Für bis zu 5,5 Milliarden Dollar: Marvell kauft Silicon-Photonics-Start-up Celestial AI

Es sind gute Zeiten für Start-ups, die im weitesten Sinne etwas mit KI zu tun haben: Sie können auf milliardenschwere Übernahmen durch etablierte Unternehmen aus der IT-Branche hoffen. Aktuell hat Netzwerkausrüster Marvell zugeschlagen(öffnet im neuen Fenster) und übernimmt Celestial AI(öffnet im neuen Fenster) . Das Start-up entwickelt optische Schnittstellen für XPUs – Beschleuniger im weitesten Sinne, üblicherweise für große KI-Cluster. Das X deutet dabei an, dass es sich um GPUs, TPUs oder andere Eigenentwicklungen handeln kann.
Das Start-up bietet seine Entwicklung dabei sowohl als fertige Chiplets als auch als IP-Cores (für Intellectual Property) an. Erstere werden mittels 2.5D-Integration zusammen mit den XPU-Dies auf einem Silizium-Interposer montiert, Letztere können Hersteller in ihre eigenen Chips integrieren. Das ist etwa für die optische Verbindung mehrerer Chiplets auf einem gemeinsamen Träger gedacht.
Mindestens ebenso interessant, vermutlich auch für Marvell, ist allerdings die Chiplet-Lösung. Sie ist für Scale-up-Netze gedacht, also die direkte Verbindung vieler Beschleuniger-Packages mit hoher Bandbreite. Stand der Technik sind hier maximal mehrere Hundert Beschleuniger bei AWS und Huawei , Nvidia wird mit Rubin die Hundertermarke knacken . Celestial AI will Tausende XPUs verbinden.
Hohe Bandbreite über weite Strecken
Jede einzelne Verbindung soll dabei auf eine bidirektionale Bandbreite von 3,6 TByte/s kommen. Die Latenz wird mit 150 ns angegeben, die aber nur kurze Direktverbindungen erreichen werden. Längere Distanzen und Switches führen zu deutlich höheren Werten. Da Tausende XPUs mehrere Racks belegen, sind solche Zahlen mit klassischen Kupferverbindungen unerreichbar.
Hier spielen die optischen Schnittstellen ihre Stärken aus: Geringer Energiebedarf dank integrierter Modulatoren, hohe Reichweite von über 50 m dank geringer Verluste. Bei Chip-to-Chip-Verbindungen wird zudem weniger Fläche benötigt, die etwa für mehr High Bandwidth Memory (HBM) genutzt werden kann. Celestial AI kann sich aber auch vorstellen, den komplett in eigene, optisch angebundene Speicher-Packages zu verlagern. Neben den Sende- und Empfangseinheiten hat Celestial AI auch einen Switch-Chip entwickelt, anders wäre die Vielzahl an Verbindungen nicht zu handhaben.
Da das Größenwachstum von KI-Clustern wohl so bald nicht enden wird – sofern sich KI nicht als Blase erweist – ist die verstärkte Nutzung optischer Verbindungen quasi alternativlos. Nvidia und Marvells Konkurrent Broadcom haben bereits Switch-Packages mit integrierten optischen Transceivern vorgestellt. Marvell dürfte mit der Übernahme versuchen, hier nachzuziehen und auf breiterer Basis vom KI-Boom zu profitieren. Broadcom etwa verdient nicht nur mit Netzwerk-Hardware, sondern auch mit Dienstleistungen beim Entwurf von Beschleunigern für Kunden wie die Google-Mutter Alphabet.
Mit mindestens 3,25 Milliarden US-Dollar liegt der Kaufpreis über der Bewertung nach Abschluss der letzten Finanzierungsrunde im März 2025. Hier wurde Celestial AI mit 2,5 Milliarden US-Dollar bewertet(öffnet im neuen Fenster) . Den Großteil davon, 2,25 Milliarden US-Dollar, zahlt Marvell mit eigenen Aktien, den Rest bar. Abhängig von der Umsatzentwicklung will Marvell den Aktienanteil sogar noch verdoppeln – bis zu 5,5 Milliarden US-Dollar bekommen die aktuellen Eigner, darunter AMD, wenn Celestial AI über die kommenden Jahre bis zum Ende des Fiskaljahrs 2029 einen Gesamtumsatz von mindestens 2 Milliarden US-Dollar erreicht. Bei 500 Millionen US-Dollar Umsatz im gleichen Zeitraum gäbe es noch immer 750 Millionen US-Dollar mehr.



