Fusionsgespräche: Orange und Vodafone wollten zusammengehen
Orange (France Telecom) und Vodafone haben über einen Zeitraum von sechs Monaten Fusionsgespräche geführt. Das berichtet BFM Business(öffnet im neuen Fenster) unter Berufung auf mehrere informierte Quellen. Verhandelt wurde auf höchster Ebene von Sommer 2020 bis Anfang 2021.
Beide Konzerne wurden jeweils mit 30 Milliarden Euro bewertet. Laut dem Bericht war eine "Ehe auf Augenhöhe" das Ziel gewesen, die die globalen Aktivitäten kombiniert, aber dies wurde von der französischen Regierung blockiert, die einen Anteil von 23 Prozent an Orange hält.
Orange-Chef Stéphane Richard soll das Scheitern der Verhandlungen sehr bedauert haben. Er strebte zusammen mit Vodafone ein Gegengewicht zur Deutschen Telekom an und wollte in einem gemeinsamen Konzern einen Jahresumsatz von 85 Milliarden Euro erwirtschaften. Laut BFM Business erwogen die beiden als Alternative auch Teilfusionen, einschließlich der Zusammenlegung ihrer afrikanischen Netze, weil ein Zusammengehen beider Konzerne auf zu viele Hindernisse stieß.
Orange, ehemals France Télécom, ist der größte Telekommunikationsbetreiber Frankreichs. Das Unternehmen war im Januar 2021 in Europa (Belgien, Luxemburg, Polen, Slowakei, Spanien, Moldawien, Réunion), im arabischen Raum (Jordanien, Ägypten, Marokko, Tunesien), in Afrika (Botswana, Kamerun, Zentralafrikanische Republik, Demokratische Republik Kongo, Guinea, Guinea-Bissau, Elfenbeinküste, Kenia, Liberia, Niger, Senegal, Sierra Leone) sowie in dem Inselstaat Madagaskar als Mobilfunkbetreiber aktiv.
Vodafone ist führend in acht englischsprachigen afrikanischen Ländern wie Südafrika, Kenia, Ghana, Libyen und Kamerun. Im Mittleren Osten ist Vodafone in Bahrain, Irak, Jordanien, Kuwait, Oman, Katar und den Vereinigte Arabische Emirate aktiv.
Der Orange-Chef hatte laut dem Bericht zwischen 2014 und 2016 mehrmals versucht, mit der Deutschen Telekom zusammenzugehen, als die beiden Konzerne noch ähnliche Börsenwerte hatten. Auch wenn die Fusion zwischen Vodafone und Orange bisher nicht erfolgreich war, ist ein Zusammengehen der europäischen Marktführer weiter aktuell. Vodafone-Konzernchef Nick Read rief in einem Interview mit der britischen Times erst Mitte November 2021 dazu auf, dass europäische Netzbetreiber enger zusammenarbeiten. "Der Sektor vernichtet Werte, indem man die Infrastruktur dupliziert. Wir müssen zu einem besseren Modell übergehen."
Telekom-Chef Tim Höttges, dessen Vorstandsposten verlängert werden könnte, will schon lange eine europäische Fusion, um gegen die USA zu bestehen. Höttges nannte eine Fusion mit der Telefónica aus Spanien oder Orange aus Frankreich im Dezember 2020 die Krönung seiner Konzernführung. Eine erfolgreiche Konsolidierung sei das, was er gern hinterlassen wolle. Im August 2020 sagte Höttges: Die Telekom habe sich "eine Ausgangssituation erarbeitet, um eine europäische Konsolidierung aktiv zu betreiben". Dafür müssten die politischen Rahmenbedingungen geschaffen werden.
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