Galaxy A9 im Hands on: Samsung bietet vier

Mit dem Galaxy A9 hat Samsung binnen kurzer Zeit ein weiteres Smartphone vorgestellt, das mit mehr als einer Dualkamera auf der Rückseite ausgestattet ist. Nach dem Galaxy A7 mit drei Kameras kommt das Galaxy A9 sogar mit vier. Ein wenig kommt da der Eindruck auf, der südkoreanische Hersteller fühle sich durch die Konkurrenz aus China unter Druck gesetzt.
Schließlich werden die neuen Kameraoptionen nicht in Smartphones der Oberklasse eingebaut, sondern in Geräte der A-Serie, die Samsungs Mittelklasse darstellt. Im ersten Hands on zeigt sich, dass das Galaxy A9 bis auf das SoC nah dran an der Oberklasse ist – auch vom Preis her, der 600 Euro beträgt.
Das interessanteste Ausstattungsmerkmal des Galaxy A9 ist natürlich die Kamera. Wie das Galaxy A7 hat das neue Modell eine Kamera mit normal weitwinkliger Brennweite, eine Ultraweitwinkelkamera sowie eine, die ausschließlich der Tiefenerfassung dient. Neu ist ein zusätzliches Teleobjektiv, das die doppelte Brennweite des Standardobjektivs bietet.

Die vier Objektive sind in einem leicht aus dem Gehäuse ragenden Modul vertikal am linken Rand der Rückseite eingebaut. Darunter befindet sich ein LED-Blitz, der Fingerabdrucksensor liegt in der Mitte der Rückseite. Das Design des Smartphones wirkt trotz der ungewöhnlich vielen Objektive eher unspektakulär, Samsung verzichtet auf einen besonderen Schliff der Glasrückseite. Diese verschmutzt sehr leicht durch Fingerabdrücke.
In der Kamera-App des Galaxy A9 können wir mit einer speziellen Schaltfläche direkt zwischen den drei verschiedenen Brennweiten wechseln – die vierte Kamera dient ausschließlich der Tiefenerfassung für den Bokeh-Effekt und lässt sich nicht zum Fotografieren verwenden. Alternativ gibt es auch einen stufenlosen Zoom, der die Bereiche zwischen den Festbrennweiten mit einem Digitalzoom überbrückt.







Dank der drei Brennweiten ergibt sich beim Fotografieren eine große Bandbreite an Gestaltungsmöglichkeiten. Obwohl wir die Bildqualität noch nicht abschließend bewerten können, wird schnell der qualitative Unterschied zwischen den einzelnen Kameras deutlich. Die Frontkamera mit ihren 24 Megapixeln wirkt bereits auf dem Display des Galaxy A9 deutlich schärfer und vor allem in dunkleren Situationen weniger verrauscht als die Telekamera, die 10 Megapixel hat.
Hauptkamera mit merklich besserer Auflösung
Noch deutlicher wird der Qualitätsunterschied bei der Ultraweitwinkelkamera, die mit einem Blickwinkel von 120 Grad deutlich mehr abbildet als das Standardobjektiv. Sie hat 8 Megapixel, entsprechend ist uns ein merklich stärkeres Bildrauschen aufgefallen. Es ist bei Smartphones mit mehreren Kameras allerdings üblich, dass die Zusatzkameras eine schlechtere Auflösung als die Hauptkamera haben.
Ein Grund für die Qualitätsunterschiede in einem weniger gut ausgeleuchteten Szenario könnte der Umstand sein, dass Samsung bei der Hauptkamera bei wenig Licht vier Pixel zu einem zusammenlegt. Dadurch wird eine bessere Lichtausbeute ermöglicht. Bei den anderen beiden Kameras wird diese Technik nicht angewendet.
Für die Superweitwinkel-Aufnahmen bietet Samsung eine Verzerrungskorrektur an. Diese beseitigt die tonnen- und kissenförmigen Verzerrungen, schneidet dabei allerdings etwas vom Rand des Bildes weg. Die automatische Mängelerkennung, die den Nutzer auf Fehler bei soeben aufgenommenen Bildern hinweist, konnten wir in unserem ersten kurzen Test noch nicht ausprobieren.
Die künstlich erzeugte Hintergrundunschärfe (Bokeh) funktioniert in unseren ersten Tests sehr zuverlässig. Eine Hand mit gespreizten Fingern trennt das Galaxy A9 sauber vom unruhigen Hintergrund.
Insgesamt macht die Kamera des Galaxy A9 vom Funktionsumfang einen guten ersten Eindruck. Die drei verfügbaren Brennweiten erweitern das Nutzungsspektrum der Kamera, die Qualität muss sich allerdings in einem ausführlicheren Test noch mit der der Konkurrenz messen.
Großes Display und Snapdragon-SoC
Das Galaxy A9 ist kein kleines Smartphone: Das OLED-Display hat eine Diagonale von 6,3 Zoll, die Auflösung liegt bei 2.220 x 1.080 Pixeln. Auf eine Einbuchtung am oberen Displayrand, die sogenannte Notch, hat Samsung verzichtet. Stattdessen hat das Smartphone verhältnismäßig schmale Ränder. Die Bildschirmqualität macht auf den ersten Blick einen guten Eindruck.
Von der restlichen Ausstattung her handelt es sich um ein Gerät der Oberklasse – bis auf das SoC. Samsung verwendet Qualcomms Snapdragon 660, ein SoC der gehobenen Mittelklasse, das für die meisten Herausforderungen des Alltags gewappnet ist. Technisch gesehen ist es aber nicht so leistungsfähig wie der Snapdragon 845.
Das Galaxy A9 hat 6 GByte Arbeitsspeicher und 128 GByte Flash-Speicher, ein Steckplatz für Micro-SD-Karten ist eingebaut. Das Smartphone unterstützt Cat9-LTE und WLAN nach 802.11ac, Bluetooth läuft in der Version 5.0. Nutzer können zwei SIM-Karten mit dem Gerät verwenden. Ein GPS-Empfänger und ein NFC-Chip sind eingebaut. Der Akku hat eine Nennladung von 3.720 mAh, Angaben zur Laufzeit macht Samsung nicht. Ausgeliefert wird das Galaxy A9 noch mit Android 8.0, das in unserem Test flüssig auf dem Gerät läuft.
Fazit
Das Galaxy A9 soll ab November 2018 in Deutschland erhältlich sein, der Preis liegt bei 600 Euro. Angesichts der Ausstattung halten wir diesen Preis durchaus für gerechtfertigt, für manchen Kunden dürfte er aber nicht leicht zu vermitteln sein.
Grund ist die Klassifizierung des Galaxy A9 als Gerät der A-Klasse, Samsungs Mittelklasse. Obwohl es viele Elemente eines Oberklasse-Smartphones hat, könnte die Einstufung in die Mittelklasse dazu führen, dass Leute eher unwillig sind, 600 Euro zu bezahlen.
Zudem bekommen Käufer für 600 Euro heutzutage bereits ein Oneplus 6 und sogar ein Galaxy S9, beides absolute Topgeräte. Sicher, diese Smartphones haben nicht die gut funktionierende Vierfachkamera – ob diese technische Neuerung allerdings bei einem als Mittelklassegerät bezeichneten Smartphone ein Kaufargument sein wird, ist fraglich. Bei einem wirklichen Topgerät, das auch als solches vermarktet wird, dürfte die neue Vierfachkamera wohl besser aufgehoben sein.
Samsung steckt allerdings etwas in der Zwickmühle: Die Konkurrenz hat mit ihren Kameras vorgelegt, allen voran Huawei mit der Dreifachkamera des P20 Pro – das immer noch die Rangliste des Kameratests von DxO anführt. Ein neues Top-Smartphone wird Samsung aber wohl erst im nächsten Jahr bringen – bis dahin könnte der Kampf um die beste und außergewöhnlichste Smartphone-Kamera verloren gegangen sein.
Interessant wird sein, inwieweit Samsung die im Galaxy A7 und Galaxy A9 vorgestellte Technik bei kommenden Topgeräten verwenden wird. Das Galaxy A9 ist wahrscheinlich auch eine Art Test, um zu sehen, wie der Markt die Vierfachkamera aufnimmt.