FTTH: Telekom wird 1 GBit/s für Selbstbauer überall anbieten

Das Angebot 'Mehr Breitband für mich' (MBfm) gelte in ganz Deutschland und sei nicht wie Google Fiber auf "eine Handvoll Großstädte begrenzt" , sagte Bruno Jacobfeuerborn, Technik-Chef der Deutschen Telekom, im Gespräch mit Golem.de. Zusammenschlüsse von Kunden wie bei den Google Fiberhoods seien auch möglich.
"Hier gibt es zugegeben noch offene Fragen, was zum Beispiel einige Haftungsthemen seitens der Vertragsnehmer angeht. Wir kommen aber nicht von der Stelle, wenn wir jetzt im Vorfeld jede denkbare rechtliche prozessuale Variante von Zusammenschlüssen durchspielen und prozessieren" , erklärte Jacobfeuerborn.
Kerngeschäft sind FTTC und Vectoring
" Mehr Breitband für mich(öffnet im neuen Fenster) " sei ein Premium-Produkt. "Unser Kerngeschäft ist es, mit FTTC und Vectoring, also dem Glasfaserausbau bis zu den grauen Kästen am Straßenrand, sowie mit FTTH in Neubaugebieten , möglichst schnell möglichst vielen Bürgern in Deutschland einen Breitbandanschluss zu ermöglichen. Auf diesem Weg werden wir bis 2018 rund 80 Prozent der Haushalte mit Geschwindigkeiten von über 50 MBit/s, mit Supervectoring dann sogar mit über 250 MBit/s zu versorgen" , sagte Jacobfeuerborn.
Wünsche ein Kunde in einem bereits von der Telekom ausgebauten FTTC-Gebiet hingegen explizit einen Glasfaseranschluss bis in die Wohnung oder das Haus, komme "MBfm ins Spiel" . Dabei werde interessierten Kunden ein persönliches und individuelles Angebot gemacht. Telekom-Experten planten "auf die Immobilie genau" vorhandene Technik, anfallende Kosten für Hardware und Tiefbau, also der über den normalen Ausbau hinausgehende Aufwand, um die Glasfaser bis in die Wohnung zu bringen.
Absolutes Premium-Produkt
Jacobfeuerborn erklärte: "Bei einem individuellen Auftrag zum nachträglichen FTTH-Ausbau, und wir sprechen hier nicht über Neubaugebiete, in denen wir ohnehin den FTTH-Ausbau bevorzugen, handelt es sich um ein absolutes Premium-Produkt. Unser Auftrag als Telekom ist es, möglichst vielen Kunden möglichst schnelle Internetanschlüsse zu bauen. Und das mit den zur Verfügung stehenden Mitteln und natürlich dann auch zu einem Verkaufspreis, den unsere Kunden bereit sind zu bezahlen."
Für Sonderlösungen einzelner, zu denen MBfm gehöre, müssten dann die Kosten entsprechend umgelegt werden. Dies sei in etwa vergleichbar mit dem Kauf eines Anzugs bei einem Herrenausstatter und der Anfertigung eines maßgeschneiderten Anzugs bei einem Schneider.
Die Telekom biete bei ihren FTTH-Anschlüssen derzeit Tarife mit einer Geschwindigkeit von 200 MBit/s im Download an. Zukünftig seien Geschwindigkeiten bis zu 1 GBit/s möglich - über entsprechende Tarife ohne weitere bauliche Veränderungen.
Antrag kostet 100 Euro
Auf der Kundenseite müsse die entsprechende Hardware vorhanden sein, die solche Geschwindigkeiten verarbeiten könne. Interessierte Kunden können E-Mail-Anfragen an MBfm-Ausbau@telekom.de richten. Wegen des individuellen Planungsaufwands werde pro Anfrage ein Bearbeitungsentgelt von 100 Euro erhoben.
"Dieser Betrag wird gutschrieben, wenn das Projekt realisiert wird. Anfragen sollten neben den Kontaktdaten des Kunden die Adresse des zu versorgenden Objekts, die Anzahl der Wohn- und Geschäftseinheiten sowie Angaben zu eventuell bereits vorhandenen Leerrohren am oder im Gebäude beziehungsweise zu beabsichtigten Eigenleistungen des Kunden, zum Beispiel der Verlegung von Leerrohren auf dem Grundstück enthalten" , sagte Jacobfeuerborn. Generell sollte die Anfrage mit dem Gebäudeeigentümer abgestimmt sein, da dieser einen Gestattungsvertrag für die Verlegung der Glasfasern auf dem Grundstück und im Gebäude unterzeichnen müsse.
Unsere Fragen, ob das selbstbezahlte Netzwerk dann dem Kunden gehöre, und was solche Projekte ungefähr kosteten, konnten noch nicht beantwortet werden.



