Wasserstoffexplosionen lassen sich verhindern

Um solche Explosionen zu verhindern, wurden sowohl in den USA als auch in Japan nach 1989 Druckleitungen in solchen Containments eingebaut, die es kontrolliert direkt nach außen entlüften können - eine Reaktion auf den Tschernobyl-Unfall von 1986. Entgegen der Empfehlungen von mehreren Untersuchungskommissionen wurden diese Leitungen aber nie mit Filtersystemen ausgestattet, was nur etwa 5 Millionen US-Dollar pro Containment einsparte, und auch nicht mit der Möglichkeit versehen, sie vom Kontrollraum aus per Hand - ohne Stromversorgung - zu öffnen.

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Auch zusätzliche Systeme zur Kontrolle der Wasserstofffreisetzung wurden abgelehnt, wie die US-Regulierungsbehörde selbst schreibt. In Fukushima Daiichi war die Öffnung des Ventils ohne das Filtersystem wegen der damit ausgelösten radioaktiven Kontamination schwierig zu verantworten, aber wegen des vollständigen Stromausfalls letztlich ohnehin unmöglich.

Die Filtersysteme, die in den USA und Japan nicht eingebaut wurden, stammen aus Schweden. Dort wurden sie in ähnlich gebauten Containments von Siedewasserreaktoren bereits im Jahr 1980 zur Vorschrift, erst 1988 auch in Deutschland. Der Anlass dafür waren die Unfälle von Three Mile Island (1979) und Tschernobyl (1986). Verbunden mit dem Filtersystem sind dort auch Katalysatoren, die den Wasserstoffanteil kontrolliert verbrennen können. Entsprechende Systeme wurden auf einer Konferenz in Paris 1988 vorgestellt. Auch eine japanische Delegation war anwesend. Nach der Konferenz wurden die Delegationen um Statements gebeten. Aus Japan stammt das kürzeste Statement: "Im Moment gibt es keine Entscheidung [bezüglich solcher Filtersysteme]".

Die in Deutschland und Schweden benutzten Filtersysteme sind dafür ausgelegt, das radioaktive Cäsium zu 99,99 Prozent auszufiltern. Ihre Funktion kann dabei auch mit normalem Cäsium getestet werden. In der Gegend um Fukushima Daiichi ist fast ausschließlich Cäsium für die radioaktive Kontamination verantwortlich. Ganz abgesehen davon, dass durch die bessere Kontrolle des Wasserstoffs die restlichen Strukturen des Kraftwerks wohl intakt geblieben und nicht durch Explosionen beschädigt oder zerstört worden wären.

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Das Sicherheitskonzept von Fukushima Daiichi versagte auf mehreren Ebenen. Der Standort des Kraftwerks war nicht gegen größere Tsunamis geschützt. Die Reaktorblöcke selbst, oder zumindest deren Notfallsysteme, waren nicht gegen die Auswirkungen von Überschwemmungen geschützt. Das Containment wurde nicht für den Fall einer Kernschmelze ausgelegt, weil das die Sicherheitsrichtlinien nicht verlangten. Wäre nur ein beliebiger dieser drei Punkte erfüllt gewesen, wäre die Kontaminierung der Umgebung vermieden worden.

Neuere Kraftwerke können ohne Stromversorgung gekühlt werden

International ging die Entwicklung von Kernkraftwerken schon vor 2011 in Richtung passiver Notfallkühlung, die ohne Stromversorgung funktioniert. Ein solcher Entwurf des US-Konzerns Westinghouse, der AP-1000, wurde im Jahr 2006 zur Genehmigung beantragt und im September 2011 angenommen. Der Entwurf verzichtet aber auf viele bewährte Sicherheitssysteme. Er enthält beispielsweise nur einen Notstromgenerator und sieht auch nicht den Einsatz von Filtern vor.

Das steht im Gegensatz zur Entwicklung russischer Kraftwerke, die seit den 1990er Jahren entworfen wurden. Diese setzen seit den Kraftwerken der AES 92 Baureihe (von 1992) teilweise passive Kühlsysteme ein und können dauerhaft ohne Stromversorgung gekühlt werden. Solche Kraftwerke wurden etwa in Indien und Iran gebaut. Dabei wurde nicht auf andere Sicherheitssysteme verzichtet und Filtersysteme sind Teil der Konstruktion. Noch neuere Kraftwerke, wie die AES 2006, wurden beispielsweise von der finnischen Regierung untersucht und für tauglich befunden, auch wenn sie in Details an finnisches Gesetz angepasst werden müssten.

Fukushima Daiichi stellt kein Versagen von Technik dar. Die Technik verhielt sich wie vorhergesagt und erfüllte vollständig die Ansprüche, die an sie gestellt wurden. Anders als etwa in Deutschland blieben diese Ansprüche aber weit hinter dem zurück, was für die Bevölkerung wünschenswert gewesen wäre. Das gleiche gilt für die Vorbereitung auf Tsunamis weit abseits von Kernkraftwerken. Insgesamt mussten 470.000 Menschen in Sicherheit gebracht werden,, rund 100.000 davon in Folge der Kernschmelzen in Fukushima Daiichi. Die Sicherheitsrichtlinien den 1960er verhinderten aber immerhin, dass es unter den 18.000 Menschen, die infolge des Tsunamis starben, Tote durch Radioaktivität gab.

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 Japanische Gesetze kamen spät und unzureichend
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smonkey 16. Mär 2021

Kurzum Gen4 Reaktoren stecken wenn überhaupt noch in Kinderschuhen und werden, wie selbst...

smonkey 15. Mär 2021

Und wie viele werden im Vergleich dazu abgeschaltet oder rückgebaut? In der SZ stand die...

Benutztername12345 14. Mär 2021

Sehr lustig, du redest bei zerstörten Landstrichen von Atomkraft:D Und nicht vom...

Benutztername12345 14. Mär 2021

Diese Reaktion hab ich bei Artikeln dieses Autors öfter:)

Nasenbaer 13. Mär 2021

Klingt ziemlich opportun. Einfach das Risiko outsourcen, sollen die anderen die...



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