Galaxy S6 Edge+ und Note 5 im Hands on: Samsungs eigenartige Entscheidungen
Samsung hat in New York seine beiden neuen Smartphones Galaxy Note 5 und Galaxy S6 Edge+ vorgestellt. Die Geräte haben nahezu die gleiche Ausstattung, auch die Displaygröße ist mit 5,7 Zoll gleich. Das Galaxy Note 5 kommt wieder mit dem von der Galaxy-Note-Serie gewohnten Eingabestift, der beim neuen Modell praktischerweise dank eines Federmechanismus aus dem Gehäuse springt. Das Galaxy S6 Edge+ hat wie das auf dem MWC 2015 vorgestellte Galaxy S6 Edge zwei abgerundete Displayränder.

Überraschender- und unverständlicherweise hat Samsung angekündigt, in Europa nur das Galaxy S6 Edge+ auf den Markt bringen zu wollen – es sei nicht geplant, hier auch das Galaxy Note 5 zu veröffentlichen. Interessenten an einem großen Samsung-Smartphone müssen also auf das Galaxy S6 Edge+ zurückgreifen, auf die Stiftbedienung müssen sie dann allerdings verzichten.
Nicht nur bei der Hardware, auch äußerlich ähneln sich die beiden neuen Smartphones stark. Das liegt daran, dass das Design des Galaxy Note 5 von den neuen Galaxy-S6-Modellen übernommen wurde: Die Rückseite ist jetzt auch aus Glas, die Kamera, das LED-Fotolicht und der AF-Sensor sind an den gleichen Stellen positioniert.
Samsungs Topmodelle sehen jetzt gleich aus
Dementsprechend sieht das Galaxy Note 5 auf den ersten Blick aus wie ein großes Galaxy S6, das Galaxy S6 Edge+ hingegen wie ein vergrößertes Galaxy S6 Edge – Samsung hat dem neuen Modell keine auffallenden neuen Merkmale verpasst. Den Akku können Nutzer aufgrund des geänderten Designs jetzt auch beim Galaxy Note 5 nicht mehr wechseln.
Sowohl das Galaxy S6 Edge+ als auch das Galaxy Note 5 haben ein 5,7 Zoll großes Super-Amoled-Display mit einer Auflösung von 2.560 x 1.440 Pixeln – beim Galaxy Note 5 wurde die Größe also beibehalten, ebenso wie die Auflösung des Vorgängers. Die Bildschirme beider Geräte machen einen hervorragenden Eindruck auf uns: Die Farben sind nicht zu knallig, die Blickwinkelstabilität ist wie schon beim Galaxy Note 4 sehr gut. Bildschirminhalte wirken stellenweise wie gedruckt.
Nahezu gleiche Technik wie im Galaxy S6
Beide neuen Smartphones haben als Prozessor den sehr leistungsfähigen Acht-Kern-Chip Exynos 7420, also das gleiche 64-Bit-SoC in Big-Little-Bauweise wie in den bisherigen Galaxy-S6-Modellen. Beide Geräte kommen mit 4 GByte LPDDR4-Arbeitsspeicher in den Handel, also mit 1 GByte mehr als die in Barcelona vorgestellten Topmodelle. Inwieweit dies Auswirkungen auf das Benutzungserlebnis hat, konnten wir in der kurzen Zeit, in der uns die beiden Smartphones zur Verfügung standen, nicht herausfinden.
Das Galaxy S6 Edge+ und das Galaxy Note 5 werden nur noch mit 32 oder 64 GByte Speicher erhältlich sein, eine 128-GByte-Version wird es nicht geben. Das ist für Anwender mit großem Platzbedarf besonders ärgerlich, denn auch die beiden Neuvorstellungen haben keinen Speicherkartensteckplatz.
16-Megapixel-Kamera und integrierte Live-Übertragung
Als Hauptkameras kommen bei beiden neuen Modellen 16-Megapixel-Kameras zum Einsatz – auch hier gibt es keinen Unterschied zu den bisherigen Galaxy-S6-Geräten. Die Anfangsblende ist mit f/1.9 niedrig. Die Frontkamera hat 5 Megapixel. Samsung hat einige Veränderungen an der Kamerasoftware vorgenommen: Neben einem optischen Bildstabilisator für Fotos gibt es für Videoaufnahmen eine neue digitale Stabilisierung, VDIS (Video Digital Image Stabilisation) genannt. Zusätzlich stehen neue Videomodi zur Verfügung: Nutzer können jetzt beispielsweise Videocollagen oder Slow-Motion-Collagen anfertigen.
Interessant ist auch ein neuer Live-Übertragungsmodus, der direkt in die Kamera-App der beiden neuen Geräte eingebaut ist. Einmal eingerichtet, ermöglicht Live Broadcast ein direktes Streaming über Youtube. Dabei kann der Link zum Stream einfach per Messenger, E-Mail oder SMS verschickt werden. Die Verzögerung beträgt dabei nur ein, zwei Sekunden, wie wir beim Ausprobieren feststellten.
Die Qualität der Fotos und Videos dürfte äquivalent zu der des Galaxy S6 und Galaxy S6 Edge sein – diesen Eindruck hatten wir zumindest bei der ersten Betrachtung der Bilder. Eine detaillierte Bewertung der Bilder kann erst ein genauerer Test ergeben.
Android 5.1 mit neuer Seitenleisten-Funktion
Sowohl auf dem Galaxy S6 Edge+ als auch auf dem Galaxy Note 5 läuft Android in der Version 5.1, worauf Samsung seine eigene Benutzeroberfläche installiert hat. Sie läuft in unserem kurzen Test auf beiden Geräten flüssig, auch mehrere geöffnete Apps bringen das System nicht ins Stocken.
Beim Galaxy S6 Edge+ kann der Nutzer wieder ausgewählte Kontakte über eine Seitenleiste aufrufen – dazu genügt ein Wisch über die rechte Rundung des Displays. Neu ist die Möglichkeit, hier jetzt auch bis zu fünf Apps abzulegen, die dann stets schnell erreichbar sind. Mit der "Oncircle"-Funktion können zudem anderen Nutzern eines Galaxy S6 Edge oder Galaxy S6 Edge+ selbst gemalte Bilder oder Emoticons geschickt werden. Darüber hinaus empfinden wir das gebogene Display auch beim Galaxy S6 Edge+ als durchaus hübsch anzusehen, aber im Grunde überflüssig. Die Kontakt- und App-Favoriten würden sich ohne die Rundung genauso realisieren lassen, das gilt auch für die Informationen auf dem Seitendisplay im Standby-Zustand des Smartphones und dem Leuchtstreifen bei Ankunft neuer Benachrichtigungen.
Galaxy Note 5 mit Stiftfunktionen
Das Galaxy Note 5 kommt wieder mit zahlreichen auf den Stift zugeschnittenen Funktionen, die ein effektives Arbeiten und einen echten Mehrwert bei einem derart großen Bildschirm darstellen. Dies war immer ein Vorteil der Galaxy-Note-Serie gegenüber anderen großen Smartphones, die in manchen Fällen – wie etwa beim Nexus 6 – keinerlei Extrafunktionen haben, die die Größe des Displays ausnutzen. Als Neuerung lassen sich jetzt mit dem Stift handschriftliche Notizen auf das Display schreiben, wenn das Smartphone im Standby-Betrieb ist. Es ist nicht notwendig, das Smartphone erst zu entsperren.
Auch das Galaxy S6 Edge+ verfügt über keine nennenswerten Funktionen, die den großen Screen unterstützen. Tatsächlich ist das Smartphone nur ein großes Galaxy S6 Edge. Umso ärgerlicher ist es für Galaxy-Note-Fans, dass das Galaxy Note 5 nicht in Deutschland und Europa angeboten werden soll. Damit fällt diese Gerätekategorie bei Samsung zumindest vorerst in Deutschland weg. Ein Ersatz ist das Galaxy S6 Edge+ für uns nicht.
Hardware im Topbereich
Die Hardware der beiden neuen Smartphones ist sehr gut: Neben Quad-Band-GSM und UMTS unterstützen das Galaxy S6 Edge+ und das Galaxy Note 5 LTE, das Galaxy S6 Edge+ in Deutschland nach Cat9. WLAN beherrschen die Geräte nach 802.11ac, Bluetooth läuft in der Version 4.2, ein GPS-Empfänger und ein NFC-Chip sind eingebaut.
Der Akku hat bei beiden Geräten eine Nennladung von 3.000 mAh. Er kann drahtlos geladen werden und unterstützt auch dann eine Schnellladefunktion. Das Wireless Charging ist kompatibel mit den Standards des WPC und der PMA. Zu Akkulaufzeiten hat Samsung noch keine Angaben gemacht.
Über den eingebauten NFC-Chip können bald auch Samsung-Nutzer in Großbritannien den Bezahlservice Samsung Pay nutzen. Auf Nachfrage, wann der Dienst auch in Deutschland eingeführt wird, machte Samsung keine konkreten Angaben. Es sei geplant, aktuell wisse man aber noch nicht, wann eine Einführung erfolgt.
Fazit
Das Galaxy S6 Edge+ soll in Deutschland ab dem 4. September 2015 in der 32-GByte-Version erhältlich sein, der Preis liegt bei 800 Euro. Die 64-GByte-Variante ist offenbar nicht für Deutschland vorgesehen. Das Galaxy Note 5 kommt nur in Nordamerika und Asien in den Handel.
Als Zubehör gibt es für das Galaxy Note 5 sowie für das Galaxy S6 Edge+ eine spezielle Hülle mit eingebauter Hardware-Tastatur. Damit soll das Schreiben längerer Texte einfach von der Hand gehen. Die Tastatur wird über einen Teil des Displays geschoben und es wird dann nur noch der nicht von der Tastatur überdeckte Bereich des Displays verwendet. Pfiffigerweise nimmt der Touchscreen die Eingaben der Tastatur entgegen, so dass keine Bluetooth-Verbindung und auch keine Batterien notwendig sind. Wenn dann das gesamte Display benötigt wird, wird die Tastatur wieder abgezogen.
Fazit
Sowohl das Galaxy S6 Edge+ als auch das Galaxy Note 5 sind technisch sehr gute Smartphones. Das ist kaum verwunderlich, schließlich basieren beide auf den im März 2015 veröffentlichten Galaxy-S6-Modellen. Diese gehören zu den leistungsstärksten Android-Smartphones auf dem Markt. Unser Eindruck von den neuen Geräten ist gut.
Die Entscheidung, das Galaxy Note 5 nicht in Europa auf den Markt zu bringen, können wir allerdings nicht nachvollziehen. Die Geräte der Galaxy-Note-Serie gehören unserer Meinung nach stets zu den besten großen Smartphones, da sie dank des Eingabestifts und der dazugehörenden Softwaremöglichkeiten einen deutlichen Mehrwert bieten.
Als Ersatz bietet Samsung das recht teure Galaxy S6 Edge+ an, das bis auf wenige Änderungen bei der Hard- und Software im Grunde nur ein großes Galaxy S6 Edge ist. Aufgrund des fehlenden Eingabestifts und der mauen expliziten Unterstützung des großen Displays empfinden wir das Galaxy S6 Edge+ nicht als Ersatz für das Galaxy Note 5.
Der generelle Kritikpunkt am Galaxy S6 Edge+ ist der gleiche wie beim normalen Galaxy S6 Edge: Die runden Displayränder sehen gut aus, einen echten Nutzen haben sie aber nicht. Dafür sind sie schlicht zu klein, anders als etwa beim Galaxy Note Edge . Hier fanden wir beispielsweise die Informationen und Bedienelemente, die auf dem Rand angezeigt wurden, praktisch.
Wir sehen zugegebenermaßen keinen Grund, zum Galaxy S6 Edge+ zu greifen – es sei denn, jemand möchte unbedingt ein großes Smartphone mit abgerundeten Ecken haben. Wer auf das Galaxy Note 5 gewartet hat, dürfte mit dem Galaxy S6 Edge+ nicht glücklich werden.
- Anzeige Hier geht es zum Samsung Galaxy S25 bei Amazon Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.



