Führung in der IT: Über das Unentbehrlichsein

Wie ich als Chef zum wandelnden Lexikon wurde und dabei meinen Spaß an der Arbeit verlor - und wie ich versuche, es besser zu machen.

Ein Erfahrungsbericht von @SoFuckingAgile veröffentlicht am
Ich war der Hüter des Wissens.
Ich war der Hüter des Wissens. (Bild: Pixabay)

Dieser Artikel ist eine Übersetzung. Das Original findet sich hier.

Inhalt:
  1. Führung in der IT: Über das Unentbehrlichsein
  2. Ich, das wandelnde Lexikon
  3. Keine Direktnachrichten und automatischen Weiterleitungen

Im Jahr 2022 lässt sich nur noch sehr selten jemand finden, der als Führungskraft für ein und dasselbe Produkt über einen längeren Zeitraum zuständig ist. Noch seltener passiert es, dass eine Person von der Entstehung eines Produkts bis zu dessen Reife dabei ist. Ich bin also wahrscheinlich eine Seltenheit.

Ich befasse mich schon seit über einem Jahrzehnt mit einer einzigen Idee. Aus dieser Idee haben sich Dutzende Produkte, eine immer größer werdende Codebasis, unzählige Rollen, mehrere vertikale Märkte und darunter weitere untergeordnete Märkte sowie Tausende von Unternehmenskunden entwickelt.

Ich bin auch über mehrere Übernahmen durch deutlich größere Unternehmen hinweg bei diesem Produkt geblieben. Ich wurde unentbehrlich. Ich war der Hüter des Wissens. Ich wusste, wo all die Drachen schliefen. Ich wusste, wo überall Kompromisse gemacht wurden. Ich wusste, warum alles genau so passierte.

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Es hat mich erdrückt.

Was passiert hier?

Es hat deutlich zu lange gedauert, bis es in meinem Kopf Klick gemacht hat und ich gemerkt habe, dass ich feststecke. Es gab keine berufliche Weiterentwicklung. Natürlich änderte sich mein Titel, die Bezahlung wurde höher, aber mein Alltagsgeschäft änderte sich nie. Ich hatte so viel damit zu tun, mit Dutzenden von Menschen in allen möglichen Abteilungen zusammenzuarbeiten, dass ich das Gefühl hatte zu wachsen. Tat ich aber nicht.

Die folgende Situation, die meine Position besser erklärt, gab es häufiger. Und zwar eigentlich sogar mehrmals am Tag. So schrieb mich ein Mitglied unseres Implementierungsteams über den Chat an: "Was passiert, wenn ich in der Anwendung [diese Schritte durchführe]?"

Wie Agilität gelingt: Ein agiles Mindset entwickeln - typische Hürden meistern (Dein Business)

Natürlich wusste ich das, aber eigentlich war ich der Überzeugung, dass das Implementierungsteam des Unternehmens die Funktionen der Anwendung kennen sollte. Die Teammitglieder sollten selbst problemlos in der Lage sein, die Anwendung an ihre Bedürfnisse anzupassen. Ich sagte meinem Kollegen, dass er es ausprobieren sollte, um herauszufinden, was passiert. "Ich bin aber gerade beim Kunden und muss das jetzt wissen. Bitte sag es mir doch einfach!"

Ich war lange Zeit immer ansprechbar und wusste über alles Bescheid, so dass das ganze Unternehmen darauf konditioniert war, mich zu fragen, anstatt eigene Antworten zu finden. Und wenn ich etwas anderes vorschlug, stieß das auf Ablehnung.

Ich war eine Krücke. Ich war eine Abkürzung. Ich war ein wandelndes Lexikon.

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Ich, das wandelnde Lexikon 
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AntonZietz 14. Aug 2022 / Themenstart

Ich habe eine sehr ähnliche Rolle, mehrmals Produkte aufgebaut und Postmerger betreut...

Nico67 13. Aug 2022 / Themenstart

In meiner letzten Firma gab es einen solchen "Alleswisser". Es hat der Firma nicht gut...

JE 13. Aug 2022 / Themenstart

Lösung: 20% des Sprints für die Behebung von technischen Schulden reservieren

JE 13. Aug 2022 / Themenstart

Wenn man sich die Zeit von Anfang an nimmt, spart man sich auf lange Sicht Zeit - und...

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