Digital souverän, weil Telekom?
Nur deshalb kann ein Höttges auch ignorieren, welchen Einfluss Überlegungen wie die derzeitigen rund um eine Übernahme der Deutschen Telekom durch die große Schwester T-Mobile US hätten. Zwar suchen Manager seiner Kategorie die großen Entscheidungen, die wegweisenden Schritte, die den betroffenen Konzern auf Jahre prägen.
Die Finanzplattform Financial Post nennt das "karriereprägende Deals" oder die "Herausforderung eines ganzen Lebens". Fast schon im Personenkult enden manche Beifallsbekundungen(öffnet im neuen Fenster):
"Auf der Jahreshauptversammlung des Unternehmens Anfang dieses Monats lobten einige Investoren Höttges dafür, dass er einen pragmatischen Mittelweg gefunden habe zwischen der Förderung internationaler Zusammenarbeit und dem Eintreten für europäische Souveränität, ohne dabei in Isolationismus zu verfallen – ein diplomatischer Schachzug, der sogar Fragen aufwarf, ob er eine Kandidatur für das Amt des deutschen Bundeskanzlers in Betracht ziehen würde."
Da bekommt jemand also Ovationen dafür, dass er öffentlich Souveränitätswashing betreibt. Angesichts der Gegensätze zwischen US-Gesetzen und EU-Richtlinien, angesichts der politisch in Minnesota, Grönland, Venezuela und Iran erkennbaren Verhaltensmuster wird gerade einer breiten Öffentlichkeit klar, dass eine klare Trennung zwischen US-Konzernen und europäischen Firmen die einzige Option für Unabhängigkeit, digitale Souveränität, Datenschutz und Sicherheit ist.
Zur Unzeit
Genau zu dieser Unzeit prescht Höttges vor und bringt internen Gerüchten zufolge eine Übernahme und Zusammenführung von T-Mobile US und der Telekom aufs Tapet. Eine Holding "im Ausland" solle die ungleichen Schwestern aufnehmen, von denen die kleinere die Mehrheit hält bei der deutlich wertvolleren.
Ein Börsengang in den USA und in Europa werde angestrebt, auch um den Branchenkonkurrenten in den USA etwas halbwegs gleich Großes entgegenzusetzen. Die Holding unterläge dann dem US Cloud Act sowie dem Patriot Act und wäre in etwa so unglaubwürdig wie die "souveränen" Angebote von SAP ("Delos"), Microsoft, Google oder Apple. Denn: All diese Konzerne müssten der NSA Einlass gewähren, wenn die es ersucht – ohne die betroffenen Kunden zu informieren, egal wo sie sitzen, wer das Rechenzentrum administriert oder wo es angesiedelt ist.
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