Galaxy S9 und S9+ im Hands On: Samsungs neue Smartphones kommen mit variabler Blende

Samsung hat auf der Mobilfunkmesse Mobile World Congress (MWC) 2018 wie erwartet zwei neue Top-Smartphones vorgestellt. Das Galaxy S9 und das Galaxy S9+ sind die Nachfolger der im vergangenen Jahr vorgestellten Geräte Galaxy S8 und Galaxy S8+ .
Vom Aussehen her sehen die beiden neuen Modelle ihren Vorgängern zum Verwechseln ähnlich: Beide kommen wieder mit einem 18,5-zu-9-Display, die Längsseiten sind also im Vergleich etwas länger als bei einem Smartphone mit einem Format von 2:1. Entsprechend schmal sind die beiden Smartphones: Das Galaxy S9 misst 147,7 x 68,7 x 8,5 mm, das Galaxy S9+ 158,1 x 73,8 x 8,5mm.

Der Bildschirm des Galaxy S9 ist wieder 5,8 Zoll groß, der des Galaxy S9+ wie beim Vorgänger 6,2 Zoll. Auch bei der Auflösung der Displays hat Samsung keine Änderungen vorgenommen: Sie liegt bei beiden Modellen wieder bei 2.960 x 1.440 Pixeln, entsprechend scharf wirken die Bildschirminhalte. Einzig sichtbarer Unterschied zu den Vorgängern sind auf der Vorderseite die leicht schmaleren Ränder ober- und unterhalb des Bildschirms. Dadurch wirken die beiden neuen Galaxy-S9-Modelle noch etwas kompakter als die S8-Reihe.
Im Vorfeld hatte Samsung bereits angekündigt, dass die Kamera bei den beiden neuen Smartphones im Mittelpunkt stehen werde. Sowohl das Galaxy S9 als auch das Galaxy S9+ haben eine variable Blende, die – wie bei einer "echten" Kamera – je nach Lichtsituation von f/1.5 auf f/2.4 umschaltet. Dabei wird eine echte mechanische Blende verwendet, deren Bewegung gut erkennbar ist.
Die Umschaltung erfolgt bei einer Lichtstärke von 100 Lux – darunter nutzen die beiden Smartphones die 1.5er-Blende, darüber f/2.4. Im Alltag soll das bei schlechtem Licht zu besser belichteten Bildern führen, bei hoher Lichtintensität hingegen zu einer besseren Tiefenschärfe.
Gute Belichtung in dunklen Umgebungen
Die Lichtausbeute bei unter 100 Lux scheint bei beiden neuen Galaxy-Smartphones tatsächlich gut zu sein: In einer abgedunkelten Kammer machte das Galaxy S9 ein besser belichtetes Foto einer nur 1 Lux hellen Szenerie als das Smartphone eines Mitbewerbers. Aufgefallen ist uns außerdem, was für rauscharme Bilder die neuen Kameras machen: Dafür sorgt ein neuer Algorithmus, der bei schlecht belichteten Aufnahmen zwölf Bilder kombiniert und zu einem zusammenrechnet, anstelle von nur drei bei den Galaxy-S8-Geräten. Dadurch sollen die Fotos im Vergleich zu den Vorgänger-Smartphones um bis zu 30 Prozent rauschärmer sein.
Dual-Kamera beim Galaxy S9+
Beim Galaxy Note 8 hatte Samsung erstmals eine Dual-Kamera verbaut. Dieses Konzept weitet der südkoreanische Hersteller nun auch auf die Galaxy-S-Reihe aus: Das Galaxy S9 kommt weiterhin mit einer einfachen 12-Megapixel-Kamera (mit der variablen Blende), das Galaxy S9+ hingegen hat zwei Kameras auf der Rückseite. Eine davon ist ein 12-Megapixel-Modul mit weitwinkliger Brennweite und variabler Blende (wahrscheinlich das gleiche Modul wie bei kleineren Modellen), die andere hat eine längere Brennweite.
Das Teleobjektiv hat ebenfalls 12 Megapixel, kommt allerdings ohne die variable Blende. Stattdessen hat die zweite Kamera eine Anfangsblende von f/2.4. Die Aufteilung der Dual-Kamera entspricht damit der beim Galaxy Note 8, nur dass Samsung beim Galaxy S9+ noch die veränderliche Blende hinzugefügt hat. Dank der doppelten Kamera können Besitzer des Galaxy S9+ Porträtaufnahmen mit künstlich erzeugtem unscharfem Hintergrund machen.
Die Bildqualität der während unseres ersten Kurztests gemachten Fotos sieht auf den ersten Blick gut aus. Besonders Aufnahmen mit schlechter Beleuchtung profitieren vom Blendenmechanismus und vom neuen Anti-Rausch-Algorithmus. Angesichts dessen, dass frühere Samsung-Top-Smartphones ebenfalls schon sehr große Blendenöffnungen hatten, macht der Algorithmus bei dunklen Szenen möglicherweise sogar mehr aus.
Wie sich die variable Blende bei Galaxy S9+ im Alltag bemerkbar macht, konnten wir aufgrund der limitierten Testzeit noch nicht ausprobieren – das werden wir bei einem ausführlicheren Test nachholen. Insgesamt macht die Kamera der beiden neuen Galaxy-S9-Modelle aber einen guten ersten Eindruck.
Auch bei den Videomodi hat Samsung Verbesserungen vorgenommen: So können wir jetzt Zeitlupenaufnahmen auch mit 960 fps machen. Die Aufnahmelänge ist allerdings auf 0,2 Sekunden reduziert, die im fertigen Video sechs Sekunden lang sind. Zudem liegt die Auflösung nur bei 720p.
Auslöseautomatik hilft bei Zeitlupenaufnahmen
Damit wir bei der kurzen Aufnahmezeit der Superzeitlupe rechtzeitig auslösen und die Bewegung des Objektes auch wirklich einfangen, hat Samsung einen automatischen Auslösemodus integriert. Findet innerhalb eines kleinen Kästchens im Sucher eine Bewegung statt, startet die Kamera automatisch die Aufnahme. Das funktioniert überraschend gut und macht die Aufnahme sehr viel einfacher.
Nachdem die Kamera des Galaxy S9 und Galaxy S9+ eine 0,2-sekündige Zeitlupenaufnahme gemacht hat, benötigt sie drei Sekunden, um die nächste erstellen zu können. Längere Videos können entsprechend mehrere Zeitlupenpassagen enthalten.
Animierte Emojis sehen uns nicht ähnlich
Die Frontkamera der beiden neuen Smartphones hat 8 Megapixel. Mit animierten Emojis versucht Samsung ein wenig, Apple mit seinen Animojis nachzueifern. Wir können bei Samsung Smartphones verschiedene Avatare durch Gesichts- und Körperbewegungen animieren, die Wiedergabe der Gesichtszüge ist allerdings nicht so genau wie beim iPhone X und seiner Face-ID-Kamera. Dafür können wir bei Samsungs Smartphones ein Emoji von uns selbst erstellen – im Selbstversuch empfinden wir die Ähnlichkeit allerdings nicht besonders hoch.
Beide neuen Galaxy-Modelle haben zwei Lautsprecher: Einen Hauptlautsprecher im unteren Bereich des Metallrahmens sowie den Ohrhörer, der als zweiter Lautsprecher genutzt wird. Dadurch können die Geräte Stereosound wiedergeben, der durch Dolby Atmos optimiert wird. In unseren Tests klingen die Lautsprecher sehr laut, zur Klangqualität werden wir aber erst nach eingehenderen Tests etwas sagen können.
Im Inneren beider Modelle kommt in Europa Samsungs neuer Octacore-Prozessor Exynos 9810 zum Einsatz. Dieser hat vier Kerne mit einer Taktrate von 1,7 GHz, sowie vier stärkere Kerne, die mit 2,7 GHz laufen. Der Arbeitsspeicher beim Galaxy S9 ist 4 GByte groß, bei Galaxy S9+ baut Samsung 6 GByte ein. Der Flash-Speicher ist bei beiden Geräten wahlweise 64 oder 256 GByte groß, ein Steckplatz für Micro-SD-Karten bis zu einer Größe von 400 GByte ist eingebaut.
WLAN unterstützen die Smartphones nach 802.11ac, Bluetooth läuft in der Version 5.0. Ein GPS-Empfänger sowie ein NFC-Chip sind eingebaut. Beide Modelle unterstützen das schnelle Cat18-LTE.
Auf der Rückseite ist ein Fingerabdrucksensor eingebaut, der glücklicherweise nicht mehr so ungünstig positioniert ist wie beim Galaxy Note 8. Statt plan mit der Rückseite ist der Sensor gut ertastbar unterhalb der Kamera eingebaut. So können wir ihn weitaus besser ertasten. Im Unterschied zu anderen Herstellern setzt Samsung übrigens weiterhin auf einen Klinkenstecker: Beide Geräte haben einen neben der USB-Typ-C-Buchse im unteren Rahmen.
Bixby übersetzt direkt im Sucherbild
Der Akku des Galaxy S9 hat eine Nennladung von 3.000 mAh, der des Galaxy S9+ hat 3.500 mAh. Zur Akkulaufzeit hat Samsung keine Angaben gemacht. Ausgeliefert werden die beiden Smartphones mit Android 8.0 und Samsungs Sprachassistenten Bixby. Dieser kann in der neuen Version Texte live übersetzen: Dazu müssen wir den Text lediglich mit dem Kamerasucher erfassen und eine Schaltfläche drücken. Anschließend wird die Übersetzung auf das Live-Bild gelegt. Ebenfalls neu sind die Anzeige im Live-Sucher von Orten in der Umgebung sowie die Erkennung von Nahrungsmitteln mit Kalorienangabe.
Die beiden Galaxy-S9-Modelle sollen in Deutschland in Schwarz, Lila und Blau erscheinen. Die Rückseite der Geräte ist aus Glas und schimmert unter Lichteinfall recht ansehnlich. Großer Nachteil der Rückseite ist, dass sie Fingerabdrücke wie ein Magnet anzieht. Sobald wir die Geräte in die Hand nehmen, sind sie voller Tapser.
Fazit
Samsung hat mit dem Galaxy S9 und dem Galaxy S9+ zwei neue Smartphones vorgestellt, die deutlich sichtbar den Designvorgaben der Galaxy-S8-Reihe folgen. Auf den ersten Blick sehen die neuen Geräte der Vorgängergeneration sehr ähnlich, erst ein genauer Blick auf die Rückseite verrät, dass es sich um neue Modelle handelt.
Die variable Blende der neuen Kamera ist interessant, den Alltagsnutzen müssen wir allerdings noch überprüfen. Das Konzept könnte mit einem Blick in die Zukunft spannend sein: Wenn Samsung oder ein anderer Hersteller es schafft, mehr als zwei Blendenstufen zu implementieren, kämen Smartphones einer richtigen Kamera ein Stück näher.
Dass Samsung beim Galaxy S9+ eine Dual-Kamera einbaut, ist nach der Veröffentlichung des Galaxy Note 8 folgerichtig. Wir hätten uns gewünscht, dass auch das kleinere Galaxy S9 die doppelte Kamera bekommt. Samsung hat leider den Apple-Weg gewählt und die Dual-Kamera zusammen mit der Größe als Unterscheidungsmerkmale zwischen dem Galaxy S9 und dem Galaxy S9+ gewählt.

Insgesamt machen die beiden neuen Geräte einen guten ersten Eindruck. Das Galaxy S9 soll in Deutschland mit 64 GByte Speicher 850 Euro kosten, die 256-GByte-Version soll es hier nicht geben. Das Galaxy S9+ kostet mit 64 GByte Speicher 950 Euro, hier soll die 256-GByte-Variante für 1.050 Euro auch nach Deutschland kommen. Die Geräte sollen Samsung zufolge auch als Dual-SIM-Versionen erhältlich sein.
Die beiden neuen Smartphones können ab sofort bestellt werden, der weltweite Verkaufsstart beginnt am 16. März.



