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Gaming Disorder: London plant staatlich finanziertes Zentrum für Onlinesucht

Nach der umstrittenen Einstufung von Spielesucht (Gaming Disorder) als Krankheitsbild durch die Weltgesundheitsorganisation WHO entsteht in London das erste staatlich unterstützte Zentrum, das Betroffenen helfen will. Später könnten weitere Formen der Onlinesucht dazukommen.
/ Peter Steinlechner
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Computerspieler auf der Gamescom 2016 (Bild: Sascha Schuermann/Getty Images)
Computerspieler auf der Gamescom 2016 Bild: Sascha Schuermann/Getty Images

Der britische National Health Service (NHS) will in London das erste rein staatlich finanzierte Zentrum für Onlinesucht aufbauen. Wie die Zeitung The Guardian meldet(öffnet im neuen Fenster) , will der Central and North West London NHS Foundation Trust(öffnet im neuen Fenster) sich in der Einrichtung zuerst um Spielesucht kümmern - also die im Sommer 2018 von der Weltgesundheitsorganisation WHO offiziell als Krankheit eingestufte Gaming Disorder . Später sollen laut Guardian möglicherweise weitere Themen rund um Onlinesucht dazukommen, etwa exzessiver Konsum von Pornografie im Netz.

Mit der offizielle Einstufung von Spielesucht als Krankheitsbild durch die Weltgesundheitsorganisation haben es Krankenhäuser und Ärzte nun einfacher, Geld von staatlichen Stellen wie eben dem NHS für ihre Arbeit zu bekommen. Die Klassifikationen von Krankheiten der WHO haben so etwas wie offiziellen Charakter, sie gelten in vielen Ländern als Basis etwa dafür, wann Krankenkassen die Kosten von Behandlungen übernehmen.

Schlange stehen auf der Gamescom 2017 - Umfrage
Schlange stehen auf der Gamescom 2017 - Umfrage (04:53)

Die offizielle Einstufung von Spielesucht ist umstrittenen. Gaming Disorder wird definiert als "Muster anhaltenden oder wiederkehrenden Spielverhaltens" mit einer gleichzeitig "beeinträchtigten Kontrolle von Häufigkeit, Intensität oder Dauer" sowie der "Fortsetzung von Spielen trotz des Auftretens von negativen Folgen" .

Es gibt allerdings Experten, die exzessives Gaming eher als Folge einer anderen Krankheit sehen, etwa einer Angststörung oder einer Depression. Die Befürchtung: Künftig könnte sich die Therapien zu sehr mit dem Symptom, also dem Spielen, beschäftigen und die eigentlichen Probleme vernachlässigen.

Die Gründerin des neuen Zentrums sieht das anders. "Spielstörungen bekommen endlich die Aufmerksamkeit, die sie verdienen. Die Not und der Schaden, den sie verursachen können, sind extrem" , sagt die Psychiaterin Henrietta Bowden-Jones. "Ich finde, es gibt eine moralische Pflicht, die evidenzbasierte Behandlung dieser jungen Leute und ihrer Familien über den NHS zu ermöglichen."

Die deutschen Krankenkassen haben sich bislang nicht offiziell zur Einstufung der Gaming Disorder durch die WHO geäußert. Der Verband der Privaten Krankenversicherungen (PKV) hat erklärt, dass die "Anerkennung von Computerspielsucht als eigenständige Diagnose durch die Weltgesundheitsorganisation WHO keine Auswirkungen auf den Versicherungsschutz in der Privaten Krankenversicherung" habe.


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