Der Sovereign Cloud Stack als offenes Herz von Gaia-X

Eine wichtige offene Komponente für das geplante Ökosystem ist der Sovereign Cloud Stack (SCS), zu dem die Open Source Business Alliance (OSBA) den Anstoß gab. Entstehen wird damit eine offene Datenspeicherstruktur. Sie soll es Providern und Anwendern ermöglichen, selbst auf einfache Weise eine standardisierte Basis für Gaia-X-konforme Services zu betreiben. Darüber ließen sich nicht nur Messwerte sicher in die Cloud übermitteln. Vielmehr könnten die einzelnen Dienste auch zu den Daten in den Rechenzentren der Nutzer oder der Anbieter kommen.

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Der anvisierte SCS soll vollständig unter einer Open-Source-Lizenz veröffentlicht werden und die Option zur "Föderierung" unterschiedlicher Rechenzentren und Dienste bieten. Damit könnten sich auch aus dem Verbund unterschiedlicher Anbieter Fähigkeiten für eine hohe Skalierung und Georedundanz ergeben. In der Gruppe der Gründungsunternehmen wird das Projekt durch das OSBA-Mitglied PlusServer repräsentiert.

Das Bundeswirtschaftsministerium fördert den technischen Unterbau für Gaia-X seit kurzem mit 14,9 Millionen Euro. Da die Basisarbeiten an SCS mit Openstack und Kubernetes bereits vorher begonnen hätten, sei mit einer ersten Version noch in diesem Jahr zu rechnen, verspricht der OSBA-Vorstandsvorsitzende Peter Ganten.

Für ihn steht fest, dass über SCS nicht nur Interoperabilität zwischen Diensten auf proprietären Plattformen geschaffen werden soll, sondern die Lösung auch selber portabel sein muss. Dies erfülle ein erhebliches Marktbedürfnis: "Viele hätten es gerne, wir wären schon fertig, dabei fangen wir gerade erst richtig an."

Gefahr des Whitewashing

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Generell zeigt sich Ganten fest davon überzeugt, dass die aktuellen europäischen Initiativen im Cloud-Umfeld dazu führen, in den Bereichen Zugang sowie Sicht- und Konsumierbarkeit einschlägiger Dienste erhebliche Fortschritte zu erzielen.

Dass EU-Staaten parallel ein "wichtiges Vorhaben von gemeinsamem europäischem Interesse" (IPCEI) für Cloud-Infrastrukturen und -Services (CIS) aufgelegt haben, erachtet er als hilfreich: Darüber könne "die nächste Finanzierungsstufe" gezündet werden. Allein die Bundesregierung will dafür 750 Millionen Euro zur Verfügung stellen.

Inhaltlich sieht der OSBA-Chef beim IPCEI-CIS "irrsinnig viel Überschneidung" zu dem, "was wir mit SCS machen". Es gebe hier offenbar zumindest in Deutschland einen gemeinsamen Plan, sodass beide Initiativen letztlich zusammenliefen. Die Politik müsse nun noch verstehen, "dass sie ein ganz wichtiger Ankerkunde ist". Auch die Bundescloud sollte daher auf Gaia-X aufbauen.

Bei den beteiligten Hyperscalern sieht Ganten die Gefahr des Whitewashing: Die Bedingungen des Programms seien letztlich so weich, "dass jeder sie erfüllen" und das begehrte Logo erhalten könne. Der Endnutzer erfahre dann im schlimmsten Fall erst im Kleingedruckten, dass die Daten nicht unter europäischer Kontrolle gespeichert würden und darauf aufbauende Dienste doch nicht interoperabel seien.

Dabei müsste es viel einfacher werden, zwischen Services zu wechseln. Die Einhaltung der Prinzipien sollte daher streng kontrolliert werden. Da im Verwaltungsrat der Stiftung nur europäische Unternehmen säßen, sei das Risiko aber gering, dass das Projekt "übernommen" und in eine Überwachungscloud umgemünzt werde.

Clouds unter jeder Autobahnbrücke

Auch für Andreas Weiss, Geschäftsbereichsleiter Digitale Geschäftsmodelle beim Eco-Verband der Internetwirtschaft, macht die für Außenstehende leicht undurchsichtige Vielfalt der europäischen Initiativen für Cloud-Dienste Sinn. Das IPCEI-CIS der Mitgliedsstaaten und die jüngst von der EU-Kommission angestoßene zusätzliche Cloud-Industrieallianz sieht er vor allem als Infrastrukturmaßnahmen, auf der Gaia-X "als Betriebssystem" aufbauen könne.

Auf der unteren Ebene geht es laut Weiss zunächst darum, Rechenfähigkeit mithilfe physischer Hardware "unter jede Autobahnbrücke" im Umkreis von 50 bis 80 Kilometer zu bekommen. Nur über solches "Edge Computing" könnten die verstärkt über das Internet der Dinge, Sensoren, vernetzte Autos und 5G anfallenden Daten quasi vor Ort verarbeitet werden.

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Firmen wie die German Edge Cloud böten dafür entsprechende Mini-Rechenzentren in Containerformat an. Um diese energieeffizient zu nutzen, könnten sie etwa auch in Windkrafträder integriert werden und von dort direkt sauberen Strom beziehen.

Auf der zweiten Stufe kommt dem Provider-Vertreter zufolge Gaia-X mit Services wie Künstlicher Intelligenz, Sprachmodellen und Hochleistungsrechnern ins Spiel. Um solche Ressourcen anzuzapfen, müsse man sich heute noch "in Freising oder Jülich anstellen, um einen Durchlauf zu buchen für viel Geld". Den "reinen Plattformansatz" und damit das aktuelle Geschäftsmodell der Hyperscaler, das "viel zu viel Macht bei wenigen Akteuren" konzentriere, dürfte so an Bedeutung verlieren.

Einfach mal machen

Der Eco entwickelt mit sogenannten Federation Services selbst Basismodule für Gaia-X, die einmal ähnlich wichtig sein sollen wie der SCC.

Bei der ersten Spezifikationsrunde stehen dabei Kerndienste wie ein Identitätsservice, ein Verzeichnis verfügbarer föderierter Angebote, der souveräne Datenaustausch, ein Portal, übergreifende Integration sowie die Kontrolle der Einhaltung der Regeln im Vordergrund. Das Bundeswirtschaftsministerium unterstützt dieses Vorhaben, das im ersten Quartal 2022 erste Ergebnisse liefern soll, mit rund 13,5 Millionen Euro.

Diese technischen Bausteine seien entscheidend für darauf aufbauende Ökosysteme, betont Weiss. Stünden sie etwa, werde es einfacher, Verbundangebote für Gaia-X einzurichten. Als Beispiel nennt der Experte die "Auto-Cloud" Catena-X, zu dem sich Automobilhersteller und -zulieferer, Händlerverbände sowie Ausrüster zusammengeschlossen haben.

Ein Ziel ist es, einen standardisierten Austausch von Daten über Lieferketten hinweg zu ermöglichen. Weitere Datenräume sollen etwa mit Projekten wie Marispace-X für maritime Anwendungen, Merlot für Bildungsinformationen und Dataloft für Gesundheitsdaten entstehen.

Insgesamt ist Weiss trotz zwischenzeitlicher Turbulenzen zuversichtlich: "Das Ding läuft." Er habe bisher im Bereich von IT-Großprojekten noch "keine einzige Maßnahme gesehen, die so viel Momentum geschaffen hat und trotzdem ergebnisorientiert arbeitet".

Für ihn geht kein Weg daran vorbei: "Man muss einfach mal machen", sonst brauche die EU sich auch keine Ziele zu setzen wie das Erreichen der Klimaneutralität bis 2045. Angesprochen auf Bürden wie Palantir winkt der Insider ab: Die Firma sei in der täglichen Arbeit noch nie in Erscheinung getreten.

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Vogel22 07. Sep 2021 / Themenstart

Fragt sich nur inwiefern sie daran beteiligt sind. Der letzte Abschnitt des Textes...

Vogel22 07. Sep 2021 / Themenstart

Für mich liest sich das nach nichts anderes als einem Standard, den Firmen implementieren...

Horcrux7 06. Sep 2021 / Themenstart

Ich sehe nicht wie KI services standardisiert werden können. Es sei denn es es ist eine...

AssassinNr1 06. Sep 2021 / Themenstart

Über Kryptowährungen liest man hier sonst nur sehr oberflächliche Artikel die inhaltlich...

Katsuragi 06. Sep 2021 / Themenstart

Was, nur terror-"verdächtig"? Was rauchst Du denn?! Wer Verschlüsselung benutzt, ist ja...

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