Funkzellen: Einschränkung im Mobilfunk bei Demos gegen AfD
Anders als bei geplanten Musik- und Sportereignissen hatten die Mobilfunknetze Probleme während der Proteste gegen Rechtsextremismus in den vergangenen Tagen. Sie waren "zu kurzfristig" für LTE und 5G.
Nach den Enthüllungen über ein Geheimtreffen bei Potsdam, wo Pläne zur Massendeportation von Migranten debattiert wurden, beteiligten sich in den vergangenen Tagen rund 1,5 Millionen Menschen an Protesten gegen die Gefahr des Faschismus. Golem.de erhielt viele Zuschriften, wonach das Versenden von Bildern und Videos im Mobilfunk oft Minuten und länger dauerte, weil die Funkzellen überlastet waren.
Mobilfunk-Techniker räumten in Gesprächen mit Golem.de ein, dass es bei großen Ereignissen kurzfristig zu Engpässen in den Mobilfunknetzen kommen könne. Anders als bei geplanten Events wie Oktoberfest, Fußball-EM 2024 oder Festivals habe es für die Betreiber im Vorfeld keinen Spielraum für eine Netzoptimierung gegeben. Zudem kamen wesentlich mehr Menschen auf engem Raum zusammen, als die Veranstalter erwartet hatten.
Die Auslastung des Netzes hängt dabei von vielen Faktoren ab: wie viel Spektrum an dem jeweiligen Mobilfunkstandort zur Verfügung steht, oder ob eher Sprache oder Daten genutzt werden. Wenn 5G auf dem Frequenzband 3,6 GHz ausgebaut ist und viele Menschen dies auf ihrem Endgerät und Tarif auch nutzen können, war das Ergebnis meist sehr gut.
5G-Beamforming sorgt zudem dafür, dass die Ressourcen der Funkzelle genau da zur Verfügung stehen, wo die größte Auslastung der Zelle bei der Demonstration stattfindet.
Wie viel Teilnehmer LTE und 5G-Funkzellen erlauben
Die Netzbetreiber verweigern hier klare Angaben: Die einzelnen LTE-Funkzellen haben einen Durchmesser von unter 100 Metern in Innenstädten bis zu mehreren Kilometern auf dem Land. Die Kapazität einer LTE-Funkzelle liegt je nach Ausrüster bei 200 bis zu 400 aktiven Teilnehmern. Das hängt aber stark von den Netzbetreibern ab und welche Kapazität sie den Antennenstandorten zuweisen. In Ballungsräumen werden zudem Small Cells mit einem geringen Radius eingesetzt, etwa in Straßenlaternen, ehemaligen Telefonzellen oder in Litfaßsäulen.
5G-Netze und ihre Funkzellen werden intelligent gesteuert, um bei hoher Auslastung eine Mindestversorgung sicherzustellen. Doch die Optimierungspunkte der Netzausrüster liegen nicht so sehr bei der Versorgung von Massendemonstrationen, sondern beim Regelbetrieb. Nach unbestätigten Informationen sind in 5G-Funkzellen rund 1.000 Teilnehmer möglich, ohne dass die Zelle wegen Überlast abschaltet.
Mobilfunk: Notrufe sind immer priorisiert
Für Notrufe gilt grundsätzlich eine Priorisierung in Mobilfunknetzen, unabhängig von der Technologie, sei es 2G, 4G oder 5GNR.
Telefónica-O2-Sprecher Florian Streicher sagte Golem.de: "Unser Netz stand in den Städten für die mobile Telefonie und Datennutzung zur Verfügung. Dafür bietet das Netz vor Ort umfassende Kapazitäten mit 2G, 4G und 5G. Aufgrund der großen Menschenmassen, die sich parallel an denselben Orten aufhielten, kann es mitunter jedoch zu Verzögerungen beziehungsweise Einschränkungen bei einzelnen Telefonaten oder beim Aufbau von Webseiten gekommen sein. Notrufe würden – wie gesetzlich vorgeschrieben – im Mobilfunknetz priorisiert."
Vodafone-Sprecher Helge Buchheister erklärte Golem.de: "Aufgrund der wirklich sehr vielen Menschen bei den Demo-Hotspots sind vereinzelte, leichte Einschränkungen nicht auszuschließen. Auch abseits der Demo-Hotspots haben wir Standorte, an denen sich zu bestimmten Zeiten einige hundert aktive Nutzer länger in einer Zelle aufhalten. Das ist kein Problem, denn wir sorgen für ausreichend Kapazität und erkennen ja auch schon im Vorfeld, wo Engpässe entstehen könnten." Bei vielen Baumaßnahmen stehe neben der Verdichtung auch der Kapazitätsausbau im Fokus. Im 5G-Netz könnten mehr Nutzer in einer Zelle sein als im LTE-Netz. "Dies gilt vor allem für 5G SA. Bei 5G DSS ist dies der Fall, wenn die DSS-Frequenz ausschließlich für 5G Standalone genutzt wird", sagte er.
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Unterschiedlich. Das wäre genauso, wie wenn du fragst, wie viele Autos durch eine Stadt...
Ja, das ist richtig. Aber fuer eine Demo? Die muss auch rechtzeitig angemeldet sein. So...
Schon lustig, wenn man das so betrachtet. Hier versagt einfach die Telekom/Vodafone/O2...
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