eine Stirnlampe. Das rote Licht kann in einem Stroboskopmodus als Warnung für Autofahrer verwendet werden - das ist aber eher eine Notlösung.
Fenix 7X Pro: Display, Solar und Geschwindigkeit
Epix 2 Pro und Fenix 7 Pro (jeweils plus S und X) verfügen über die gleiche Softwareausstattung. Es gibt also Basisfunktionen wie Schrittzähler, Benachrichtigungen, die Schätzung des Kalorienverbrauchs, Schlafanalyse sowie Trainings- und Erholungsratgeber.
Neu sind unter anderem Widgets für Ausdauer und ein Hill Score, mit dem Trailrunner ihre Leistungsfähigkeit und die Reserven bei Bergläufen besser einschätzen können.
Die topografischen Offlinekarten zum Navigieren ohne weitere Hardware sind ebenfalls auf allen hier thematisierten Sportuhren verfügbar, genauso wie eine Bezahlfunktion und Unterstützung für Musik direkt auf dem Gerät - Kopfhörer werden per Bluetooth gekoppelt. Es gibt kein EKG und keine Version mit Datenübertragung etwa per LTE.
Garmin hat in beiden Sportuhrenserien einen neuen Herzfrequenzsensor im Einsatz: Elevate Gen 5. Laut Garmin soll er durch mehr LEDs den Puls auch unter schwierigen Bedingungen zuverlässiger messen können, etwa beim Radfahren. Wir haben gegenüber dem Vorgängersensor keinen Unterschied bemerkt, beide machen bei uns ihren Job sehr gut.
Bei der Fenix 7X Pro gibt es nur kleinere Updates zur Fenix ohne Pro. Die Akkulaufzeiten sind gleich geblieben. Der wichtigste Unterschied: Garmin hat die Memory-in-Pixel-Technologie (MIP) optimiert.
Das Ergebnis ist eine etwas kontrastreichere Darstellung - was die Ablesbarkeit in dunklen Umgebungen kaum verbessert. Je nach Einfall des Restlichts am Abend oder in Innenräumen ist der Unterschied mal ganz gut, mal kaum zu sehen.
In unserer Galerie haben wir Vergleichsbilder, die den Unterschied zwischen der Fenix 7X Pro und einer Enduro 2 (Display baugleich der Fenix 7X) unserer Meinung nach ganz gut zeigen.
Weitere kleine Optimierungen, die aber nicht von Garmin bestätigt sind: Die Solarlinse der neuen Fenix ist nach unseren Messungen etwas effizienter. Wir kommen auf rund 10 Prozent mehr getankte Energie.















Allerdings sind wir unsicher, ob das bei allen Uhren so ist oder ob es da eine gewisse Streuung gibt. Und selbst wenn nicht: Es handelt sich nur um eine etwas effektivere Verlängerung der Akkulaufzeit - im Alltag dürfte man das kaum spüren.
Auch die Prozessoren der Pro scheinen etwas flotter zu arbeiten. Wir haben das anhand von Roundtrip-Routen ausprobiert, also auf der Uhr offline generierten Rundkursen.

Die Pro schafft das immer schneller als unsere Enduro/Fenix, aber: Der gleiche Kurs wird mal 5, dann 15 Sekunden schneller berechnet - bei Gesamtzeiten von unter einer Minute für eine 15 Kilometer lange Strecke.
Wir würden auch dies nicht überbewerten, sondern davon ausgehen, dass die Pro etwas mehr Reserven hat. Tatsächlich kommt uns auch das Scrollen durch die Menüs minimal flüssiger vor, was aber ein sehr subjektiver Eindruck ist. Weder beim neuen noch beim älteren Modell sind uns jemals Ruckler aufgefallen.
Garmin Epix 2X Pro und Fenix 7X Pro: Verfügbarkeit und Fazit
Alle Epix 2 Pro sind in mehreren Farben und mit unterschiedlichen Bändern erhältlich. Die günstigsten Versionen mit Silikonband kosten in 42 und in 47 Millimeter rund 950 Euro, das 51er-Modell ist ab rund 1.050 Euro verfügbar.
Auch von der Garmin(öffnet im neuen Fenster) Fenix 7 Pro gibt es mehrere Farbversionen, dazu kommt ein Unterschied in Sachen Hardware: Der Hersteller bietet Modelle mit Power Glas (Kunststoff) sowie mit Saphirglas an.
Die Preise reichen von 850 Euro bis 1.250 Euro (mit Titanband). Die Fenix 7S Pro und die Fenix 7 Pro mit Saphirglas kosten ab 950 Euro, die größere 7X Pro ist 100 Euro teurer.
Fazit
Nach über vier Wochen, in denen wir die Epix 2X Pro und die Fenix 2X Pro im Wechsel getragen haben, können wir uns jetzt fast weniger als vor dem Test entscheiden, welche der beiden Sportuhren wir bevorzugen würden. Schickes AMOLED, oder doch MIP mit Solar und besserem Akku?
Aber, und jetzt ganz ernsthaft: Obwohl wir uns traditionell als Mitglied von Team Akku fühlen, raten wir im Zweifel nun dennoch zur Epix 2X Pro. Die Uhr sieht schick aus am Handgelenk, und sie ist in mehr Situationen klasse ablesbar - auch in knallender Sonne.
Von der sehr guten Gesten-Aktivierung bis hin zu Touch und dem Schlafmodus: Alles wirkt durchdacht und ist mustergültig umgesetzt. Die Taschenlampe in allen Modellen mag erst unnötig erscheinen, für uns ist sie inzwischen fast unverzichtbar.
Die Akkulaufzeit ist trotz Always-on immer noch wahnsinnig gut - das gilt natürlich primär für die sehr große Epix 2X Pro. Wir haben uns Markierungen im Kalender eingetragen, um das Datum des letzten Ladevorgangs nicht zu vergessen.















Minimal Anlass zum Mäkeln gibt es bei der Optik von einigen Widgets, die mit ihren dünnen Strichen vor schwarzem Hintergrund zwar den Akku schonen, aber halt nicht sehr schön aussehen. Für die Trainingsansichten gilt das nicht und auch die meisten Zifferblätter sind Hingucker.
Die Fenix 7X Pro hat ihre Daseinsberechtigung vor allem dann, wenn es viel in die Sonne geht und natürlich bei sehr langen Aktivitäten - und dann, wenn man MIP einfach mag. Ein Update von einer Fenix 7 auf die Pro würden wir übrigens trotz des kontrastreicheren Displays nicht mal dann machen, wenn die Sportuhr viel weniger teuer wäre.



