Startups bemängeln: Alles wird ausspezifiziert

Claudia Nemat, Vorstandsmitglied für Technologie und Innovation bei der Telekom, trägt den Ansatz mit. Ihr zufolge bringt es nichts, "die Infrastrukturen von Hyperscalern nachzubauen". In der EU sei es wichtiger, die Digitalisierung des öffentlichen Sektors voranzubringen und Daten zu nutzen, "um Algorithmen und KI zu entwickeln".

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Nur so lasse sich etwa in den Lieferketten erkennen, wo CO2 oder Müll anfalle, und die - an sich erst einmal selbst energiehungrige - Cloud für eine klimaneutrale Wirtschaft eingespannt werden könne. Zugleich müssten die Europäer die Chuzpe haben, zu verlangen: "Die hier ein Geschäft machen wollen, sollen sich an die Grundprinzipien halten."

"Die Hyperscaler haben viele Milliarden Euro Entwicklungsvorsprung", weiß auch Jörg Gottschlich, Chef des Startups Meshcloud. Entscheidend seien aber nicht mehr die Infrastrukturen für die großen Datenzentren, sondern die darauf aufbauenden höherwertigen Cloud-Services für Anwendungen im Bereich Maschinenlernen, Datenverarbeitung und KI: "Hier müssten wir in Europa schnellstens die eigenen Investitionen hochfahren, um originäre marktfähige Angebote aufzubauen." Staatliche Fördermittel auch über verschiedene einschlägige Initiativen machten daher Sinn, solange diese mit klaren Bedingungen verknüpft seien.

Genervt ist Gottschlich aber vom Arbeitsfluss im Gaia-X-Universum. "Wie ein ganzer Niagara-Fall wird alles ausspezifiziert auf vielen hundert Seiten und dann zur Implementierung freigegeben, als ob in den letzten 20 Jahren die Software-Entwicklung nicht vorangekommen wäre", beklagt der Gründer. Schon 2016 sei eine kollaborative Föderation aus dezentralen Cloud-Plattformen (damals Openstack und Cloud Foundry) ins Leben gerufen worden, die technisch prinzipiell Modell stehen könnte. Trotzdem heiße es nun wieder: "Gremiensitzungen, Abstimmungen, Konzepte, Spezifikationen. Ungezählte Personenstunden, ganze Menschenleben werden in Telefonkonferenzen verbracht."

Opposition: zu klein gedacht

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Das "zentralplanerische Vorgehen" sei eine echte Krux, stöhnt Gottschlich. Es werde monatelang an Grundlagen und Architekturen geschraubt, "ohne dass diese auch in realen Anwendungen eingesetzt und ausprobiert werden". Dabei habe die sinnvolle Integration von Gaia-X in bestehende Infrastrukturen den größten Einfluss auf den Erfolg.

Besser wäre es, "man würde konkret durchgeführte Projekte um eine gemeinsame Vision sammeln und diese dann Stück für Stück standardisieren". Sonst drohe eine technologische Parallelwelt geschaffen zu werden, in der jeder dann wieder von vorne anfangen müsse mit der Implementierung.

Auch aus der Opposition hagelt es Kritik. Gaia-X werde "immer noch viel zu klein gedacht" und verliere daher leider an Schwung, meint Manuel Höferlin, Vorsitzender des Ausschusses Digitale Agenda des Bundestags. Ziel müsse es sein, "eine europäische Dateninfrastruktur für alle Lebensbereiche zu entwickeln, also auch für staatliche, wissenschaftliche und zivilgesellschaftliche Anwendungen". Der FDP-Politiker hält es auch für wichtig, "bei der bundeseigenen Cloud kein eigenes Süppchen zu kochen, sondern auf eine Lösung auf Basis von Gaia-X zu setzen". Die Bundesregierung liebäugelt hier dagegen mit Microsoft.

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Unverständlich erscheint es dem Vize-Fraktionschef der Grünen, Konstantin von Notz, warum nun erneut US-Anbieter mit ins Boot geholt werden. Und dies bei einem Projekt, "das explizit die europäische digitale Souveränität stärken soll". Firmen wie Palantir seien "alles andere als geeignet, notwendiges Vertrauen herzustellen".

Dazu komme die Rechtsunsicherheit, da die EU-Kommission und die Bundesregierung es nicht geschafft hätten, mit den USA adäquate Schutzmechanismen vor Massenüberwachung auszuhandeln. Erfreulich sei aber im Sinne der Transparenz, dass bei Gaia-X verstärkt Open-Source-Anwendungen zum Einsatz kämen. Auf nationaler Ebene höre man hier bei der Bundescloud nichts mehr.

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 Hyperscaler mischen groß mitDer Sovereign Cloud Stack als offenes Herz von Gaia-X 
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Vogel22 07. Sep 2021 / Themenstart

Fragt sich nur inwiefern sie daran beteiligt sind. Der letzte Abschnitt des Textes...

Vogel22 07. Sep 2021 / Themenstart

Für mich liest sich das nach nichts anderes als einem Standard, den Firmen implementieren...

Horcrux7 06. Sep 2021 / Themenstart

Ich sehe nicht wie KI services standardisiert werden können. Es sei denn es es ist eine...

AssassinNr1 06. Sep 2021 / Themenstart

Über Kryptowährungen liest man hier sonst nur sehr oberflächliche Artikel die inhaltlich...

Katsuragi 06. Sep 2021 / Themenstart

Was, nur terror-"verdächtig"? Was rauchst Du denn?! Wer Verschlüsselung benutzt, ist ja...

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