Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Führungsrolle: Chinas 15. Fünfjahresplan stärkt die Raumfahrt

Der 15. Fünfjahresplan der chinesischen Regierung setzt in der Raumfahrt auf Kommerzialisierung und Mega-Konstellationen.
/ Patrick Klapetz
1 Kommentare Auf Google folgen (öffnet im neuen Fenster)
Start einer chinesischen Rakete soll die Stärke der chinesischen Raumfahrt symbolisieren. (Bild: China News Service)
Start einer chinesischen Rakete soll die Stärke der chinesischen Raumfahrt symbolisieren. Bild: China News Service

Mit der Verabschiedung des 15. Fünfjahresplans (2026-2030) hat die chinesische Führung eine weitreichende Neuausrichtung ihrer Raumfahrtstrategie(öffnet im neuen Fenster) eingeleitet. Der Fokus verschiebt sich massiv von prestigeträchtigen Einzelprojekten hin zu einer marktorientierten, industriellen Skalierung.

Ziel ist es, den Weltraumsektor zu einem tragenden Pfeiler der nationalen Wirtschaft und der technologischen Souveränität auszubauen. Die Regierung in Peking geht davon aus, dass der Markt für Weltraumwirtschaft bis zum Jahr 2050 ein Volumen von bis zu zehn Billionen US-Dollar erreichen könne. Zudem wird die Raumfahrt in dem Fünfjahresplan als eine der strategischen Zukunftsindustrien bezeichnet.

Raumfahrt als Massenmarkt: Vom Labor in die Serienproduktion

Ein zentrales Element des neuen Plans ist die Transformation der Satellitenproduktion. Bisher dominierten teure, maßgeschneiderte Einzelanfertigungen. Der neue Blueprint sieht stattdessen eine Modularisierung vor. Eine ähnliche Transformation hatte auch Russland vor 2,5 Jahren für seine Satellitenindustrie angekündigt.

Die chinesischen Satelliten sollen künftig mit einem universellen "Smart Brain" ausgestattet werden. Dies macht die Entwicklung spezifischer Chips für jede Mission überflüssig und ermöglicht eine effiziente Massenproduktion. Um die Kosten in der Raumfahrt weiter zu senken, forciert China die Entwicklung leichterer und wiederverwendbarer Trägerraketen.

Dies gilt als entscheidender Hebel, um die Startkosten drastisch zu senken und im globalen kommerziellen Wettbewerb zu bestehen. Doch für die Entwicklung solcher Technologien braucht es zunächst einmal Geld. Deswegen lockerte China im Dezember 2025 den Zutritt zur Shanghai-Börse für Raumfahrtunternehmen. Die Stärkung des kommerziellen Sektors soll dazu führen, dass China auf diesem Markt in den nächsten zwei Jahren eine Führungsrolle einnimmt.

Internetsatelliten in bestehendes Navigationsnetzwerk integrieren

Bis 2030 ist der Aufbau einer national koordinierten Mega-Konstellation für das Satelliteninternet vorgesehen. Startdienste für Netze wie Qianfan (Tausend Segel) und Guowang (Nationales Netz) sollen an kommerzielle Raketenbauer wie Landspace übergeben werden.

Die Megakonstellationen sollen nicht isoliert agieren, sondern tief mit dem bestehenden Beidou-Navigationssystem und Fernerkundungsdaten verknüpft werden. Dieses integrierte Netzwerk soll eine lückenlose Infrastruktur für maritime Operationen, Notfallmanagement und die Konnektivität in entlegenen Regionen schaffen.

Damit positioniert sich China als Anbieter globaler Kommunikationsdienstleistungen und fordert westliche Systeme wie Starlink heraus. In Brasilien darf das Qianfan-Netzwerk bereits ab dem vierten Quartal 2026 seine Dienste anbieten.

Auch die Entwicklung von Technologien zur aktiven Weltraumverteidigung ist ein wichtiges Ziel. Dazu gehören die intelligente Steuerung von Satellitenclustern zur Vermeidung von Kollisionen mit Weltraumschrott sowie Maßnahmen gegen Signalinterferenzen und andere orbitale Risiken. Besonders die Zunahme an Satelliten in der erdnahen Umlaufbahn macht diese Technologien schützenswert.

Ausbau der Tiefenraumerkundung

Auch die Tiefenraumerkundungen sollen massiv ausgebaut werden. Neben der zweiten Phase des Mars-Programms liegt der Fokus auf der Erforschung des äußeren Sonnensystems sowie dem Schutz vor bedrohlichen Himmelskörpern. Dazu gehört auch die Stärkung internationaler Zusammenarbeit bei wissenschaftlichen Entdeckungen.

Der Fokus liegt vor allem auf dem Mond und der Entwicklung einer wiederverwendbaren Schwerlast-Trägerrakete für bemannte Mondlandungen bis zum Ende des Jahrzehnts. Die erste Ausbauphase der Internationalen Mondforschungsstation ILRS am Südpol soll zwischen den Jahren 2030 und 2035 erfolgen. Der 15. Fünfjahresplan soll den Grundstein zum Erreichen dieses Ziels legen. Bis zum Ende des Jahrzehnts will China in der Raumfahrt nicht nur technologisch aufgeschlossen haben, sondern durch die Integration von KI und modernster Fertigung eine führende Rolle in der globalen Weltraumwirtschaft einnehmen.


Relevante Themen