Garden Warfare 2 im Test: Krieg mit Kaktus und Käpt'n Totbart
Alarmstufe Rot: Agent "Knurriger Strunk" ist in Schwierigkeiten! Also müssen wir losziehen, um ihn im Hinterhof zu retten – wobei wir nicht als schicker Spion im feinen Anzug unterwegs sind, sondern als Kaktus. Nach ein paar Minuten haben wir den hühnenhaften "Knurrigen Strunk" gefunden und bringen ihn trotz Dauerangriffen durch Zombies sicher in die Heimatbasis. Das alles ist weder die Folge zu vieler Drogen oder grippalen Fieberwahns, sondern ein Einsatz aus Pflanzen gegen Zombies: Garden Warfare 2.

Auch wenn die Grundidee, nämlich Pflanzen gegen Untote in den Krieg zu schicken, schlicht bescheuert klingt: Der Anfang 2014 veröffentlichte erste Teil hat sich dank des makaber-schrägen Humors, vor allem aber dank echter Stärken wie den abwechslungsreichen, taktische Finessen erlaubenden Klassen eine erstaunlich große Fangemeinde erobert.
Garden Warfare 2 schließt sich hier ziemlich nahtlos an: Es gibt sechs abwechslungsreiche Multiplayermodi, etwa "Gärten und Friedhöfe", in denen das Team der Zombies sich durchs Blumenbeet kämpfen muss und gewonnen hat, wenn es vom Team der Pflanzen nicht spätestens vor dem finalen Ziel gestoppt wird. Oder "Teamsieg", quasi eine Variante von Team Deathmatch. Neben diesen kompetitiven Spielweisen gibt es auch Koop-Missionen, in denen bis zu vier Teilnehmer gegen immer neue Wellen von Angreifern bestehen müssen.
Insgesamt liefern die Entwickler neun extrem farbenfrohe, mittelgroße und recht komplex angelegte Multiplayermaps mit; für schicke Grafik sorgt die Frostbite-3-Engine. Es gibt einen asiatisch angehauchten Zen-Garten, eine Knocheninsel und eine an den Mond angelehnte lunare Landebasis. Nicht alle Maps stehen in allen Modi zur Verfügung.
Wer Action ein bisschen albern mag, kann durch sechs Modifikationen etwa mit niedriger Schwerkraft für besonders große Sprünge sorgen, unendlich Munition erlauben oder die maximale Gesundheit aller Spieler auf den Wert von 1 beschränken.
Neben den bekannten, dezent überarbeiteten Klassen gibt es auch sechs neue. In den Reihen der Pflanzen kämpft etwa nun ein gewisser Major Mais, der mit seiner Doppelkolben-Kanone besonders für die Front gedacht ist und über einen schick animierten, sehr spaßigen Butterschwall-Luftschlag verfügt. Auf Zombie-Seite gibt es einen Käpt'n Totbart, der zwischen Nahkampf- und Distanzangriffen wechseln kann, indem er wahlweise zum stationären Kanonengeschütz und einer Papageien-Drohne greift.
Einzelspieler und Fazit
Die kurz nach der Veröffentlichung des Titels viel zu starke Rosie-Klasse – eine etwas feenhafte Rose – hat das Entwicklerstudio Popcap Games(öffnet im neuen Fenster) inzwischen mit dem Patch auf Version 1.02 spürbar besser ausbalanciert.
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Statt eines klassischen Menüs wie im ersten Garden Warfare wählt der Spieler die Modi, Klassen und anderen Einstellungen nun im Hinterhof aus – quasi eine Art 3D-Menü, in dem er sich frei bewegen kann und in dem es erstaunlich viel zu entdecken gibt. Dort findet er auch seine Ansprechpartner für die Einzelspielermissionen: Bei den Pflanzen ist es ein etwas merkwürdiger Roboter, bei den Zombies ein nicht minder seltsamer untoter Arzt.
Die Missionen finden teils im Hinterhof, teils auf den Multiplayerkarten statt. Eine wirklich emotional interessante Geschichte erzählen die beiden Kampagnen nicht, aber sie sind besser als einfach nur ein paar Tutorialeinsätze. Der Spieler wird mitunter ziemlich durchs Gelände geschickt und muss nicht nur kämpfen, sondern sich auch zurechtfinden und ab und zu kurze Dialoge führen. Trotzdem: Wer vor allem als Einzelspieler antreten möchte, sollte sich den Kauf von Garden Warfare 2 sparen – der Fokus liegt weiterhin klar auf den Multiplayergefechten.
Pflanzen gegen Zombies: Garden Warfare 2 ist für Windows-PC, Xbox One und Playstation 4 erhältlich und kostet zwischen 50 und 60 Euro. Die PC-Version muss bei Origin aktiviert werden, alle Fassungen sind zudem nur mit einer immer aktiven Onlineverbindung spielbar – auch im Einzelspielermodus. Die deutsche Lokalisierung wirkt gelungen, von der USK hat das Spiel eine Freigabe ab 12 Jahren erhalten.
Fazit
Es klingt bekloppt, aber Garden Warfare 2 ist eine der besten Optionen für Fans von Multiplayer-Shooter-Action, die nicht wie alle anderen als Elitekrieger oder Superpolizisten antreten wollen. Vor allem die abwechslungsreichen Klassen und gelungenen Spielmodi sind mehr als ein Gag für zwischendurch: Sie erfordern eine gewisse Einarbeitung, bieten dann aber langfristige Motivation und erlauben immer neue Taktiken.
Dazu kommen die schicke, abwechslungsreiche Grafik und der morbid-alberne Humor, der größtenteils gelungen wirkt, und dank vieler versteckter Extras länger trägt als nur die ersten Stunden. Die erweiterten Einzelspielerelemente sind eine nette Dreingabe, aber allzu viel sollten Solospieler nicht erwarten – das Ganze wirkt recht generisch, aber sehr viel mehr ist auf Basis eines Blumenbeet-Szenarios in diesem Bereich wohl tatsächlich nicht drin.



