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Gaming: So gehen deutsche Spieleentwickler mit KI um

Viele Studios testen KI – doch im fertigen Spiel bleibt sie meist tabu. Auch deutsche Entwickler ziehen klare Grenzen.
/ Peter Steinlechner
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Von ChatGPT erstellte Grafik, von Golem mit KI-Tools (Lightroom) nachbearbeitet (Bild: KI-gneriert mit ChatGPT 5.2)
Von ChatGPT erstellte Grafik, von Golem mit KI-Tools (Lightroom) nachbearbeitet Bild: KI-gneriert mit ChatGPT 5.2

Künstliche Intelligenz ist in der Spielebranche längst angekommen, doch ihr Einsatz bleibt umstritten. Viele Gamer reagieren skeptisch bis ablehnend auf generative Inhalte, vor allem, wenn es um Grafiken, Texte oder gar spielrelevante Systeme geht.

International haben sich in den vergangenen Monaten mehrere bekannte Studios positioniert und betont, dass KI höchstens unterstützend, nicht aber für finale Inhalte genutzt werde.

Entwickler großer Rollenspiel- und AAA-Produktionen verweisen dabei immer wieder auf kreative Grundwerte, aber auch auf rechtliche Unsicherheiten rund um Trainingsdaten und Urheberrechte.

Eine im Rahmen der GDC 2026 durchgeführten Umfrage unter Spieleentwicklern zeigt, dass KI zwar zunehmend Einzug in die Workflows hält, zugleich aber kritisch gesehen wird. Rund die Hälfte der Befragten nutzt inzwischen KI-Tools in irgendeiner Form, vor allem für Ideensammlung, Prototyping oder als Programmierhilfe.

Deck 13 lehnt KI-Einsatz sehr kategorisch ab

Gleichzeitig äußert eine große Mehrheit Sorgen über rechtliche Risiken, Qualitätsprobleme und mögliche negative Reaktionen der Community. Insbesondere die direkte Verwendung KI-generierter Assets im fertigen Spiel bleibt die Ausnahme, viele Studios ziehen hier ihre Grenzen.

Wie unterschiedlich deutsche Entwickler mit dem Thema umgehen, zeigen die Rückmeldungen auf eine Anfrage von Golem. Besonders klar ist die Sache bei Deck 13(öffnet im neuen Fenster) aus Frankfurt: Hier wird generative KI im Publishing-Bereich komplett ausgeschlossen.

Michael Hoss, Head of Product, betont: "Wir glauben an schöpferische Werte von Künstlern, nicht an Diebstahl." Der Einsatz generativer KI sei sogar ein Grund, Geschäftsbeziehungen neu zu bewerten. Erlaubt seien höchstens Maschinenübersetzungen in Nischenfällen, allerdings nur ohne zugrunde liegende große Sprachmodelle.

Kreative Impulse durch die KI

Auch in der internen Entwicklung gelte eine klare Linie: KI dürfe allenfalls ausprobiert werden, aber nicht produktiv in Projekten zum Einsatz kommen, für die Deck 13 als Publisher verantwortlich sei.

Etwas offener, aber vorsichtig zeigt sich der Interactive-Bereich von Deck 13. Dort werde KI ausschließlich in frühen Konzeptionsphasen genutzt, etwa für Brainstormings oder Moodboards. Phil Pradel beschreibt den Nutzen vor allem bei der Visualisierung von Ideen ohne künstlerische Vorkenntnisse.

Cribster: vorsichtiger Einsatz auch beim Coden

Gleichzeitig sieht das Team klare Grenzen: Generierte Inhalte seien rechtlich unsicher und qualitativ schwer kontrollierbar. Für den eigentlichen Entwicklungsprozess blieben von Menschen geschaffene Assets unersetzlich, auch, weil KI-Outputs sich kaum präzise weiter bearbeiten und iterieren ließen.

Deutlich technischer klingt der Ansatz bei Cribster(öffnet im neuen Fenster) aus München. Geschäftsführer Oliver Hengstenberg berichtet, dass KI bereits in der Konzepterstellung, bei Designentwürfen, in der Asset-Produktion mit umfangreicher Nachbearbeitung sowie im Code eingesetzt wird – allerdings nur mit entsprechendem Fachwissen.

Gerade beim Programmieren warnt er vor unwartbaren Sackgassen durch unkritisches Arbeiten mit KI-Vorschlägen. Gleichzeitig sieht Cribster große Chancen beim Lernen für Einsteiger, bei schneller Prototypenentwicklung und bei automatischer Dokumentation, auch wenn viele Zusammenfassungen derzeit noch unzuverlässig seien.

Achtung, Datenschutz!

Besonders kritisch bewertet das Studio Datenschutzfragen, mögliche Sicherheitslücken durch KI-Anbindungen und die Tendenz großer Sprachmodelle, falsche Inhalte überzeugend darzustellen. Den weiteren Ausbau hält Cribster dennoch für unvermeidlich: Wer sich nicht damit beschäftige, werde langfristig ins Hintertreffen geraten.

Beim Publisher Rokaplay(öffnet im neuen Fenster) aus Darmstadt bleibt KI bislang ein rein internes Hilfsmittel. Sie komme für Präsentationen, E-Mail-Automatisierung und frühe Konzeptphasen zum Einsatz, außerdem entstehe ein eigenes KI-Tool für administrative Prozesse wie Abrechnungen mit Entwicklerteams.

Mehr Effizienz durch KI?

Wie Geschäftsführer Adrian Kaiser erklärt, versteht das Team KI vor allem als Werkzeug zur Effizienzsteigerung in sehr frühen kreativen Phasen. Aber:"Wir nutzen keine KI-generierten Inhalte direkt in unseren Produkten und verkaufen diese auch nicht, etwa bei Musik, Texturen oder anderen spielrelevanten Assets", sagt Kaiser.

Als wichtigste Vorteile sieht er kreative Impulse und Entlastung bei repetitiven Aufgaben, gerade für kleine Teams.

Innogames beschäftigt sich intensiv mit KI

Gleichzeitig seien die Systeme fehleranfällig, der Lernaufwand hoch und die gesellschaftliche Akzeptanz unsicher. Einen revolutionären Einfluss in den kommenden ein bis zwei Jahren erwartet das Unternehmen eher nicht.

Am weitesten fortgeschritten wirkt der Einsatz bei Innogames(öffnet im neuen Fenster) aus Hamburg. Dort wird KI bereits in vielen Bereichen genutzt: im Engineering mit Coding-Assistenten und zunehmend automatisierten Workflows, in der Arts-Abteilung für Konzeptexploration und Varianten, im Game Design für Prototypen, Story-Ansätze, Level-Design und teilweise Balancetests sowie in der Lokalisierung.

Thomas Lehr, Director Engineering, spricht von spürbaren Produktivitätsgewinnen und schnelleren Iterationen, betont aber auch den hohen Aufwand für Schulung, Workflow-Anpassungen und Qualitätssicherung.

Für 2026 plant Innogames eine noch stärkere Integration: KI soll als Werkzeug dienen, um mehr Projekte und Features umsetzen zu können. "Geschmack, Qualität und das Endergebnis werden dabei weiterhin von unseren Mitarbeitern bestimmt; KI liefert im Regelfall nur Vorarbeiten", sagt Lehr.

Deutsche Entwickler in der Probierphase

Insgesamt zeigt sich ein klares Bild: Deutsche Spieleentwickler experimentieren zunehmend mit KI, vor allem dort, wo diese Prozesse beschleunigt oder frühe kreative Phasen unterstützt. Die direkte Nutzung generativer Inhalte im fertigen Spiel bleibt jedoch die Ausnahme und wird häufig bewusst ausgeschlossen.

Vor allem rechtliche Unsicherheiten, Qualitätsfragen und die ablehnende Haltung vieler Spieler bremsen den Einsatz. Während einige Studios KI als unvermeidliches Zukunftswerkzeug betrachten, setzen andere klare rote Linien und verteidigen damit ein Selbstverständnis, in dem menschliche Kreativität weiterhin im Mittelpunkt steht.


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