Fukushima war nicht auf Tsunamis ausgelegt

Welche Aufgaben das Containment erfüllen muss, also der Sicherheitsbehälter, der den Reaktor einschließt, veränderte sich im Laufe der Zeit und wird je nach Land unterschiedlich gehandhabt. Wie sich die Gesetzgebung in den USA entwickelte, zeigt der 2002 veröffentlichte Kurs Perspectives on Reactor Safety NUREG/CR-6042 der US-Regulierungsbehörde für Nuklearanlagen. Demnach galt in den USA bis 1966 die Regel, dass ein Containment bei jedem Unfall geschlossen bleiben und eine größere radioaktive Kontaminierung der Umgebung verhindern müsse.

Stellenmarkt
  1. DevOps Engineer (m/f/d) for Embedded Software Integration
    Elektrobit Automotive GmbH, Erlangen
  2. Fachinformatiker (m/w/d) im Kundenservice
    Anstalt für Kommunale Datenverarbeitung in Bayern (AKDB), verschiedene Standorte
Detailsuche

Nach Untersuchungen von möglichen Unfallszenarien sagte General Electric aber bereits 1966 aus, dass es bei einer Kernschmelze mit seinen Siedewasserreaktoren unmöglich sei, die Integrität des Containments zu gewährleisten. Sie waren baugleich mit denen in Fukushima Daiichi. Daraus folgten aber weder der Entzug der Betriebserlaubnis noch Nachbesserungsarbeiten an den Containments. General Electric argumentierte, dass eine Kernschmelze ein ohnehin sehr unwahrscheinliches Resultat eines Unfalls in einem Siedewasserreaktor sei und durch zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen weiter verringert werden könne.

Die Gesetzgebung verlangte daraufhin nur noch, dass das Risiko eines solchen Unfalls minimiert werden und die Evakuierung für den Notfall vorbereitet werden müsse. Die Funktion des Containments war nur noch, bei bestimmten Unfällen die Freisetzung radioaktiver Stoffe zu verhindern, etwa dem Platzen einer Dampfleitung am Reaktor. Diese Unfälle werden Design Basis Accidents genannt, im deutschen auch größter anzunehmender Unfall (GAU), wobei es dort tatsächlich um ganze Klassen von unterschiedlichen Unfallhergängen und nicht nur ein bestimmtes Szenario geht.

Tsunamis standen ab 1972 im US-Gesetz

Es hängt nun von der Gesetzgebung ab, welche Unfälle bei der Konstruktion des Containments anzunehmen sind. Dabei gibt es große Unterschiede. Bei Unfällen mit einer Kernschmelze in Siedewasserreaktoren muss in den USA seit 1966 nicht mehr unbedingt das Containment dichtbleiben. Die Betreiber müssen lediglich nachweisen, dass eine Kernschmelze sehr unwahrscheinlich sei. Die deutsche Gesetzgebung wurde, anders als in den USA, nach dem Unfall in Tschernobyl in diesem Punkt deutlich verschärft.

Golem Akademie
  1. Ansible Fundamentals: Systemdeployment & -management: virtueller Drei-Tage-Workshop
    6.–8. Dezember 2021, Virtuell
  2. Elastic Stack Fundamentals – Elasticsearch, Logstash, Kibana, Beats: virtueller Drei-Tage-Workshop
    26.–28. Oktober 2021, Virtuell
Weitere IT-Trainings

1966 war der Tiefpunkt der Sicherheitsgesetzgebung für Kernkraftwerke, die seither stetig erweitert wurde. Später wurden auch externe Ursachen als mögliche Ursachen eines Unfalls mit in die Regularien einbezogen. Im Safety Guide 28 der Atomic Energy Commission steht seit Juni 1972 dazu der Passus: "Strukturen, Systeme und Komponenten, die wichtig für die Sicherheit sind, müssen die Effekte natürlicher Phänomene wie Erdbeben, Tornados, Hurricanes, Hochwasser, Tsunamis und Seiches (Resonanzwellen) überstehen, ohne ihre Sicherheitsfunktion zu verlieren."

Der sechste und letzte Block von Fukushima Daiichi (japanisch für Fukushima #1) wurde 1973 wieder von General Electric geliefert. Ein BWR-5 Reaktor in dem verbesserten Mark II Containment lieferte Dampf, um 1.070 MW Strom zu erzeugen. Vier weitere Blöcke dieser Bauart entstanden weiter südlich im Kraftwerk Fukushima Daini (Fukushima #2), die allesamt dieser verbesserten Bauform entsprachen. Das Mark II Containment erfüllte schon beim Bau die neuen US-Richtlinien von 1972, auch noch im Jahr 2011. In den USA mussten auch die Betreiber von älteren Kraftwerken nachweisen, dass sie die neuen Richtlinien erfüllten, in Japan nicht.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
 Fukushima-Kernschmelze: Die Technik tat genau, was sie sollteJapanische Gesetze kamen spät und unzureichend 
  1.  
  2. 1
  3. 2
  4. 3
  5. 4
  6.  


smonkey 16. Mär 2021

Kurzum Gen4 Reaktoren stecken wenn überhaupt noch in Kinderschuhen und werden, wie selbst...

smonkey 15. Mär 2021

Und wie viele werden im Vergleich dazu abgeschaltet oder rückgebaut? In der SZ stand die...

Benutztername12345 14. Mär 2021

Sehr lustig, du redest bei zerstörten Landstrichen von Atomkraft:D Und nicht vom...

Benutztername12345 14. Mär 2021

Diese Reaktion hab ich bei Artikeln dieses Autors öfter:)

Nasenbaer 13. Mär 2021

Klingt ziemlich opportun. Einfach das Risiko outsourcen, sollen die anderen die...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Wemax Go Pro
Mini-Projektor für Reisen strahlt 120-Zoll-Bild an die Wand

Der Wemax Go Pro setzt auf Lasertechnik von Xiaomi. Der Beamer ist klein und kompakt, soll aber ein großes Bild an die Wand strahlen können.

Wemax Go Pro: Mini-Projektor für Reisen strahlt 120-Zoll-Bild an die Wand
Artikel
  1. Snapdragon 8cx Gen 3: Geleaktes Qualcomm-SoC erreicht das Niveau von AMD und Intel
    Snapdragon 8cx Gen 3
    Geleaktes Qualcomm-SoC erreicht das Niveau von AMD und Intel

    In Geekbench wurde der Qualcomm Snapdragon 8cx Gen 3 gesichtet. Er kann sich mit Intel- und AMD-CPUs messen, mit Apples M1 aber wohl nicht.

  2. Air4: Renault 4 als Flugauto neu interpretiert
    Air4
    Renault 4 als Flugauto neu interpretiert

    Der Air4 ist Renaults Idee, wie ein fliegender Renault 4 aussehen könnte. Mit der Drohne wird das 60jährige Jubiläum des Kultautos gefeiert.

  3. MS Satoshi: Die abstruse Geschichte des Bitcoin-Kreuzfahrtschiffs
    MS Satoshi
    Die abstruse Geschichte des Bitcoin-Kreuzfahrtschiffs

    Kryptogeld-Enthusiasten kauften ein Kreuzfahrtschiff und wollten es zum schwimmenden Freiheitsparadies machen. Allerdings scheiterten sie an jeder einzelnen Stelle.
    Von Elke Wittich

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Black Friday Wochenende • LG UltraGear 34GP950G-B 999€ • SanDisk Ultra 3D 500 GB M.2 44€ • Boxsets (u. a. Game of Thrones Blu-ray 79,97€) • Samsung Galaxy S21 128GB 777€ • Premium-Laptops (u. a. Lenovo Ideapad 5 Pro 16" 829€) • MS Surface Pro7+ 888€ • Astro Gaming Headsets [Werbung]
    •  /