Empfang nur am Misthaufen

Der Rentner Rudi Langner aus Hadamar-Niederzeuzheim in Hessen gehört ebenfalls zu den Leidtragenden: "Dieser Brunnen hier ist die Grenze: Oberhalb davon hast du Empfang, 10 Meter unterhalb nicht mehr", veranschaulichte er den Berichterstattern sein Funklochproblem. "Ich bin gehbehindert, habe Multiple Sklerose. Was ist, wenn ich mal hinfalle, mich nicht mehr rühren kann? Dann habe ich ein Handy in der Tasche, kann aber niemanden rufen, der mir hilft."

Der NDR wiederum führt den Ort Lüsche in Niedersachsen an, wo 2.000 Einwohner in einem "unterversorgten Bereich" ihr Dasein fristeten und der Landwirt allenfalls mit etwas Glück manchmal auf der Rampe neben dem Misthaufen mobil telefonieren könne. Der Weiler sei zu klein und unattraktiv für die Betreiber, ist zu hören. Auch Sögel im Emsland sei betroffen.

Für Brandenburg und Berlin haben Nutzer einer Website, die die oppositionelle CDU aufgesetzt hat, über eine interaktive Karte gleich "23.237 Funklöcher" gemeldet. Rote Flächen überziehen große Teile des Geländes und verweisen auf "weiße Flecken" in der Mobilfunkversorgung. Bei Potsdam fangen die Problemzonen gleich im Düppeler Forst an und ziehen sich rund um manche nahe Seenplatte, bei Rathenow und dem benachbarten Premnitz sehen die entnervten Nutzer schier nur rot. In Berlin erstreckt sich laut dem Plan eine Funklochstrecke vom Hauptbahnhof entlang der Bahntrasse bis nach Spandau, entlang der Avus sieht es nicht viel besser aus.

Problemzone Brandenburg

"Das Mobilfunknetz in Brandenburg weist seit Jahren erhebliche Lücken auf", moniert die CDU. Gerade im ländlichen Raum machten zahlreiche weiße Flecken die Nutzung von Onlinediensten per Smartphone und selbst das Telefonieren unmöglich. Dabei gehöre ein guter Handyempfang in der heutigen Zeit ebenso wie das mobile Internet zur Daseinsvorsorge. Die Landesregierung rede das Problem klein, solle mit den Einträgen auf der Karte aber nun zum Handeln gezwungen werden.

Ganz in diesem Sinne berichtet auch der Tagesspiegel über Funklochdramen aus der Mark, die "in Notfällen lebensgefährlich sein" könnten. In einer Anhörung im brandenburgischen Landtag habe das Amt Rhinow im Havelland etwa bekanntgegeben, dass voriges Jahr in Strodehne bei Schachtarbeiten der Versuch gescheitert sei, ein Foto eines potenziellen Blindgängers per Smartphone an den Munitionsbergungsdienst zu schicken. Zudem seien bei einem Alarm Feuerwehrleute in Wolsier und Kleßen-Görne "über die unterstützende Handyalarmierung nicht erreicht" worden. Eine Autofahrerin habe ferner bei Ohnewitz keinen Notruf zu einem brennenden Auto mit einer darin sitzenden Person absetzen können, "weil keine Mobilfunkabdeckung besteht".

Für einen Notruf über die 112 ist das Handy nicht an ein spezielles Netz gebunden. Lässt sich über den eigenen Anbieter keine Verbindung zur Sendestation herstellen, prüft es automatisch, ob ein Mast eines anderen Betreibers erreichbar ist. Selbst dies ist aber noch nicht überall in Deutschland der Fall.

Vor allem Kleßen-Görne hat es damit bereits zu einer gewissen Berühmtheit gebracht und wird in der Presse immer wieder genannt. Die Gemeinde liegt in einer Senke, über die Mobilfunksignale weitgehend einfach hinwegstrahlen. Ein eigener Funkmast vor Ort würde etwa 200.000 Euro kosten, also 571,43 Euro pro Einwohner, ist zu vernehmen. Eine lohnenswerte Investition sieht aus Sicht der Betreiber anders aus. Die Telekom hat aber angekündigt, das Problem bis 2020 zu beseitigen. Bis dahin hilft es den Bewohnern allenfalls, sich im Garten auf eine Leiter zu stellen oder auf einen Baum zu klettern, um die ein oder andere Funkwelle mit dem Handy zu erhaschen.

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 Funkloch-Report: Was Betreiber und Politik gegen Mobilfunk-Lücken tun wollenGSM nahezu flächendeckend, LTE schwächelt noch 
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Bachsau 18. Jun 2018

Immer mehr Frequenzen werden mit Mobilfunk zugekleistert, anstatt dass man die alten...

EMP 16. Mai 2018

Erstaunlich aber jetzt tut sich doch langsam was. Kaum hat Vodafone den Ausbauzeitraum...

Anonymer Nutzer 30. Apr 2018

Problem gelöst. Wie kann man sich nur so anstellen.

Gandalf2210 28. Apr 2018

Selbst die Salzburger halten ihr Milliwatt nicht ein. Die Zukunft wird strahlend



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