In Full Throttle wird heftig geprügelt

Leider kann das Adventure das hohe Niveau nicht die komplette Spieldauer über halten. Der erste Story-Schluckauf beginnt, nachdem mein Bike repariert ist, ich meine Gang-Kollegen eingeholt habe und über den von Ripburger niedergeschlagenen Corley stolpere. Der verrät mir mit seinen letzten Atemzügen, dass ich seine Tochter finden müsse - bei der es sich zufälligerweise um Maureen handelt! Ach, was ist die Welt klein ...

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Noch etwas später lerne ich weitere Motorradgangs kennen, darunter die gemeingefährlichen Cavefishs. Sie sprengen unglücklicherweise die einzige Brücke weit und breit, die mich eigentlich über eine tiefe Schlucht führen sollte. Weil ich sie trotzdem irgendwie überqueren muss, benötige ich eine Rampe und ein weiter aufgemotztes Bike.

Ab diesem Zeitpunkt wird Full Throttle richtig fummelig, denn Tim Schafer und seinem Team gingen hier offenbar plötzlich die Rätselideen aus: Ich muss mehrfach über eine verwinkelte Seitenstraße fahren und stoße dabei immer wieder auf andere Biker, die Ben größtenteils feindlich gesinnt sind.

Die meisten wollen mich verprügeln oder mit Tricks wie leckendem Öl von der Straße drängen. Schaffe ich es hingegen, mein Gegenüber mit purer Schlaggewalt vom Bike zu fegen, ergattere ich sein Verteidigungswerkzeug - etwa eine Eisenkette oder ein Holzbrett.

  • Ben und die Polecats geben Gas: Das Intro von Full Throttle führt den Spieler gebührend in die Welt knallharter Bikergangs ein. (Bild: Lucas Arts / Screenshot: Medienagentur plassma)
  • Eine weitere Szene aus dem famosen Intro: Diese Figur, die in wenigen Sekunden von Bens Motorrad zerschmettert werden wird, ist ein Abbild von Full-Throttle-Director Tim Schafer. (Bild: Lucas Arts/Screenshot: Medienagentur plassma)
  • Adrian Ripburgers größenwahnsinniger Plan lässt das Blut aller Biker gefrieren: Geht es nach ihm, dann wird Corley Motors künftig nur noch Minivans herstellen! (Bild: Lucas Arts / Screenshot: Medienagentur plassma)
  • Die Kämpfe sind der größte Schwachpunkt des Spiels, müssen glücklicherweise aber nur selten absolviert werden. (Bild: Lucas Arts / Screenshot: Medienagentur plassma)
  • Der alte Malcolm Corley fühlt sich sichtlich wohl in der Gesellschaft des raubeinigen Bikers Ben Throttle, dem Protagonisten des Adventures. (Bild: Lucas Arts / Screenshot: Medienagentur plassma)
  • Der Barkeeper ist wenig erfreut über unsere "liebenswürdige" Art, ihn zur Kooperation zu bewegen. (Bild: Lucas Arts / Screenshot: Medienagentur plassma)
  • Im Schutz der Nacht dringen wir in einen Schrottplatz ein, indem wir die Kette zum Öffnen des Haupttors als Kletterseil missbrauchen. (Bild: Lucas Arts / Screenshot: Medienagentur plassma)
  • Auch in der Urversion von Full Throttle sieht die pixelige Grafik äußerst schick aus und erinnert mehr an einen animierten Trickfilm als an ein typisches Computerspiel aus dem Jahr 1995. Sie lässt sich in der Remastered-Fassung jederzeit auf Tastendruck aktivieren. (Bild: Lucas Arts / Screenshot: Medienagentur plassma)
  • Mechanikerin Maureen bietet sich freiwillig an, unser demoliertes Bike zu reparieren. (Bild: Lucas Arts / Screenshot: Medienagentur plassma)
  • Nach dieser heftigen Explosion ist die einzige Brücke zur Überquerung der Schlucht dahin. (Bild: Lucas Arts / Screenshot: Medienagentur plassma)
Die Kämpfe sind der größte Schwachpunkt des Spiels, müssen glücklicherweise aber nur selten absolviert werden. (Bild: Lucas Arts / Screenshot: Medienagentur plassma)
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Das Ganze macht nur bedingt Spaß: Zum einen sind die Kämpfe recht stupide und wirken alles andere als dynamisch. Zum anderen benötige ich bei einigen Kontrahenten ein ganz bestimmtes "Gegenmittel", ohne vom Spiel irgendwelche Tipps zu erhalten. Somit verkommt manche Passage zu einer Trial-and-Error-Orgie.

Showdown mit Ripburger im Schnelldurchlauf

Ist die Brücke überquert, werden Spiel und Story wieder besser und gleichzeitig ein ganzes Stückchen holpriger. Ich entschärfe ein Minenfeld mit hoppelnden Spielzeughasen, um zu Maureens Bikergang vorzudringen. Danach täusche ich Maureens Tod bei einer Destruction-Derby-Veranstaltung vor, um Ripburger in die Irre zu führen.

Während dieser das Meeting mit den Aktionären abhält, schmuggele ich die Fotos der Reporterin ein, die zufälligerweise den Mord an Corley abgelichtet hat. Am Ende kommt es zu einem turbulenten Showdown gegen Ripburger, den der Schurke freilich mit dem Leben bezahlt.

All das geschieht innerhalb einer Spielstunde. Jedes Event beschränkt sich auf zwei bis drei zu besuchende Orte und eine Handvoll Objekte, mit denen ich hantieren muss. Die Rätsel bleiben entweder sehr offensichtlich oder sind bewusst auf wildes Ausprobieren ausgelegt. Dann ist plötzlich alles vorbei.

Das ist auch die größte Schwachstelle von Full Throttle: Das Abenteuer ist viel zu kurz. Laut meinen Aufzeichnungen habe ich insgesamt zweieinhalb Stunden benötigt. Fairerweise sei gesagt, dass ich mich an einen Großteil der Rätsel noch erinnern konnte. Doch selbst 1995 benötigte ich kaum mehr als fünf oder sechs Stunden.

Es gibt nichts Vergleichbares

Aus heutiger Sicht hat Full Throttle damit sogar einen Vorteil, denn kurze Spiele sind beliebt. Double Fine Productions verlangt für die Remastered-Version günstige 15 Euro. Auch der im Vergleich zu nahezu allen anderen Lucas-Arts-Adventures reduzierte Anspruch passt besser ins Jahr 2020 als ins Jahr 1995. Manche Rätsel dürften modernen Spielern fast schon zu knifflig erscheinen.

  • Ben und die Polecats geben Gas: Das Intro von Full Throttle führt den Spieler gebührend in die Welt knallharter Bikergangs ein. (Bild: Lucas Arts / Screenshot: Medienagentur plassma)
  • Eine weitere Szene aus dem famosen Intro: Diese Figur, die in wenigen Sekunden von Bens Motorrad zerschmettert werden wird, ist ein Abbild von Full-Throttle-Director Tim Schafer. (Bild: Lucas Arts/Screenshot: Medienagentur plassma)
  • Adrian Ripburgers größenwahnsinniger Plan lässt das Blut aller Biker gefrieren: Geht es nach ihm, dann wird Corley Motors künftig nur noch Minivans herstellen! (Bild: Lucas Arts / Screenshot: Medienagentur plassma)
  • Die Kämpfe sind der größte Schwachpunkt des Spiels, müssen glücklicherweise aber nur selten absolviert werden. (Bild: Lucas Arts / Screenshot: Medienagentur plassma)
  • Der alte Malcolm Corley fühlt sich sichtlich wohl in der Gesellschaft des raubeinigen Bikers Ben Throttle, dem Protagonisten des Adventures. (Bild: Lucas Arts / Screenshot: Medienagentur plassma)
  • Der Barkeeper ist wenig erfreut über unsere "liebenswürdige" Art, ihn zur Kooperation zu bewegen. (Bild: Lucas Arts / Screenshot: Medienagentur plassma)
  • Im Schutz der Nacht dringen wir in einen Schrottplatz ein, indem wir die Kette zum Öffnen des Haupttors als Kletterseil missbrauchen. (Bild: Lucas Arts / Screenshot: Medienagentur plassma)
  • Auch in der Urversion von Full Throttle sieht die pixelige Grafik äußerst schick aus und erinnert mehr an einen animierten Trickfilm als an ein typisches Computerspiel aus dem Jahr 1995. Sie lässt sich in der Remastered-Fassung jederzeit auf Tastendruck aktivieren. (Bild: Lucas Arts / Screenshot: Medienagentur plassma)
  • Mechanikerin Maureen bietet sich freiwillig an, unser demoliertes Bike zu reparieren. (Bild: Lucas Arts / Screenshot: Medienagentur plassma)
  • Nach dieser heftigen Explosion ist die einzige Brücke zur Überquerung der Schlucht dahin. (Bild: Lucas Arts / Screenshot: Medienagentur plassma)
Auch in der Urversion von Full Throttle sieht die pixelige Grafik äußerst schick aus und erinnert mehr an einen animierten Trickfilm als an ein typisches Computerspiel aus dem Jahr 1995. Sie lässt sich in der Remastered-Fassung jederzeit auf Tastendruck aktivieren. (Bild: Lucas Arts / Screenshot: Medienagentur plassma)

Schlecht gealtert ist der Klassiker hinsichtlich der Art der Erzählung: Es gibt so gut wie keine Charakterentwicklung, viele Ereignisse wirken konstruiert. Hier merke ich deutlich, dass Full Throttle der naiven Weltsicht der 1990er-Jahre entstammt. Damals arbeiteten die meisten Macher von Filmen, Serien und eben auch Spielen mit einem klaren Gut-Böse-Weltbild.

Nichtsdestotrotz ist da diese unnachahmliche Atmosphäre, die klarmacht: Dieses Adventure ist einmalig. Auch die Kooperation mit The Gone Jackals ist bemerkenswert. Alles, was in Full Throttle zu hören ist, wurde für das Spiel komponiert. So hat der - seinerzeit in Form des CD-Albums Bone to Pick separat erhältliche - Soundtrack immer einen direkten Bezug zur Geschichte.

Trotz aller Schwächen ist Full Throttle ein weiterer würdiger Vertreter des fantastischen Lucas-Arts-Adventure-Kanons. Vor allem ist es ein großartiger Mix aus klassischem Adventure und Interactive Movie. Daran sollten sich heutige Spielentwickler ruhig ein Beispiel nehmen; eine derart gelungene Mischung ist selten.

Full Throttle war ein ungewöhnlich großer kommerzieller Erfolg für Lucas Arts. Es soll das erste Adventure der Firma gewesen sein, das weltweit über eine Million verkaufte Einheiten erzielte - und damit fast das Zehnfache eines Monkey-Island-Teils. Gerettet hat es das Point-and-Click-Genre nicht. Es zu spielen, lohnt sich aber auch heute noch.

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 Ein Adventure mit einem ungewohnt rauen Tonfall
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