Abo
  • Services:

Fukushima-Kernschmelze: Die Technik tat genau, was sie sollte

Am 11. März 2011 löste ein Tsunami im japanischen Atomkraftwerk Fukushima Daiichi eine Kernschmelze aus - und die Technik reagierte wie geplant. Nur waren die Pläne nicht besonders gut, obwohl es Gesetzgeber und Behörden hätten besser wissen müssen.

Artikel von veröffentlicht am
Ein Mitarbeiter mit Schutzkleidung vor dem zerstörten Block 1 des Atomkraftwerks Fukushima
Ein Mitarbeiter mit Schutzkleidung vor dem zerstörten Block 1 des Atomkraftwerks Fukushima (Bild: Toru Hanai/ Reuters)

Kein Tsunami sollte dazu führen, dass es in einem modernen Kernkraftwerk zu einer Kernschmelze kommt. Und keine Kernschmelze sollte in einem modernen Kernkraftwerk dazu führen, dass ganze Landstriche stark radioaktiv belastet werden. Dennoch ist beides im japanischen Fukushima passiert: Im Jahr 2011 traf einer der größten Tsunamis der vergangenen Jahrhunderte auf Jahrzehnte alte US-Sicherheitsstandards. Die Sicherheitstechnik funktionierte wie vorgesehen - auf dem Niveau der 1960er Jahre, dem Tiefpunkt der Gesetzgebung in der Kerntechnik.

Anders als in Ländern wie Schweden, Deutschland und Frankreich war die Sicherheit japanischer Kernkraftwerke über Jahrzehnte vernachlässigt und in den 40 Jahren nach der Fertigstellung kaum verbessert worden. Schon lange vorher waren die Konsequenzen einer Überschwemmung von Kernkraftwerken der Bauart der Anlage in Fukushima Daiichi im Detail vorhergesagt worden: Alle in diesem Artikel verlinkten Dokumente stammen aus öffentlich und kostenfrei einsehbaren Berichten, die bereits vor dem Jahr des Unfalls veröffentlicht wurden - natürlich abgesehen von den Unfallberichten selbst.

Als am 11. März 2011 erst ein schweres Seebeben der Stärke 9 die Region erschütterte und dann der davon ausgelöste Tsunami das Kraftwerk traf, standen die ersten Blöcke kurz vor der geplanten Abschaltung. Die 14 Meter hohe Welle überschwemmte das Kraftwerk, das nicht ausreichend durch Tsunami-Mauern geschützt nah an der Küste steht. In der Folge fiel der Strom aus und mit ihm die Kühlung der drei Reaktoren, die zu dem Zeitpunkt in Betrieb waren. Der Ausfall der Kühlung führte schließlich zur Kernschmelze. Der Unfall wurde auf der siebenstufigen Ines-Skala (Internationale Bewertungsskala für nukleare Ereignisse) mit der höchsten Stufe 7 bewertet. Rund 100.000 Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden, das Gebiet um das Kraftwerk ist bis heute strahlenbelastete Sperrzone.

Kein Mensch soll sterben

Im Jahr 1967 war in Japan der Beschluss gefasst worden, ein Kernkraftwerk in der Provinz Fukushima zu bauen. Die Technik war neu und kam aus den USA. Sie versprach beim Wiederaufbau Japans nach dem zweiten Weltkrieg Unabhängigkeit von Öl und Kohle - Rohstoffe, die Japan zuvor aus den eroberten und annektierten Gebieten des Japanischen Kolonialreichs in Korea und China bezogen hatte.

Stellenmarkt
  1. über duerenhoff GmbH, Raum Frankfurt
  2. Deutsche Bundesbank, Frankfurt am Main

Die ersten beiden Kraftwerksblöcke von Fukushima Daiichi wurden von General Electric gebaut. Der US-Konzern lieferte Komponenten, Technik und Know-how nach den US-Sicherheitsrichtlinien dieser Zeit. Kernstück waren Siedewasserreaktoren der Typen BWR-3 und BWR-4 mit genug Leistung, um 440 beziehungsweise 760 Megawatt Strom zu erzeugen. Drei Kopien des zweiten Blocks folgten: Block 3 und 5 gebaut von Toshiba, Block 4 von Hitachi.

Die Technik stammte aus den USA und erfüllte damit die US-Sicherheitsvorgaben, die im Laufe der 1960er Jahre entwickelt worden waren. Die wichtigste gesetzliche Vorgabe war, dass es auf keinen Fall zu Todesopfern außerhalb des Kraftwerks kommen dürfe, auch nicht beim schwerstmöglichen Unfall. Um das zu gewährleisten, musste das in Sicherheit bringen der Bevölkerung garantiert sein. Das steht etwa im Gegensatz zu sowjetischen Kernreaktoren, für die keine dieser Regeln galten, mit tragischen Konsequenzen im Kernkraftwerk Tschernobyl. Es wurde nach den US-Vorgaben allerdings als akzeptabel angesehen, dass es bei sehr schweren Unfällen zu einem gewissen Maß von radioaktiver Kontaminierung der Umgebung käme - vielleicht aufgrund der geringen Bevölkerungsdichte rund um Standorte von Kernkraftwerken in den USA.

Fukushima war nicht auf Tsunamis ausgelegt 
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5.  


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 14,99€
  2. 59,99€
  3. 1,25€
  4. (-50%) 29,99€

osolemio84 22. Mär 2018

Weitere Zugewinne bei der Aerodynamik sind vor allem über den Unterboden möglich und...

osolemio84 18. Mär 2018

Dasselbe kann ich von Dir leider nicht behaupten. Seriously? Nimmst du immer die Quelle...

osolemio84 18. Mär 2018

Widerlegt hast du überhaupt gar nichts, noch nicht einmal in deinen feuchten Träumen...

bk78 15. Mär 2018

Nein, diese Frage lässt sich so NICHT beantworten. Schließlich sind beispielsweise auch...

osolemio84 13. Mär 2018

Die gesamte in Deutschland installierte Windkraftleistung ließe sich bei aktuellen...


Folgen Sie uns
       


Bionic Wheel Bot von Festo angesehen und Interview

Gehen oder rollen? Der Bionic Wheel Bot von Festo ist nach dem Vorbild einer Spinne konstruiert, die normalerweise läuft. Hat sie es eilig, etwa um sich vor Feinden in Sicherheit zu bringen, formt sie aus ihren Beinen Räder und rollt davon.

Bionic Wheel Bot von Festo angesehen und Interview Video aufrufen
Projektoren im Vergleichstest: 4K-Beamer für unter 2K Euro
Projektoren im Vergleichstest
4K-Beamer für unter 2K Euro

Bildschirme mit UHD- und 4K-Auflösung sind in den vergangenen Jahren immer preiswerter geworden. Seit 2017 gibt es den Trend zu hoher Pixelzahl und niedrigem Preis auch bei Projektoren. Wir haben vier von ihnen getestet und stellen am Ende die Sinnfrage.
Ein Test von Martin Wolf

  1. Sony MP-CD1 Taschenbeamer mit Akku und USB-C-Stromversorgung
  2. Mirraviz Multiview Splitscreen-Games spielen ohne die Möglichkeit, zu schummeln
  3. Sony LSPX-A1 30.000-Dollar-Beamer strahlt 80 Zoll aus 0 cm Entfernung

Wonder Workshop Cue im Test: Der Spielzeugroboter kommt ins Flegelalter
Wonder Workshop Cue im Test
Der Spielzeugroboter kommt ins Flegelalter

Bislang herrschte vor allem ein Niedlichkeitswettbewerb zwischen populären Spiel- und Lernrobotern für Kinder, jetzt durchbricht ein Roboter für jüngere Teenager das Schema nicht nur optisch: Cue fällt auch durch ein eher loseres Mundwerk auf.
Ein Test von Alexander Merz


    Noctua NF-A12x25 im Test: Spaltlos lautlos
    Noctua NF-A12x25 im Test
    Spaltlos lautlos

    Der NF-A12x25 ist ein 120-mm-Lüfter von Noctua, der zwischen Impeller und Rahmen gerade mal einen halben Millimeter Abstand hat. Er ist überraschend leise - und das, obwohl er gut kühlt.
    Ein Test von Marc Sauter

    1. NF-A12x25 Noctua veröffentlicht fast spaltlosen 120-mm-Lüfter
    2. Lüfter Noctua kann auch in Schwarz
    3. NH-L9a-AM4 und NH-L12S Noctua bringt Mini-ITX-Kühler für Ryzen

      •  /