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Fusionsenergie: Deutschland verteilt Forschungszentren für Kernfusion

Die Bundesregierung fördert die Fusionsforschung. Über das Land verteilt entstehen Hubs für Magnet- und Lasertechnologie sowie Materialien.
/ Nils Matthiesen
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Bundesforschungsministerin Dorothee Bär will mehr in Fusionsenergie investieren. (Bild: Sean Gallup/Getty Images)
Bundesforschungsministerin Dorothee Bär will mehr in Fusionsenergie investieren. Bild: Sean Gallup/Getty Images

Die Bundesregierung hat laut Handelsblatt(öffnet im neuen Fenster) Standorte für regionale Forschungszentren zur Erforschung der Fusionsenergie bekanntgegeben. Bundesforschungsministerin Dorothee Bär teilte demnach gemeinsam mit Vertretern der Bundesländer mit, wo die Hubs für die Fusion entstehen sollen.

Über regionale Cluster sind mehr als 30 Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und Unternehmen an dem Vorhaben beteiligt. Das Ziel ist die saubere Stromerzeugung nach dem Prinzip der Sonne durch die Verschmelzung leichter Atomkerne. Die USA und China führen den Bereich Fusionsenergie bisher an. Aus der mit 18 Milliarden Euro hinterlegten Hightech-Agenda sollen laut Bär künftig bis zu neun Milliarden Euro in die Technologie fließen. Der Bund erwartet, dass private Unternehmen nach der Anlaufphase den Großteil der Finanzierung übernehmen.

Magnetfusion, Lasertechnologie und Brennstoffe

Der erste Hub widmet sich der Forschung an der Kernfusion mittels Magnettechnologie. Dabei soll ein Betrieb mit Tritium als Brennstoff erprobt werden. Forschungsreaktoren stehen in Garching und Greifswald und werden vom Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) betrieben. Laut Informationen des Handelsblatts ist ein Hub in Bayern unter Leitung des IPP und des Start-ups Proxima Fusion vorgesehen, an dem auch Gauss Fusion beteiligt ist.

Der zweite Hub behandelt die Lasertechnologie bei der Kernfusion, in der Focused Energy und Marvel Fusion aktiv sind. In Biblis liegt die Leitung bei Focused Energy für industrielle Forschungsthemen. Ein weiterer Standort in Hamburg sowie Schleswig-Holstein befasst sich unter Marvel Fusion und dem European XFEL mit Laser-Targets. Dabei erforscht der Röntgenlaser European XFEL das Verhalten der Brennstoffkügelchen beim Beschuss. Auch die Universität Rostock und das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf forschen zur Laserfusion.

Der dritte Hub am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) konzentriert sich auf die Material- und Brennstoffforschung. Dabei müssen Materialien Temperaturen von über 100 Millionen Grad standhalten. Die Ansätze zum Brennstoffkreislauf befinden sich laut Bundesministerium noch "in einem Frühstadium".

Förderungen und wirtschaftliche Erwartungen

Branchenvertreter erwarten bis 2029 jeweils 600 Millionen Euro von der Bundesagentur für Sprunginnovationen für meilensteinbasierte Wettbewerbe sowie Mittel über die europäische IPCEI-Förderung. Im September können sich Fusionsunternehmen im Meilenstein-Programm für Fördergelder zum Bau eines Demonstrationskraftwerks bewerben. Pro Antriebsstrang wird ein Unternehmen gefördert. Mitte der 2030er Jahre will die Bundesregierung entscheiden, welcher Ansatz weiterverfolgt wird. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sagte dem Handelsblatt, er werde 400 Millionen Euro investieren, sollte sein Bundesland den Zuschlag erhalten.

Eine Studie der Wirtschaftsberatung Deloitte im Auftrag von Proxima Fusion ergibt, dass 80 Prozent der veranschlagten Projektkosten von 2,2 Milliarden Euro für ein Demonstrationskraftwerk laut dem Unternehmen "in deutsche und europäische Lieferketten" fließen werden. Bayern weist dabei ein Umsatzpotenzial von 800 Millionen Euro auf, Nordrhein-Westfalen 310 Millionen, Niedersachsen 270 Millionen und Baden-Württemberg 205 Millionen Euro.

Zudem sollen bis 2029 bis zu 5.100 Arbeitsplätze entstehen. Ein kommerzielles Kraftwerk soll laut Bär perspektivisch Strom zu "wettbewerbsfähigen Kosten von rund zwei bis neun Cent pro Kilowattstunde" produzieren. Im April startete das Ministerium zudem ein Outreach-Projekt, um die Technologie in Schulen, Sport- und Kulturstätten, Parks sowie der Gastronomie vorzustellen.

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