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Gaming: "Unity möchte 108 Prozent unserer Einnahmen"

Der Engine-Hersteller Unity will sein Lizenzmodell ändern – und sorgt damit in Teilen der Spielebranche für Katastrophenalarm.
/ Peter Steinlechner
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Artwork von Unity (Bild: Unity Technologies)
Artwork von Unity Bild: Unity Technologies

Wenn das kalifornische Unternehmen Unity Technologies wie geplant am 1. Januar 2024 ein neues Lizenzmodell für seine Engine in Kraft setzt, drohen Insolvenzen – das befürchten jedenfalls Teile der Spielebranche. Vor allem die Hersteller von Mobile Games machen sich Sorgen um ihre Zukunft.

Besondere Aufmerksamkeit bekommt der Beitrag eines anonymen Entwicklerstudios auf Reddit(öffnet im neuen Fenster) . Die vermutlich eher kleine Firma produziert vor allem Mobilspiele für Kinder. Nach eigenen Angaben verzichtet man auf eingeblendete Werbung und verdient nur Geld über Mikrotransaktionen.

Wenn die neuen Kosten von Unity bereits 2022 gegolten hätten, hätte man rund 108 Prozent seiner Bruttoeinnahmen abführen müssen.

Andere Studios äußern ähnliche Sorgen. Der bekannte Spieleentwickler Rami Ismail kritisiert auf X(öffnet im neuen Fenster) , Unity sei mit den neuen Regeln das "einzige Geschäftsmodell, das einen in den Bankrott treiben kann" . Dazu komme eine "absurde Menge an zusätzlichem Tracking" , und im Grunde sei das neue Modell sowie technisch nicht umzusetzen.

Einige Entwickler wollen zur Technik von Konkurrenten wechseln – hier dürfte vor allem die Unreal Engine zum Gewinner werden. Das unabhängige Studio Mega Crit (Slay the Spire) kündigte an(öffnet im neuen Fenster) , dass es wegen des neuen Lizenzmodells die Engine für sein nächstes Projekt umstellen werde, obwohl es seit über zwei Jahren an dem nicht angekündigten Titel arbeitet.

Das Entwicklerstudio Massive Monster meldet, sein erfolgreiches Indiegame Cult of the Lamb am 1. Januar 2024 wegen des dann gültigen Lizenzmodells löschen(öffnet im neuen Fenster) zu wollen (Nachtrag: Inzwischen schreibt das Studio, dass es sich um einen Scherz handelt(öffnet im neuen Fenster) .)

Das Besondere daran: Für jede Erstinstallation eines Spiels, das auf der Engine von Unity basiert, durch den Endkunden müssen Entwickler 20 US-Cent an Unity bezahlen. Das gilt ab einem Umsatz von 200.000 US-Dollar und ab mindestens 200.000 Installationen.

In einem etwas längeren Beitrag auf X reagierte Unity(öffnet im neuen Fenster) inzwischen auf die Kritik an den neuen Regeln. Betroffenen seien lediglich rund 10 Prozent der Anwender, für alle anderen ändere sich nichts. Falls es zum Missbrauch komme – etwa Install Bombing durch wütende Spieler mit Botnetzen – werde man mit den Studios zusammenarbeiten und Lösungen finden.


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