Full Throttle: Der Rocker-Rebell unter den Adventures

Lucas Arts lieferte in den 80er- und 90er-Jahren ein Top-Adventure nach dem anderen ab. Full Throttle von 1995 war da eher ein Außenseiter. Zu Unrecht, wie Golem.de beim Wiederspielen festgestellt hat.

Ein Erfahrungsbericht von Benedikt Plass-Fleßenkämper veröffentlicht am
Ben Throttle (links) ist der Protagonist des Spiels.
Ben Throttle (links) ist der Protagonist des Spiels. (Bild: Lucas Arts / Screenshot: Medienagentur plassma)

Heute führen Point-and-Click-Adventures ein Nischendasein, doch einst zählten sie zu den begehrtesten PC-Spielen. Ihre Beliebtheit war vor allem in den frühen 1990er Jahren hoch. Das lag vornehmlich an zwei US-Studios: Sierra On-Line und Lucas Arts.

Inhalt:
  1. Full Throttle: Der Rocker-Rebell unter den Adventures
  2. Ein Adventure mit einem ungewohnt rauen Tonfall
  3. In Full Throttle wird heftig geprügelt

Während Sierra zahlreiche mehrteilige Adventure-Kultserien von King's Quest über Leisure Suit Larry bis zu Gabriel Knight etablierte, konzentrierte sich Lucas Arts auf durchschnittlich einen Genrevertreter pro Jahr und strebte bei seinen Veröffentlichungen Perfektion an. Das zahlte sich aus: Lucas-Arts-Werke glänzten mit liebevoller Präsentation, zwerchfellerschütterndem Humor und sagenhaft cleverem Rätseldesign.

Auch ich war damals hin und weg von Hits wie Maniac Mansion (1987), Indiana Jones and the Last Crusade (1989), The Secret of Monkey Island (1990) oder Indiana Jones and the Fate of Atlantis (1992). Mir war allerdings nicht klar, dass sich am Adventure-Horizont eine große Krise anbahnte: So qualitativ hochwertig die Spiele von Lucas Arts auch waren, so reichten sie meist nicht an den kommerziellen Erfolg der Titel von Sierra On-Line heran.

Zudem wuchs dank der noch jungen CD-ROM-Technologie das Interesse an abstrakten 3D-Abenteuern wie Myst oder aufwendigen, mit realen Schauspielern produzierten Interactive Movies à la Quantum Gate (beide 1993 veröffentlicht). Nicht zuletzt wurden die Spieler langsam müde, aufgrund komplexer Rätsel stundenlang an einer Stelle festzuhängen.

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Also wollte Lucas Arts weg von vertrackten Puzzles und hin zu einer Spielerfahrung, die mehr zum Mainstream passte. Regisseur Tim Schafer, der zuvor mit Day of the Tentacle (1993) eines der besten PC-Spiele aller Zeiten abgeliefert hatte, bekam den Zuschlag, diese Kehrtwende mit seinem Biker-Adventure Full Throttle (deutscher Titel: Vollgas) einzuläuten.

Ich war bereits im Alter von 18 Jahren ein aufgeschlossener junger Mann, der Neuerungen oder Veränderungen zu schätzen wusste - solange sie mir sinnvoll erschienen. Full Throttle schlug bei seiner Veröffentlichung im Jahr 1995 bei mir zwar nicht auf die gleiche Weise ein wie die legendären Lucas-Arts-Abenteuer um Guybrush Threepwood oder Indiana Jones. Es blieb mir jedoch gut in Erinnerung. Mein damaliges Fazit: hübsch, kurz und unglaublich atmosphärisch.

  • Ben und die Polecats geben Gas: Das Intro von Full Throttle führt den Spieler gebührend in die Welt knallharter Bikergangs ein. (Bild: Lucas Arts / Screenshot: Medienagentur plassma)
  • Eine weitere Szene aus dem famosen Intro: Diese Figur, die in wenigen Sekunden von Bens Motorrad zerschmettert werden wird, ist ein Abbild von Full-Throttle-Director Tim Schafer. (Bild: Lucas Arts/Screenshot: Medienagentur plassma)
  • Adrian Ripburgers größenwahnsinniger Plan lässt das Blut aller Biker gefrieren: Geht es nach ihm, dann wird Corley Motors künftig nur noch Minivans herstellen! (Bild: Lucas Arts / Screenshot: Medienagentur plassma)
  • Die Kämpfe sind der größte Schwachpunkt des Spiels, müssen glücklicherweise aber nur selten absolviert werden. (Bild: Lucas Arts / Screenshot: Medienagentur plassma)
  • Der alte Malcolm Corley fühlt sich sichtlich wohl in der Gesellschaft des raubeinigen Bikers Ben Throttle, dem Protagonisten des Adventures. (Bild: Lucas Arts / Screenshot: Medienagentur plassma)
  • Der Barkeeper ist wenig erfreut über unsere "liebenswürdige" Art, ihn zur Kooperation zu bewegen. (Bild: Lucas Arts / Screenshot: Medienagentur plassma)
  • Im Schutz der Nacht dringen wir in einen Schrottplatz ein, indem wir die Kette zum Öffnen des Haupttors als Kletterseil missbrauchen. (Bild: Lucas Arts / Screenshot: Medienagentur plassma)
  • Auch in der Urversion von Full Throttle sieht die pixelige Grafik äußerst schick aus und erinnert mehr an einen animierten Trickfilm als an ein typisches Computerspiel aus dem Jahr 1995. Sie lässt sich in der Remastered-Fassung jederzeit auf Tastendruck aktivieren. (Bild: Lucas Arts / Screenshot: Medienagentur plassma)
  • Mechanikerin Maureen bietet sich freiwillig an, unser demoliertes Bike zu reparieren. (Bild: Lucas Arts / Screenshot: Medienagentur plassma)
  • Nach dieser heftigen Explosion ist die einzige Brücke zur Überquerung der Schlucht dahin. (Bild: Lucas Arts / Screenshot: Medienagentur plassma)
Ben und die Polecats geben Gas: Das Intro von Full Throttle führt den Spieler gebührend in die Welt knallharter Bikergangs ein. (Bild: Lucas Arts / Screenshot: Medienagentur plassma)

25 Jahre später will ich Full Throttle erneut spielen. Das ist zum Glück kein Problem, denn Schafers aktuelles Studio Double Fine Productions hat den Klassiker technisch modernisiert und in Form einer gelungenen Remastered-Version für die aktuelle Konsolengeneration sowie den PC veröffentlicht.

Ich entscheide mich für die PC-Fassung, die es unter anderem bei GOG.com und Steam gibt. Weil die Grafik des Spiels bereits 1995 an einen animierten Comic erinnerte, sehen die höhere Auflösung und die feineren Konturen der Neuauflage vorzüglich aus. Gleichzeitig bleiben die Faszination der guten alten Zeit und somit das Retro-Feeling erhalten. Wenn ich will, kann ich jederzeit via Tastendruck auf die Originalgrafik umschalten.

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Ein Adventure mit einem ungewohnt rauen Tonfall 
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Schroeffu 06. Mai 2020

Konnte man nicht durch hochdrehen des Gamma Werts die Umrisse der geheimen Tür sichtbar...

schueppi 06. Mai 2020

Vollgas habe ich vor 6 oder 7 Jahren mal mit meiner Frau durchgespielt. Eben in dem...


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