Gamergate: Erneut Morddrohungen gegen Spielentwicklerin
Brianna Wu, die Entwicklungsleiterin beim unabhängigen US-Spielestudio Giant Spacekat(öffnet im neuen Fenster) , hat laut Recode.net(öffnet im neuen Fenster) am Wochenende nach Morddrohungen und der Veröffentlichung ihrer Privatadresse in Foren ihre Wohnung verlassen und die Polizei kontaktiert. Damit muss innerhalb weniger Wochen bereits zum dritten Mal ein weibliches Mitglied der Spielebranche wegen einer möglichen Lebensgefahr untertauchen.
Hintergrund ist offenbar eine von Wu auf Twitter veröffentlichte Grafik(öffnet im neuen Fenster) , in der sie über "Gamergate" herzieht. Der Begriff bezeichnet eine lose Community von meist männlichen Spielern, die sich auf drastische Art mal gegen aus ihrer Sicht übertriebenen Feminismus in Spielen, mal gegen Frauen in der Spielebranche an sich richten.
Dahinter steckt zum Teil wohl auch, dass es vielen langjährigen Spielern nicht gefällt, dass "ihre" Games plötzlich weniger stark für die Zielgruppe der jungen männlichen Nerds produziert werden, sondern für ein Massenpublikum. Und dass deshalb unter anderem eben auch das von einigen Spielen vermittelte Frauenbild infrage gestellt wird.
Auf ähnliche Art wie Brianna Wu hatte das auch die Videobloggerin Anita Sarkeesian(öffnet im neuen Fenster) zu spüren bekommen. Sie hatte sich in einem Dokumentarfilm mit Sexismus in Spielen beschäftigt und musste im August 2014 nach Morddrohungen aus ihrer Wohnung flüchten.
Als Dritte hatte es kürzlich die Entwicklerin Zoe Quinn getroffen. Sie hatte bereits 2013 ein Serious Game namens Depression Quest(öffnet im neuen Fenster) veröffentlicht, das sich mit Depressionen auseinandersetzt. Ihr wurde von Teilen der Community vorgeworfen, dass ein solches Thema in Spielen nichts zu suchen habe. Außerdem soll sie ein Verhältnis mit einem Spielejournalisten eingegangen sein – nach Auffassung von Gamergate, um positive Berichterstattung für ihr Programm zu generieren.
Intel im Fokus von Gamergate
Die Personen hinter Gamergate bekämpfen nicht nur Frauen innerhalb der Branche, sondern legen sich auch mit Firmen an. So hatten Mitglieder der Community den Chiphersteller Intel dazu gebracht, eine Werbekampagne auf der Seite Gamasutra.com vorzeitig zu beenden, nachdem dort eine Journalistin eine Kolumne über Sexismus in Spielen veröffentlicht hatte. Anfang Oktober 2014 hatte sich Intel in seinem Blog offiziell dafür entschuldigt(öffnet im neuen Fenster) , mit dem Anzeigenstopp den Eindruck erweckt zu haben, die mutmaßlichen Ziele von Gamergate zu unterstützen.
In der US-Spielebranche sind Gamergate und andere Gewaltdrohungen derzeit ein großes Thema. Anfang September 2014 hatten sich mehrere hundert Spielentwickler in einem offenen Brief an die Community gewandt, in dem sie um einen weniger aggressiven Umgangston in Foren und sozialen Netzwerken gebeten haben. Spieler, die in Kommentaren auf Steam, Youtube, Twitch, Twitter, Facebook oder Reddit gewalthaltige Kommentare sehen, sollten diese den Betreibern melden, so die Entwickler.
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