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Gallium & Germanium: China schränkt Export von Halbleitermetallen ein

Die Niederlande erschweren den Export von Belichtungsmaschinen, China kontert beim Halbleitermaterial . Das könnte für die Volksrepublik zum Eigentor werden.
/ Johannes Hiltscher
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Ein Kristall aus hochreinem Gallium (Bild: foobar, Wikimedia Commons)
Ein Kristall aus hochreinem Gallium Bild: foobar, Wikimedia Commons / CC-BY-SA 3.0

Der Mechanismus klingt vertraut: Ab August wird eine Genehmigung des chinesischen Handelsministeriums benötigt, um die Metalle Gallium und Germanium exportieren zu dürfen(öffnet im neuen Fenster) . Laut der South China Morning Post (SCMP) handelt es sich dabei um eine Reaktion auf die Entscheidung der niederländischen Regierung(öffnet im neuen Fenster) , dass die Ausfuhr der "fortschrittlichsten DUV-Belichtungsmaschinen" ab September 2023 eine Genehmigung erfordert. Nach Einschätzung von ASML(öffnet im neuen Fenster) sind damit Immersionslithografiesysteme gemeint.

Für einige Halbleiter sind Gallium und Germanium ebenso wichtig wie ASMLs Belichtungsmaschinen: Galliumnitrid (GaN) und Silizium-Germanium (SiGe) werden etwa als Substrat für Hochfrequenz-Halbleiter und optische Komponenten genutzt, in Flüssigkristallbildschirmen kommt Gallium zusammen mit Indium und Zinn zum Einsatz. Auch in der Photovoltaik wird teils Gallium verwendet.

Selten, aber weltweit vorhanden

Sowohl bei Gallium als auch bei Germanium hat China mit Abstand den größten Marktanteil . Lagerstätten finden sich weltweit, aufgrund der aktuell niedrigen Preise ist ein Abbau aber oft nicht wirtschaftlich. Ein aggressiver Ausbau der Minen- und Raffinerieproduktion Chinas in den 2010er-Jahren führte zu einem starken Preisverfall. Das zeigt etwa ein Vortrag ( Folien(öffnet im neuen Fenster) , PDF) im Rahmen eines Workshops der Deutschen Rohstoffagentur.

In vielen Ländern wurde die aufwendige Gewinnung der beiden nur selten vorkommenden Metalle unwirtschaftlich, die Produktion folglich eingestellt. Sollten die Ausfuhren aus China tatsächlich sinken, würde die Gewinnung der Metalle in den USA oder auch Deutschland wieder interessant.

Die erfordert nicht einmal zwangsläufig neue Minen, Industrieabfälle enthalten oft nicht extrahiertes Metall. Auch das Recycling wurde in den vergangenen Jahren weiterentwickelt, wie ein anderer Vortrag des oben genannten Workshops ( Folien(öffnet im neuen Fenster) , PDF) zeigt.

So kommt auch ein Vertreter von Hallgarten & Co, einem auf Bergbau und Ressourcen spezialisierten Marktforschungsunternehmens, gegenüber Bloomberg(öffnet im neuen Fenster) zum Schluss: "Hören sie auf, den Preis zu drücken, wird die Extraktion der Metalle im Westen möglich; dann hat China ein Eigentor."


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