Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Galaxy Z Flip 3 im Test: Wir wollen ja, dass es klappt

Samsungs Flip 3 ist sehr gut verarbeitet und hat einen besser nutzbaren Außenbildschirm – trotzdem ist uns das Aufklappen immer noch eher lästig.
/ Tobias Költzsch
24 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Das Galaxy Z Flip 3 von Samsung (Bild: Tobias Költzsch/Golem.de)
Das Galaxy Z Flip 3 von Samsung Bild: Tobias Költzsch/Golem.de

Wenn es um Smartphones mit faltbaren Displays geht, ist Samsung unter allen Herstellern am aktivsten. Neben dem Galaxy Z Fold 3 , das sich zu einem kleinen Tablet ausklappen lässt, hat die südkoreanische Firma kürzlich auch das Galaxy Z Flip 3 vorgestellt – ein klassisches Clamshell-Design mit innenliegendem Display.

Wir haben uns das Flip 3 im Test genau angeschaut und festgestellt, dass Samsung das Konzept merklich verbessert hat. Die Konstruktion macht einen hochwertigen Eindruck, der Außenbildschirm lässt sich sinnvoller nutzen als zuvor. Für den Alltag ist die Bauform für uns dennoch nichts – das Rumgeklappe nervt uns wie bei den Vorgängern immer noch.

Zusammengeklappt liegt das Flip 3 sehr angenehm in der Hand. Unser Testgerät ist aus schwarzem Metall und Glas gefertigt, alle Oberflächen außer dem Außendisplay sind mattiert. Das Außendisplay misst eine Diagonale von 1,9 Zoll und hat eine Auflösung von 512 x 260 Pixeln. Damit ist es wesentlich größer als das daumennagelgroße Außendisplay des Flip 5G.

Scharnier ist stabil und hat guten Widerstand

Klappen wir das Flip 3 auf, falten wir damit den innenliegenden 6,7 Zoll großen Bildschirm aus. Das Scharnier läuft während des Klappvorgangs sehr geschmeidig, gleichzeitig gibt es aber einen guten Widerstand. Dank dieses Widerstands können wir das Flip 3 in nahezu jeder Position aufgeklappt lassen, ohne dass es automatisch auf- oder zuklappt.

Aufgeklappt ist das Flip 3 mit knapp 7 mm sehr dünn. Zusammengeklappt kommt das Smartphone auf 17 mm an der dicksten Stelle. Mit 86,5 x 72 mm ist das Gerät zusammengeklappt wesentlich handlicher als normal gebaute Smartphones, was es für den ein oder anderen attraktiv machen dürfte – für uns gilt das nicht, dazu aber später mehr.

Das OLED-Display hat eine Auflösung von 2.640 x 1.080 Pixeln, eine Bildrate von bis zu 120 Hz und ist mit einer Schutzfolie abgedeckt. Diese lässt sich zwar ablösen, ohne das eigentliche Panel zu beschädigen, Samsung rät aber dazu, die Folie nicht selbst auszutauschen. Die Displayoberfläche fühlt sich dank der Folie durchaus an wie ein Glas-Panel, was beim Scrollen und Wischen angenehm ist.

Samsung Galaxy Z Flip3 Unboxing (Herstellervideo)
Samsung Galaxy Z Flip3 Unboxing (Herstellervideo) (01:21)

Das darunter liegende Panel ist allerdings aus weicherem Kunststoff – mit spitzen Gegenständen sollte man in der Nähe des Displays also vorsichtig sein. Drücken wir mit einem Fingernagel leicht auf das Display, bleibt zunächst eine sichtbare Spur erkennbar. Diese bildet sich mit der Zeit wieder zurück, sofern wir nicht zu viel Druck ausgeübt haben. Bei normaler Nutzung sollten derartig starke Spuren wohl nicht auftreten, beim Zuklappen sollten sich aber keine Fremdkörper zwischen den Displayhälften befinden.

Falz auf dem Display ist deutlich sichtbar

Im Scharnierbereich ist auf dem Display deutlich ein Falz zu erkennen. Aufgrund der Konstruktion ist dieser beim aktuellen Stand der Display-Technologie wohl nicht zu vermeiden: Das Scharnier des Flip 3 hat einen sehr geringen Radius, weshalb das Panel stark gebogen wird. Anders als beim Fold 3 nehmen wir den Falz beim Flip 3 im Alltag deutlicher wahr, da wir mit dem Daumen häufig beim Scrollen darüberfahren. Schauen wir bei hellem Bildschirm von vorne auf das Display, sehen wir den Falz nicht – bei dunklen Hintergründen ist er sichtbarer.

Erfreulicherweise hat Samsung beim Flip 3 darauf verzichtet, die Frontkamera verdeckt unter dem Display einzubauen. Samsung hat die passende Technik noch nicht, was man deutlich beim Fold 3 erkennt: Der Display-Bereich über der Frontkamera ist viel zu verpixelt und sieht nicht gut aus. Da ziehen wir das kleine Loch beim Flip 3 vor.

Die Frontkamera hat 10 Megapixel und erlaubt zwei leicht unterschiedliche Zooms. Der weitere Ausschnitt ist für Gruppenbilder gedacht, der engere für Fotos von Einzelpersonen. Die Kamera hat aber nur ein Objektiv, der Zoom erfolgt entsprechend rein digital.

Bekannte Kamera auf der Rückseite

Die Kamera auf der Rückseite besteht aus zwei 12-Megapixel-Sensoren. Eine Kamera hat ein Weitwinkelobjektiv, die andere ein Superweitwinkelobjektiv. Die Kameras sind alte Bekannte, Samsung verbaut sie unter anderem schon beim Galaxy Z Flip 5G. Entsprechend überraschen auch die Bildergebnisse nicht: Die Hauptkamera macht ausreichend scharfe Bilder mit guter Bilddynamik, der Nachtmodus hilft bei Aufnahmen mit sehr schlechter Beleuchtung.

Verglichen mit den Kameras anderer Oberklasse-Smartphones kann das System des Flip 3 nicht mithalten, die Bilder sind aber dennoch gut. Vor allem bei der Schärfe zeigt das Smartphone eine schwächere Leistung als beispielsweise das Galaxy S21. Wer die beste Smartphone-Kamera will, sollte nicht zu einem von Samsungs Falt-Smartphones greifen: Auch beim Fold 3 verbaut der Hersteller ältere Kameras.

Praktisch für hochwertige Selbstporträts ist das Außendisplay: Es kann über eine Schaltfläche in der Kamera-App aktiviert werden. Dann können wir das Flip 3 umdrehen und die Volume-Buttons als Auslöser verwenden. Etwas gewöhnungsbedürftig ist allerdings, dass wir nur einen Teil des aufgenommenen Bildes auf dem kleinen Bildschirm sehen.

Den Außenbildschirm finden wir wesentlich nützlicher als beim Galaxy Z Flip 5G, da er deutlich größer ist. Texte wie auf dem außenliegenden Display des Galaxy Z Fold 3 lassen sich allerdings auf ihm nicht tippen – dazu ist er wiederum zu klein. Grundsätzlich werden uns auf dem Außendisplay die Uhrzeit und Benachrichtigungen angezeigt. Darüber hinaus können wir mit Wischgesten Widgets abrufen.

Außenbildschirm mit nützlichen Widgets

Dazu tippen wir den kleinen Bildschirm doppelt an und wischen nach links. Zu den verfügbaren Widgets gehören unter anderem eine Kalenderübersicht, das Wetter, die Musiksteuerung oder auch die Timersteuerung. Ein Wisch nach rechts vom Uhrzeitbildschirm aus zeigt die aktuellen Benachrichtigungen an. Tippen wir eine an, sehen wir Details und können die dazugehörige App öffnen – auf dem innenliegenden Bildschirm natürlich.

Es klappt, das Flip 3

Anders als beim Fold 3 müssen wir das Flip 3 im Alltag nahezu immer aufklappen. Zusammengeklappt ist das Smartphone zwar schön kompakt, aber auch sehr nutzlos – trotz Außendisplay. Das Fold 3 hingegen lässt sich zu einem sehr großen Teil auch zusammengeklappt verwenden, weshalb es für unseren Geschmack alltagstauglicher ist.

Beim Flip 3 stört uns im Grunde der gleiche Punkt wie beim ersten Flip-Modell: das ständige Aufklappen. Es dauert schlichtweg länger als bei einem Smartphone herkömmlicher Bauart, das Flip 3 aus der Hosentasche zu nehmen, den Bildschirm aufzuklappen, den ungünstig, da zu hoch angebrachten Fingerabdrucksensor an der Seite zu suchen und das Gerät zu entsperren.

Das Scharnier lässt ein Aufklappen mit einer Hand nur nach Übung und auch dann eher mühsam zu. Zudem haben wir immer die Befürchtung, mit dem Nagel unseres Daumens, den wir zwischen die beiden Hälften des Flip 3 stecken müssen, das Display zu zerkratzen. In der Praxis sind wir dazu übergegangen, das Smartphone mit beiden Händen zu öffnen, was für uns noch lästiger ist.

Ideal für kleine Hosentaschen

Allerdings muss an dieser Stelle natürlich gesagt sein, dass es zahlreiche Nutzungsfälle bei Smartphones gibt. Wer sein Smartphone beispielsweise in einer kleinen Hosentasche oder einer Handtasche aufbewahrt, wird über die kleinen Ausmaße des Flip 3 im zusammengeklappten Zustand wahrscheinlich glücklich sein.

Halb aufgeklappt haben wir das Flip 3 äußerst selten verwendet, obwohl es in zahlreichen Aufstellwinkeln problemlos verharrt. Wir halten diese halb aufgeklappte Stellung beim Flip 3 höchstens für Videokonferenzen mit der Frontkamera interessant, die wir allerdings auf einem Laptop durchführen.

Wie beim Fold 3 gibt es eine Reihe von Apps, die in halb aufgeklappter Position die Bildschirminhalte auf den unteren und den oberen Bildschirm aufteilen. Youtube beispielsweise zeigt oben das Video an, unten können die Kommentare gelesen werden. Dauerhaft möchten wir in dieser Position kein Video schauen, da das Bild viel zu klein ist.

Ausgeliefert wird das Flip 3 mit Android 11 und Samsungs Benutzeroberfläche One UI. Im Inneren steckt Qualcomms Snapdragon 888, der Arbeitsspeicher ist 8 GByte groß. Der eingebaute Flash-Speicher ist wahlweise 128 oder 256 GByte groß, einen Steckplatz für Micro-SD-Karten gibt es nicht. Das Flip 3 unterstützt 5G und ermöglicht es Nutzern, neben einer regulären SIM-Karte auch eine eSIM zu verwenden.

Akku reicht für den Tag

Der Akku hat eine Nennladung von 3.300 mAh und ist aufgrund der Bauform zweigeteilt. Einen Full-HD-Film können wir bei maximaler Helligkeit über zehn Stunden lang anschauen – ein guter Wert. Im Alltag kommen wir mit dem Flip 3 problemlos über den Tag. Der Akku lässt sich mit maximal 15 Watt laden, was verglichen mit anderen aktuellen Top-Smartphones sehr langsam ist. Drahtlos kann das Flip 3 mit 10 Watt geladen werden.

Galaxy Z Flip 3: Verfügbarkeit und Fazit

Das Galaxy Z Flip 3 kostet bei Samsung mit 128 GByte Flash-Speicher 1.050 Euro, mit 256 GByte Speicher 1.100 Euro. Bei Samsung ist das Smartphone in sieben Farben verfügbar, im freien Handel nur in vier Farben. Bei Amazon kostet die 128-GByte-Version in Schwarz momentan nur 900 Euro. Die größere Version ist bei verschiedenen Onlinehändlern für um die 1.000 Euro erhältlich.

Fazit

Das Galaxy Z Flip 3 ist das technisch beste und am hochwertigsten verarbeitete faltbare Smartphone im Clamshell-Design. Viel Konkurrenz gibt es allerdings momentan nicht: Motorolas Razr ist ebenfalls wie ein klassisches Handy aufklappbar, technisch und vor allem qualitativ allerdings kein Konkurrent zum Flip 3.

Dank des Clamshell-Designs ist das Flip 3 zusammengeklappt schön kompakt und lässt sich auch in kleinen Hosentaschen unterbringen. Der Preis für diese Platzersparnis ist, dass wir das Smartphone bei nahezu jeder Nutzung aufklappen müssen, was uns auch beim neuen Flip-Modell (wie bereits beim ersten) nervt.

Der Außenbildschirm des Flip 3 hilft, wenn wir einen Überblick über unsere Benachrichtigungen oder das Wetter bekommen wollen. Ein Ersatz für den Innenbildschirm ist er allerdings nicht – was er im Gegensatz zum Außendisplay des Galaxy Z Fold 3 aber auch nicht sein soll. Beim Flip 3 gehört Klappen schlichtweg zum Handwerk, ohne geht es nicht.

Technisch gesehen ist das Flip 3 ein Smartphone der Oberklasse. Das Display ist nicht nur faltbar, sondern hat auch eine hohe Bildrate. Dank des verbauten Snapdragon 888 bietet das Smartphone mehr als genügend Leistung für die alltägliche Nutzung, auch anspruchsvolle Apps sind kein Problem.

Einschnitte müssen Käufer bei der Kamera hinnehmen. Das Modul hat keine Telekamera eingebaut, zudem sind die Sensoren und Objektive bereits etwas älter. Das macht sich besonders bei der Schärfe der Bilder bemerkbar, die nicht mit der anderer Top-Smartphones mithalten kann.

Wer sich das Galaxy Z Flip 3 kauft, dürfte dies wohl wegen des Formfaktors und des faltbaren Displays machen. Als Allrounder würden wir das Smartphone eher nicht empfehlen – dafür halten wir das ständige Auf- und Zuklappen im Alltag für zu nervig. Wer allerdings ein möglichst kleines Smartphone mit Top-Ausstattung haben möchte, für den könnte das Flip 3 das richtige sein.


Relevante Themen