G Data: Kaspersky will Anteile an deutscher Antivir-Firma verkaufen

Angesichts des Ukraine-Kriegs steht die russische Investorin Natalya Kaspersky beim Bochumer Antiviren-Unternehmen G Data vor dem Ausstieg. Es sei vereinbart, dass sich Kaspersky von ihrem Anteil in Höhe von 17 Prozent an G Data trennen werde, sagte Kai Figge, einer der Gründer, Chefs und Eigentümer des Unternehmens, der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung(öffnet im neuen Fenster) . "Wir sind derzeit in einem Prozess, wo wir mit verschiedenen Investoren sprechen" , erklärte er.
Die russische Unternehmerin Kaspersky ist vor zehn Jahren mit 16,8 Prozent bei G Date eingestiegen und war auch im Aufsichtsrat des Unternehmens. Auf das operative Geschäft habe Kaspersky als Finanzinvestorin keinen Einfluss gehabt, betonte Figge, der mit seinem Gründer-Partner Andreas Lüning nach eigenen Angaben gemeinsam die Mehrheit bei G Data hält.
Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine hat Kaspersky ihr Mandat im Aufsichtsrat niedergelegt und die G-Data-Vorstände haben erklärt, dass die Russin ihre Anteile verkaufen wolle. Doch bisher wurde kein Übernahmepartner gemeldet.
G Data und das von Natalya Kaspersky gegründete Unternehmen Kaspersky Labs arbeiteten bereits seit 1996 zusammen. Damals leitete Natalya Kaspersky noch das russische Unternehmen. Anfang 2012 verließ sie die Firma und verkaufte später ihre Anteile.
Das Vermögen von Natalya Kaspersky, die Chefin des IT-Sicherheitsunternehmens InfoWatch ist, wird auf rund 300 Millionen Euro geschätzt. Sie forderte laut der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass(öffnet im neuen Fenster) schon im Jahr 2016, dass alle Internet-Nutzerdaten der russischen Bevölkerung als Eigentum des russischen Staates eingestuft werden. "Meine Meinung ist, dass diese Daten Eigentum des Staates sein sollten, weil diese Daten den Nutzern nicht gehören" , sagte Kaspersky. "Der Nutzer hat sie in den Informationsraum entlassen." Natalya Kaspersky ist leitend bei dem Projekt RuNet(öffnet im neuen Fenster) , womit eine abgeschottete nationale Internetstruktur für Russland angestrebt wird. Sie führt die Arbeitsgruppe Internet und Gesellschaft der Putin-Regierung.
Seit März 2022 ist nach Facebook auch der Kurznachrichtendienst Twitter in Russland blockiert. Auch der chinesische Videostreamingdienst Tiktok schränkte seinen Betrieb in Russland ein. Tiktok-Nutzer in Russland können nicht mehr live streamen und keine neuen Inhalte hochladen. Netflix hat sein Angebot in Russland gestoppt, weil das US-Unternehmen gezwungen werden sollte, zwanzig russische Kanäle zu verbreiten, die der Regierung verbunden sind.



