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G915 TKL im Test: Logitechs perfekte Tastatur braucht keinen Nummernblock

Das Tenkeyless-Design steht der drahtlosen Logitech G915 TKL gut. Auf Couch oder Schreibtisch gibt es kaum eine bessere mechanische Tastatur .
/ Oliver Nickel
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Die Beleuchtung der Buchstaben für das Wort Golem ist auf der G915 TKL perfekt! (Bild: Oliver Nickel/Golem.de)
Die Beleuchtung der Buchstaben für das Wort Golem ist auf der G915 TKL perfekt! Bild: Oliver Nickel/Golem.de

Die Suche nach der perfekten Tastatur ist nicht immer leicht. Soll sie kompakt sein, fehlen meist nützliche Zusatztasten. Soll sie drahtlos sein, ist oft der Akku zu klein oder Bluetooth zu langsam. Soll sie sich auch zum Spielen eignen, kann sie manchmal ganz schön unansehnlich sein. Die Logitech G915 TKL versucht, wie das größere Vorbild G915 Lightspeed, möglichst alle Gemüter zu befriedigen, die auf Nummernblock und zusätzliche Makrotasten verzichten können.

Unser Tester verwendet selbst seit fast einem Jahr die G915 Lightspeed und hat daher das kompakte Modell direkt für einen kurzen Test ausprobiert. Doch warum sollten wir 230 Euro und damit noch mehr Geld für eine Tastatur ausgeben, die weniger funktional ist?

• Im ersten Teil des Testes gehen wir auf die Drahtlosfunktion und die gute Akkulaufzeit ein.

• Der zweite Teil betrachtet die sehr guten mechanischen Tasten und die fummelige Software.

• Zum Schluss ziehen wir unser Fazit.

Wir können sagen: Die TKL ist gerade für Personen, die abseits von Schreibarbeiten gerne viel spielen und dabei ihre Maus über den Tisch jagen, die bessere Wahl. Sie eignet sich aber auch bestens als Tastatur für die Couch, da sie weit weniger klobig als die G915 ist. Außerdem bietet sie weniger Spielraum für Fehleingaben. Dazu später mehr.

Tatsächlich ist die G915 TKL 36,8 cm wesentlich kürzer als das Urmodell, welches durch die Makrotasten und den Nummernblock auf 47,4 cm kommt. Durch das recht hohe Gewicht von 810 Gramm negiert sie zudem ein Problem kompakter und leichter Tastaturen und rutscht nicht allzu stark umher. Wir können die Tastatur zudem mit den Standfüßen auf der Rückseite in zwei Winkeln angeschrägt aufstellen.

Ein Vorteil des Kompaktformates ist, dass wir auf dem Tisch mehr Platz auf der rechten Seite haben. Gerade in Spielen, in denen wir die Maus ruckartig bewegen, ist das von Vorteil. Auch erfordert das generelle Layout weniger Umgewöhnung, da keine Makrotasten an der linken Seite vorhanden sind, welche für die linke Hand ungewohnt sind.

Was bei kompakten Tastaturen selten ist: Logitechs Produkt hat sowohl eine – etwas kürzere – analoge Lautstärkerolle als auch Multimediatasten für das Abspielen von Musik und Videos. Gerade die Stummschaltefunktion ist in diversen Situationen praktisch, wenn wir nicht den Umweg über die Taskleiste in Windows 10 gehen müssen.

Neben diesen Tasten gibt es zudem einen Knopf für die Helligkeitsregulierung der RGB-Beleuchtung und einen Spielmodus-Umschalter, der nach Bedarf etwa Sondertasten wie die Windows-Taste sperrt. Ganz links sind zwei Schalter für die drahtlose Verbindung möglich. Die Sondertasten haben weiche Gummikappen und fühlen sich daher gummiartig an.

Bluetooth oder Dongle

Die G915 kommuniziert per 2,4-Ghz-Dongle, den wir auch an der Unterseite der Tastatur verstauen können – oder optional per Bluetooth. Ersteres ermöglicht praktisch ein verzögerungsfreies Tippen und Zocken ohne Kabel. Zweiteres ist eher für Schreibarbeiten mit längerer Akkulaufzeit gedacht oder wenn wir die Tastatur mit einem Tablet oder Smartphone nutzen wollen. Das ist sehr praktisch, das langsame Bluetooth-Protokoll ist aber für Spiele ungeeignet. Das Umschalten zwischen beiden Modi funktioniert in unserem Test problemlos. So können wir etwa zwischen Android-Smartphone und Windows-PC wechseln.

Zwar ist der Akku der TKL etwas kleiner als der Energiespeicher der G915, die Laufzeit ist trotzdem beeindruckend: Wir können die Tastatur ohne Aufladung bei einer täglichen Nutzung von ungefähr zwölf Stunden etwa fünf Tage lang nutzen. Mit Bluetooth und ausgeschalteter Beleuchtung sind theoretisch noch bessere Laufzeiten möglich. Etwas schade ist allerdings, das Logitech die Gelegenheit nicht genutzt und einen USB-C-Anschluss verbaut hat. Stattdessen schließen wir weiterhin Micro-USB-Kabel daran an, deren Stecker weitaus fragiler sind und weniger lange halten.

Wenn es um das Tippen geht, macht die Tastatur alles richtig.

Dauerschreiben kein Problem

Das Wichtigste an Tastaturen ist aber immer noch, wie sich Tasten und das damit einhergehende Tippgefühl verhalten. Wie die G915 setzt auch die kleinere Version auf Low-Profile-Switches, die mit taktilem Widerstand (GL Tactile), mit zusätzlichem Klickgeräusch (GL Clicky) oder – wie bei unserem Testmuster – linear (GL Linear) schalten. Logitech imitiert damit die Cherry-Switches MX Brown, MX Blue und MX Red.

Wir finden das Tippgefühl auf den GL-Linear-Schaltern allerdings viel besser als mit Standard-Cherry-Schaltern wie auf der uns zum Vergleich zur Verfügung stehenden Corsair K70. Der Schaltweg ist merklich kürzer, während der Kraftaufwand mit 50 Gramm ähnlich niedrig ist. Die Logitech-Schalter lösen bei einem Weg von etwa 1,5 mm im Vergleich zu den 2 mm der Cherry MX Red aus. Die Tasten lassen sich also sehr schnell und mit etwas Übung auch sehr leise tippen. Die weniger bauchigen Tastenkappen sorgen dafür, dass die Tastatur nicht so stark scheppert. Außerdem sind Sondertasten wie die Leertaste und die Return-Taste zusätzlich mit Stützfüßchen gedämpft.

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Die Tastenkappen haben kleine konkave Einbuchtungen und sind so sehr ergonomisch geformt. Fehltippen ist hier nur mit Willen möglich. Wir können sagen, dass wir auf keiner mechanischen Tastatur mit linearen Schaltern so komfortabel und schnell Wörter eingeben können. Das ist ein enormes Plus für die G915 TKL und die in diesem Aspekt baugleichen G915 Lightspeed.

Fragile Tastenkappen

Aber: Es scheint, als habe sich Logitech hier am Design der Low-Profile-Schalter von Kailh orientiert. Das bedeutet, dass Tastenkappen zum omnipräsenten Cherry-Standard mit dem kreuzförmigen Sockel inkompatibel sind und stattdessen auf Schalter mit zwei kleinen Kunststoffhaken setzen. Diese sind aus Haltbarkeitssicht wesentlich fragiler, wie wir bereits bei der G915 Lightspeed festgestellt haben. Nach etwa neun Monaten ist uns dort die Shift-Taste abgebrochen und wir mussten eine der für uns unnützen Makrotasten als Ersatz verwenden. Das sollte bei einer so teuren Tastatur eigentlich nicht passieren. Die G915 scheint identische Tastenkappen zu nutzen, was auf ein ähnliches Problem hinauslaufen könnte.

Das Logitech-Problem mit Software

Die Software Ghub, in der sämtliche Einstellungen für die Tastatur getätigt werden, ist bestenfalls unzuverlässig nutzbar. Uns ist es des Öfteren passiert, dass gespeicherte Beleuchtungsprofile oder Makrotasten nicht übernommen wurden, sich Profile zurücksetzen oder nicht richtig starten. Das Abspeichern von Profilen auf der Tastatur selbst ist unnötig kompliziert und in einem Untermenü verschachtelt. Die Software ist zudem sehr langsam, startet in einigen Fällen nicht beim Booten oder stürzt im Betrieb ab.

Das ist schade, da der Funktionsumfang an sich ziemlich beeindruckend ist. Dabei ist die Auswahl verschiedener Effekte interessant, auch wenn wir persönlich diese zumeist nicht nutzen. Wir können Welleneffekte, Kontrastwechsel und andere Animationen verwenden. Die Lichteffekte werden von einigen Spielen sogar automatisch eingestellt. In Borderlands 3 zeigt uns etwa die F-Tastenreihe durch Leuchten an, wie viel Munition wir noch im Magazin haben – nette Spielerei.

Alternativ stellen wir die RGB-Beleuchtung jeder Taste einzeln ein. Darauf verzichten können wir eigentlich nicht, denn bei deaktivierter Hintergrundbeleuchtung sind Symbole auf den Tasten kaum noch sichtbar. Außerdem muss die tolle neue Tastatur ja zur tollen alten Maus passen.

Für uns ein Vorteil: Nur die F-Tastenreihe lässt sich bei der G915 TKL mit Makros belegen. Die Belegung können wir zudem bestimmten Anwendungen zuweisen. In CS: GO ist etwa ein Kauf-Script belegt, in Warcraft 3 sind es die Inventarkürzel.

Für mehr Makrotasten müssen wir zur größeren Version greifen. Mit dieser hatten wir allerdings ergonomische Probleme, wenn wir etwa im Eifer des Gefechts auf die Makro-Record-Taste gedrückt haben und anschließend eine halbstündige Abfolge von Eingaben aufgezeichnet wurde. Ein erneutes Drücken auf eine Makrotaste löst dieses Wirrwarr an Tasten dann in den ungünstigsten Zeitpunkten aus. Das kann uns bei der kleinen Version nicht passieren.

Verfügbarkeit und Fazit

Die Logitech G915 TKL ist bereits erhältlich(öffnet im neuen Fenster) . Wie die größere Version ist sie im höheren Preissegment angesiedelt. Sie kostet derzeit 230 Euro. Die G915 Lightspeed kostet zurzeit 215 Euro.

Fazit

Für uns ist die G915 TKL die derzeit beste Kompakttastatur für Personen, die viel spielen und viel schreiben. Durch die Drahtlosfunktion per Dongle oder Bluetooth eignet sie sich auch für den Betrieb am Media-Center-PC. Die Akkulaufzeit ist mit etwa fünf Tagen Dauernutzung zudem sehr gut. Die Aufladung per Micro USB bleibt aber etwas altbacken.

Die Low-Profile-Switches haben einen sehr angenehm leichten Druckpunkt und sind durch die flachen Tastenkappen nicht zu laut. Auch ergonomisch machen die Kappen etwas her. Wir haben allerdings die Angst, dass die Kunststoff-Kappen nach einiger Nutzung beschädigt werden, was uns bei der annähernd baugleichen G915 Lightspeed passiert ist.

Logitech Ghub ist die größte Schwäche der Tastatur. Es ist zwar gut, dass wir einzelne Tasten individuell beleuchten und Effekte einstellen können, allerdings ist uns das Programm auch das ein oder andere Mal abgestürzt.

Das Kompaktformat ohne Nummernblock ist perfekt für eine so vielseitig einsetzbare kabellose Tastatur. Ob nun am Gaming-Schreibtisch oder auf der Couch: Für uns ist die G915 TKL die derzeit beste Tastatur des Unternehmens und auch generell ziemlich konkurrenzlos – solange wir dafür den Aufpreis zahlen.

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