Garmin Edge 1040 Solar im Test: Fahrradnavigation mit Sonne im Herzen

Es ist keine schöne Vorstellung für Radsportler: Nach einer sehr langen Tour in unbekannter Umgebung schaltet sich wenige Kilometer vor dem Ziel das Navigationsgerät ab - Akku alle. Statt einer riesigen Portion Pasta, gefolgt von Kaltgetränken und Beine hochlegen, muss man trotz Unterzucker das Smartphone aus der Tasche kramen und irgendwie herausfinden, wie man zur Basisstation gelangt.
Mit dem Edge 1040 Solar von Garmin(öffnet im neuen Fenster) kommt das so gut wie sicher nicht vor. Das Navigationsgerät schafft laut Hersteller mindestens 35 Stunden im Normalbetrieb mit Routing und Aufzeichnung der Aktivität. Wenn die Sonne scheint, sind sogar bis zu 45 Stunden drin. Der 2020 veröffentlichte Vorgänger Edge 1030 Plus ( Vergleichstest Navigationsgeräte auf Golem.de von 2021 ) kommt laut Garmin "nur" auf rund 24 Stunden.
Der Akku des neuen Navis reicht selbst bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 20 km/h für bis zu 900 Kilometer. Natürlich habe ich das so nicht überprüft, aber im Rahmen meiner kürzeren Ausflüge mit dem neuen Edge hat sich gezeigt, dass die Herstellerangaben ziemlich genau hinkommen.
Das Sonnentanken erfolgt über rötlich-braune Spezialflächen in der Displayabdeckung: Am oberen und unteren Rand befinden sich Panels mit 100 Prozent Solarladung, über der Anzeige selbst sind es 15 Prozent - was dem Bild einen leicht bräunlichen Stich verpasst, der zumindest mich aber nicht stört (und der nach einer Minute kaum mehr auffällt).
Die Solarfunktion ist in ähnlicher Form schon von den Sportuhren von Garmin bekannt. Da finde ich die zusätzliche Sonnenenergie richtig klasse, weil ich die Wearables ja so lange wie möglich am Arm tragen möchte. Bei einem Navi ist das anders: Selbst wenn ich eine sehr lange Tour nach der anderen unternehme, kann ich den Edge 1040 zwischendurch per Kabel aufladen - was nun übrigens per USB-C geschieht statt über Mikro-USB.
Mir hat Solar dennoch Spaß gemacht, aber auf andere Art: Es ist erstaunlich interessant, die Anzeigen mit der Sonnenintensität und der Akkunutzung zu verfolgen und zu sehen, wie die Kurve sich abhängig von Wolkenstand und Fahrtrichtung verändert. Zugegeben, fast jedes Videogame ist spannender - aber ich habe Solar als nette Spielerei für nebenher erlebt.
| Garmin Edge Explore 2 | Garmin Edge 1040 Solar | Garmin Edge 1030 Plus | Hammerhead Karoo 2 | Wahoo Elemnt Roam | Ciclo Navic 400 | Garmin Edge Explore | Tahuna Teasi One 4 | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Display | 3 Zoll Touch | 3,5 Zoll Touch | 3,5 Zoll Touch | 3,2 Zoll Touch | 2,7 Zoll | 4 Zoll Touch | 3 Zoll Touch | 3,5 Zoll Touch |
| Display-Auflösung | 240 x 400 Pixel | 282 x 470 Pixel | 282 x 470 Pixel | 480 x 800 Pixel | 240 x 400 Pixel | 854 × 480 Pixel | 240 x 400 Pixel | 480 x 800 Pixel |
| Akkulaufzeit laut Hersteller | bis zu 16 Stunden | bis zu 45 Stunden (ohne Solar: rund 35 Stunden) | bis zu 24 Stunden | bis zu 14 Stunden | bis zu 17 Stunden | bis zu 14 Stunden | bis zu 12 Stunden | bis zu 12 Stunden |
| Kartenanbieter | Garmin, OSM | Garmin, OSM | Garmin, OSM | Mapbox | OSM | OSM, Falk, Kompass | Garmin, OSM | OSM, Kompass |
| Verbindungen | Bluetooth, Ant+, Wlan | Bluetooth, Ant+, Wlan | Bluetooth, Ant+, Wlan | Bluetooth, Ant+, Wlan, 2G/3G/4G (nur USA) | Bluetooth, Ant+, Wlan | Bluetooth, Ant+ | Bluetooth, Ant+ | Bluetooth |
| Anschlüsse | USB-C | USB-C | Micro-USB | USB-C | Micro-USB | Micro-USB | Micro-USB | Mini-USB |
| Gewicht | 104 Gramm | 133 Gramm (ohne Solar: 126 Gramm) | 124 Gramm | 131 Gramm | 93 Gramm | 181 Gramm | 116 Gramm | 139 Gramm |
| Speicher | 16 GByte | 64 GByte (ohne Solar: 32 GByte) | 32 GByte | 32 GByte | 2,78 GByte | 8 GByte (+ Micro-SD-Karte) | 16 GByte | 8 GByte (+ Micro-SD-Karte) |
| Wasserdichtigkeit | IPX 7 | IPX 7 | IPX 7 | IPX 7 | IPX 7 | IPX 5 | IPX 7 | IPX 5 |
| Preis (UVP) | 300 Euro | 750 Euro (ohne Solar: 600 Euro) | 600 Euro | 400 Euro | 350 Euro | 230 Euro | 250 Euro | 130 Euro |
Die wichtigere Neuerung beim 1040 gegenüber dem 1030 Plus ist das neue GPS-Modul, also die Positionsbestimmung und Streckenaufzeichnung. Wie bei den neuen Fenix-Modellen gibt es Multifrequenz-Empfang (GPS, Glonass und Galileo) auf beiden Frequenzbändern und das klappt herausragend gut.
Der Edge 1040 Solar ist das erste derartige Gerät, bei dem ich im Freien und in Gebäuden nahe dem Fenster nahezu immer sofort Satellitenempfang haben. Das klappt so gut, dass so etwas wie die Suche und Aufschaltung gar nicht mehr auffällt. Auch die Daten der Streckenaufzeichnung sind in der mittleren Default-Einstellung schlicht das Beste, was ich in dieser Hinsicht bisher gesehen habe.
Nicht nur die Satellitensuche geht sehr schnell, auch bei anderen Funktionen hat der Edge 1040 gegenüber älteren Modellen teils extrem an Tempo zugelegt. Das gilt ganz besonders für den Start von fertigen Touren, die in Garmin Connect oder anderen Anwendungen erstellt und dann importiert wurden.
Neue Benutzeroberfläche und Analysefunktionen
Während die Vorgänger abhängig von der geplanten Distanz und Komplexität teils mehrere Minuten gerechnet haben, stehen die Daten auf dem neuen Navi innerhalb von ein oder zwei Sekunden bereit. Auch die Bedienung von Menüs, das Übertragen von Daten per Bluetooth oder WLAN und Ähnliches geht spürbar schneller vonstatten.
Was nicht viel fixer geworden ist, ist die Wegberechnung zu Adressen, die man am Gerät eingegeben hat (also wie am Auto-Navi). Wenn man dabei auf "Los" tippt, wird nach wie vor eine halbe Minute gerechnet - ebenso dann, wenn wegen einer Abweichung eine Neuberechnung nötig ist.
Das stört mich, aber nicht sehr. Viel nerviger finde ich das seltsame Verhalten der Karte bei dieser Neuberechnung, vor allem in Umgebungen mit vielen Straßen und damit Möglichkeiten. Dann zoomt die Karte und wird kurz falsch dargestellt. Erst anschließend ist wieder der aktuelle Ausschnitt mit der lila Linie zu sehen, die zum Ziel führt.
Ob das ein Bug ist, der noch behoben wird - unklar. Momentan hat die Software des Edge 1040 Solar noch ein paar mehr Fehler. Bei der Eingabe von Adressen finde ich keine Option, Orte mit Umlauten einzugeben, also "München" oder "Köln". Eigentlich müsste man dazu "Munchen" oder "Koln" eintippen, nur folgt dann eine Fehlermeldung.
Einer von mehreren Workarounds ist die Eingabe der Postleitzahl, die man aber längst nicht immer zur Hand hat und dann erst umständlich mit dem Smartphone recherchieren muss. Hoffen wir, dass Garmin das Problem bald löst!
Von derlei Ärgernissen abgesehen gefällt mir die neue Benutzeroberfläche des Edge 1040 sehr gut. Sie ist konfigurierbar, so dass man wichtige Funktionen und Infos ähnlich wie in der App von Garmin untereinander anordnen kann.
Trotz dieser sinnvollen Neuerung: Das Navi ist immer noch ziemlich komplex zu bedienen, weil es Massen an Funktionen für nahezu alle Bedürfnisse von Radsportlern bietet. Fast alle Arten von Sensoren können angebunden werden, es gibt für Mountainbiker die Auswertung von Sprüngen und der Sprungdistanz sowie vorinstallierte Trailforks-Karten.

















Alle aktuell bei Garmin verfügbaren und sinnvollen Auswertungen und Metriken sind integriert, inklusive der gerade erst auf der Fenix 7 eingeführten Stamina (Ausdauer). Neu ist eine Fahrvermögensanalyse (für die man allerdings Wattmess-Pedalsysteme braucht), die die Athleten in eine von mehreren Leistungsklassen einsortiert und dabei für zusätzliche Motivation sorgt - und dafür, dass man sich nicht übernimmt.
Dafür ist auch eine weitere Neuerung namens Power Guide zuständig, die bei der Einteilung der Kräfte auf die Strecke hilft, unter Berücksichtigung von Bergen und Ähnlichem. Ebenfalls mit dabei sind Group-Live-Funktionen und eine Unfallerkennung, für die allerdings das Smartphone gekoppelt sein muss.

Die von vermutlich nicht wenigen Sportlern erhoffte Unterstützung von mobilem Datenfunk gibt es momentan noch nicht. Kritisieren könnte man außerdem das Touch-Display, das identisch mit dem des Vorgängers ist. Der LCD-Bildschirm erfüllt seine Aufgabe zwar auch bei schwierigen Lichtbedingungen - aber das matte E-Ink-Panel etwa des Hammerhead Karoo 2 finde ich eine Klasse besser.
Garmin Edge 1040 Solar: Verfügbarkeit und Fazit
Der Garmin Edge 1040 Solar kostet rund 750 Euro. Alternativ gibt es für rund 600 Euro den Edge 1040 - also ohne Solar. Dieses Gerät kommt im Standardmodus laut Hersteller auf eine Akkulaufzeit von 35 Stunden. Für beide Versionen gibt es von Garmin für rund 150 Euro einen anschließbaren Zusatzakku namens Charge, der die Laufzeit um rund 24 Stunden verlängert.
Weitere Unterschiede zwischen den beiden Edge 1040: Die Solar-Ausgabe hat einen Speicher von 64 GByte und es sind Karten aus aller Welt vorinstalliert. Die Variante ohne Solar bietet 32 GByte an Speicher und es sind nur Karten aus der Region vorinstalliert, in der das Gerät gekauft wurde - also hierzulande Europa. Nur der Solar-Version liegen zusätzlich eine MTB-Halterung sowie ein Silikon-Schutzrahmen bei.
Fazit
Wer seine Radtouren grundsätzlich nur mit der tollsten Ausstattung macht, kommt kaum darum herum, den Garmin Edge 1040 Solar an den Lenker zu schrauben. Für sehr viel Geld bekommt man sehr gute Hardware, erstklassiges Kartenmaterial und viele sinnvolle Funktionen in einer neuen, gelungenen Oberfläche.
Im Alltag habe ich die Solarladefunktion zwar als effektiv erlebt, vor allem aber als schöne Spielerei für uns Rennrad-Nerds. Anders als bei Sportuhren ist maximale Akkulaufzeit bei einem derartigen Navigationsgerät ja doch nur in extremen Ausnahmefällen nötig. Ich schaffe jedenfalls keine Tour, bei der ein 1040 ohne Sonnenbetankung nicht auch reichen würde.
Als wahres Hardware-Highlight hat sich in der Praxis der sensationelle GPS-Empfang entpuppt. Der Edge 1040 ist das erste derartige Gerät, bei dem ich auch unmittelbar nach dem Einschalten immer ein Signal habe, dazu kommen superpräzise Streckendaten.
Minimal motzen muss ich über die "Bitte wenden"-Probleme beim Routing - wohlgemerkt auf Strecken, von denen ich weiß, dass es geradeaus durchaus weitergeht. Dazu kommen das nervige Springen der Anzeige bei Neuberechnungen an Stellen mit vielen Straßen sowie der eine oder andere Bug.
Im Gesamtpaket mit echter Offlinenavigation, den tollen Importfunktionen für Strecken und dem Routing nach Beliebtheit ist der Edge 1040 Solar insgesamt dennoch klar die erste Wahl für Radsportler, bei denen Geld keine Rolle spielt.
Wer über den Kauf eines 1040 nachdenkt: Die Solarfunktion würde ich trotz Aufpreis mitnehmen - wenn schon, denn schon. Wer allerdings den Vorgänger hat und damit zufrieden ist, bekommt mit dem neuen Gerät zwar mehr Komfort und Klimbim. Auf der Straße gibt es aber zu wenig echten Zusatznutzen, so dass ich vom Upgrade abraten würde.
Autor Peter Steinlechner auf Strava(öffnet im neuen Fenster)



