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Gaming: Retro Achievements bringt Trophäen in alte Spiele

Fast 1,8 Millionen Spieler sammeln inzwischen Erfolge in Retrogames. Hinter dem Projekt steckt die Idee eines ehemaligen Spieleentwicklers.
/ Sönke Siemens und Benedikt Plass-Fleßenkämper
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Retro Achievements ist motivierend, wenn es darum geht, alte Spiele noch einmal von vorne zu beginnen oder bereits begonnene Abenteuer abzuschließen. (Bild: Bild: Nintendo / Screenshot: Medienagentur Plassma)
Retro Achievements ist motivierend, wenn es darum geht, alte Spiele noch einmal von vorne zu beginnen oder bereits begonnene Abenteuer abzuschließen. Bild: Bild: Nintendo / Screenshot: Medienagentur Plassma
Inhalt
  1. Gaming: Retro Achievements bringt Trophäen in alte Spiele
  2. Derzeit 54 unterstützte Systeme
  3. Golem-Tipps für den Einstieg

Am 22. November 2005 brachte Microsoft nicht nur die Xbox 360 auf den Markt, sondern schaltete auch ein spielübergreifendes Belohnungssystem frei, das das Erreichen vorgegebener Ingame-Herausforderungen belohnte: mit Gamerscore-Punkten.

Die Community liebte die Jagd danach, und das System war schon bald so populär, dass sich ein ganzes Webseiten- und Foren-Ökosystem um das Freischalten von Erfolgen bildete. Valve zog im Oktober 2007 nach und führte Steam-Errungenschaften zusammen mit der Veröffentlichung von Team Fortress 2 ein.

Sony brauchte etwas länger und brachte sein hauseigenes Trophäensystem am 2. Juli 2008 mit einem Firmwareupdate für die Playstation 3 an den Start. Bis die Einbindung von Trophäen für alle Playstation-Entwickler verpflichtend wurde, dauerte es allerdings noch bis Januar 2009.

Abgesehen von Nintendos Konsolen sind Achievements inzwischen auf allen großen Gamingplattformen vertreten und nicht mehr wegzudenken.

Scott Breen hat eine Vision: Erfolge auch in Retrospielen

Was viele nicht wissen: Abseits der großen Plattformen etablierte sich bereits in den frühen 2010er-Jahren eine weitere, die ihren Fokus allerdings komplett auf Retrospiele legt. Gemeint ist das 2012 von Scott Breen gegründete Portal Retro Achievements(öffnet im neuen Fenster).

Breen studierte von 2005 bis 2009 an der University of Derby, schloss sein Studium mit einem Bachelor of Science im Bereich Game-Entwicklung ab und arbeitete bereits in seinem Abschlussjahr für Monumental Games an Titeln wie MotoGP 09/10 sowie Football Superstars.

Anschließend wurde er von dem namhaften Studio Eurocom im britischen Derby angestellt und war unter anderem dafür verantwortlich, das Gamerscore-System in den Agenten-Shooter GoldenEye 007 – Reloaded zu implementieren.

Zu jener Zeit war Breen auch privat ein begeisterter Achievement-Jäger auf der Xbox 360, regelmäßiger Besucher des Online-Gamerscore-Portals True Achievements(öffnet im neuen Fenster) und bekennender Retro-Fan. In seiner Freizeit zerpflückt er zu Hause den Quellcode von Emulatoren, um zu verstehen, wie sie funktionieren.

"Ich dachte mir, dass das Hinzufügen von Xbox-360-Achievements beziehungsweise PS3-Trophäen im Grunde nur darauf hinausläuft, den Arbeitsspeicher zu überwachen und Werte zu übermitteln, sobald sie übereinstimmen – und dass wir das vielleicht auch mit Mega-Drive-Spielen im Emulator Gens umsetzen könnten", erinnert sich Breen in einem Interview mit der Website The Memory Core(öffnet im neuen Fenster).

Wenig später konnte er sein Vorhaben am Beispiel von Sonic the Hedgehog für das Mega Drive in die Tat umsetzen und im Gens-Emulator eine Nachricht einblenden, sobald Spieler mit Sonic zehn Ringe aufsammelten. Spätestens jetzt nahm seine Vision Fahrt auf.

Als Schnittstelle zwischen Emulator und seinem geplanten Erfolgssystem setzte Breen einige Monate danach einen Server namens RetroAchievements.org auf und entwickelte ein Toolset, das es Interessierten ermöglichte, selbst Achievements für Retrospiele zu entwerfen.

Außerdem begann der Retro-Enthusiast damit, die Community zu mobilisieren und ein kleines Youtube-Video aufzunehmen, das die Funktionsweise am Beispiel von Sonic in Tutorial-Form(öffnet im neuen Fenster) erklärte.

Der Rest steht in den Geschichtsbüchern: Mitte Juni 2026 kann die inzwischen fast 14 Jahre alte Plattform 1.788.000 registrierte Spieler vorweisen und unterstützt 11.075 Spiele, in denen sich 614.361 Achievements freischalten lassen.

Ein beachtlicher Erfolg und eine echte Bereicherung für die Retro-Gemeinde: Dank der von der Community erstellten Achievements steigt die Motivation, sich noch einmal mit längst vergessenen oder nur teilweise abgeschlossenen Games der Vergangenheit auseinanderzusetzen und der Welt zu zeigen, welche Retro-Schätze man tatsächlich durchgespielt hat.

Zudem schätzen viele den durch die Plattform angekurbelten Wettbewerb, die Möglichkeit, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, und die Herausforderung, selbst Achievement-Sets beizusteuern.

Der Praxischeck: Einfacher als gedacht!

Doch wie funktioniert das Ganze im Detail? Grundvoraussetzung, um Retro Achievements zu nutzen, ist ein Account auf dem gleichnamigen Portal(öffnet im neuen Fenster).

Des Weiteren benötigt man ein kompatibles Emulator-Frontend sowie einen kompatiblen Emulator. In diesem Zusammenhang ist Retro Arch(öffnet im neuen Fenster) beliebt und empfehlenswert. Es ist ein Open-Source-Overlay, über das sich Dutzende Emulatoren in Form von sogenannten Cores einbinden lassen.


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