Abo
  • Services:
Anzeige
Wenn der Browser vor der unsicheren Webseite der Polizei warnt ...
Wenn der Browser vor der unsicheren Webseite der Polizei warnt ... (Bild: Polizeit Hamburg - Screenshot Golem.de)

G20: Hinweisportal der Polizei Hamburg hat rechtliche Probleme

Wenn der Browser vor der unsicheren Webseite der Polizei warnt ...
Wenn der Browser vor der unsicheren Webseite der Polizei warnt ... (Bild: Polizeit Hamburg - Screenshot Golem.de)

Nach den Protesten gegen den G20-Gipfel in Hamburg bittet die Polizei über ein Webportal um Hinweise zu Straftätern. Dabei werden allerdings personenbezogene Daten im Klartext übertragen und die eingereichten Hinweise sind ohne TLS-Verschlüsselung vermutlich prinzipiell anfechtbar.
Von Tim Philipp Schäfers

Über die Webseite hh.hinweisportal.de bittet die Polizei Hamburg nach den Protesten gegen den G20-Gipfel in Hamburg um Hinweise zur Ermittlung von Straftätern. Auf dem Webportal lassen sich Mediendateien hochladen, zudem können ergänzende Hinweise und Angaben zur eigenen Person gemacht werden: Vorname, Nachname, Geburtstag, Geburtsort, Straße und Hausnummer, Postleitzahl, Stadt, Telefonnummer, Mobilnummer und E-Mail. Solche personenbezogenen Daten genießen durch Gesetze zum Datenschutz und das Telemediengesetz besonderen Schutz. Auf dem Hinweisportal wird die Übertragung der Daten aber nicht ausreichend geschützt - sie werden standardmäßig nicht verschlüsselt.

Anzeige

Golem.de hat die Polizei Hamburg auf diesen Umstand aufmerksam gemacht und sich nach dem Datenschutzbeauftragten der Behörde erkundigt. Dieser war aus dem Inhalt der Webseite nicht ersichtlich, nach deutschem Recht ist er allerdings für solche Hinweise zuständig. Den Namen des Datenschutzbeauftragten haben wir nicht erfahren, allerdings wurde uns mitgeteilt, dass die Anfrage an einen Verantwortlichen aus der IT-Abteilung weitergeleitet worden sei. Mittlerweile ist die Webapplikation mit Verschlüsselung erreichbar, allerdings nach wie vor nicht im Standard, sondern nur, wenn Browsererweiterungen wie HTTPS Everywhere genutzt werden oder manuell "https" zu Beginn der URL eingegeben wird. Es können und werden vermutlich bis jetzt Hinweise mit personenbezogenen Daten im Klartext übertragen.

Rechtliche Probleme

Aus rechtlicher Sicht ist das aus mehreren Gründen heikel. Die Schutzziele Vertraulichkeit und Integrität sind bei einer Übertragung im Klartext massiv gefährdet. Möglicherweise sind Hinweise, die unverschlüsselt über das Portal eingehen, sogar vor Gericht anfechtbar. Videos oder Fotos können zwar vor Gericht als Beweismittel dienen (siehe dazu StPO Paragraf 244), allerdings kann bei einer unverschlüsselten Übertragung nicht sichergestellt werden, dass die Aufnahmen authentisch sind und zudem nicht manipuliert wurden.

Im Telemediengesetz Pragraf 13 steht zudem: "Der Diensteanbieter hat durch technische und organisatorische Vorkehrungen sicherzustellen, dass der Nutzer Telemedien gegen Kenntnisnahme Dritter geschützt in Anspruch nehmen kann". Daraus ergibt sich die Pflicht für Anbieter, Verschlüsselung einzusetzen, wenn sie personenbezogene Daten verarbeiten, um das Ausspähen durch Dritte zu verhindern. In der Praxis wird dazu meist TLS in der aktuellen Version 1.2 eingesetzt - auf dem Hinweisportal ist das nach wie vor aber nicht standardmäßig der Fall. Ein Verstoß gegen das Telemediengesetz stellt eine Ordnungswidrigkeit dar und kann laut Telemediengesetz Paragraf 16 im Extremfall mit einem Bußgeld von bis zu 50.000 Euro geahndet werden.

Wir haben die Polizei Hamburg um Stellungnahme gebeten und unter anderem gefragt, wie diese die Sachlage einschätzt, wie viele der Hinweise eingegangen sind und wie viele davon unverschlüsselt übermittelt wurden. Der Datenschutzbeauftragte der Behörde teilte uns am Montagvormittag bereits mit, dass er den Hinweis "an die zuständigen Stellen mit der Bitte um Stellungnahme weitergeleitet habe" und eine Bewertung nicht mehr von seinem Aufgabenkreis beziehungsweise Kompetenzen gedeckt sei.

Wir werden an dieser Stelle informieren, wenn es zu dem Sachverhalt neue Informationen gibt.


eye home zur Startseite
ikhaya 11. Jul 2017

Das kann nur greifen solange es eine Regel gibt für diese Webseite. Da es nur alle 2...

Tomato 11. Jul 2017

Die Hamburger Polizei ist ja generell nicht für besonders hohe Gesetzestreue bekannt. Das...

nomnomnom 11. Jul 2017

Man kann die Hinweise aber auch Anonym einreichen.

nicoledos 11. Jul 2017

Jene, die ich kenne machen ihren Job eigentlich ganz ordentlich. Die...

devman 11. Jul 2017

Ist es nicht traurig, wie es selbst an dem nötigsten fehlt. Mein Nachbar ist Polizist und...



Anzeige

Stellenmarkt
  1. Gesellschaft für Reisevertriebssysteme mbH, Bochum
  2. BG-Phoenics GmbH, Hannover
  3. über Hays AG, München
  4. operational services GmbH & Co. KG, Frankfurt am Main


Anzeige
Blu-ray-Angebote
  1. 24,99€ (Vorbesteller-Preisgarantie)
  2. (u. a. Drive 7,79€, John Wick: Kapitel 2 9,99€ und Predator Collection 17,49€)
  3. Einzelne Folge für 2,99€ oder ganze Staffel für 19,99€ kaufen (Amazon Video)

Folgen Sie uns
       


  1. Die Woche im Video

    Ausgefuchst, abgezockt und abgefahren

  2. Siri-Lautsprecher

    Apple versemmelt den Homepod-Start

  3. Open Routing

    Facebook gibt interne Plattform für Backbone-Routing frei

  4. Übernahme

    Vivendi lässt Ubisoft ein halbes Jahr in Ruhe

  5. Boston Dynamics

    Humanoider Roboter Atlas macht Salto rückwärts

  6. Projekthoster

    Github zeigt Sicherheitswarnungen für Projektabhängigkeiten

  7. Sicherheitslücke bei Amazon Key

    Amazons Heimlieferanten können Cloud Cam abschalten

  8. Luftfahrt

    China plant Super-Windkanal für Hyperschallflugzeuge

  9. Quad9

    IBM startet sicheren und datenschutzfreundlichen DNS-Dienst

  10. Intel

    Ice-Lake-Xeon ersetzt Xeon Phi Knights Hill



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Smartphoneversicherungen im Überblick: Teuer und meistens überflüssig
Smartphoneversicherungen im Überblick
Teuer und meistens überflüssig
  1. Winphone 5.0 Trekstor will es nochmal mit Windows 10 Mobile versuchen
  2. Librem 5 Das freie Linux-Smartphone ist finanziert
  3. Aquaris-V- und U2-Reihe BQ stellt neue Smartphones ab 180 Euro vor

Erneuerbare Energien: Siemens leitet die neue Steinzeit ein
Erneuerbare Energien
Siemens leitet die neue Steinzeit ein
  1. Siemens und Schunk Akkufahrzeuge werden mit 600 bis 1.000 Kilowatt aufgeladen
  2. Parkplatz-Erkennung Bosch und Siemens scheitern mit Pilotprojekten

Cubesats: Startup steuert riesigen Satellitenschwarm von Berlin aus
Cubesats
Startup steuert riesigen Satellitenschwarm von Berlin aus
  1. Arkyd-6 Planetary Resources startet bald ein neues Weltraumteleskop
  2. SAEx Internet-Seekabel für Südatlantikinsel St. Helena
  3. Sputnik Piep, piep, kleiner Satellit

  1. der Wagen verkauft sich gut?

    acl | 09:40

  2. Na Toll...

    Ach | 09:34

  3. Re: "Versemmelt"

    Clouds | 09:32

  4. Re: und woher kommen die Rohstoffe für die Batterie?

    Thxguru | 09:28

  5. Re: Schau dir doch an, wie Björn im Norwegischen...

    lear | 09:25


  1. 09:02

  2. 19:05

  3. 17:08

  4. 16:30

  5. 16:17

  6. 15:49

  7. 15:20

  8. 15:00


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel