FTTH: Berliner Startup will faire Glasfaser anbieten

Glasfaser für alle, aus nachhaltiger und fairer Produktion - das will das Kreuzberger Startup Fair To The Home (FTTH) erreichen. Zudem sollen schicke Leitungen für Innenräume produziert werden.

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Handgefertigt: diese Glasfaser ist fair.
Handgefertigt: diese Glasfaser ist fair. (Bild: Fair To The Home)

Das Berliner Startup Fair To The Home (FTTH) will in Kürze nachhaltig, fair und lokal produzierte Glasfaserkabel anbieten. Laut einer Pressemitteilung des Unternehmens sollen noch in diesem Jahr die ersten Leitungen verlegt werden. Als Zielgruppe sieht FTTH Nutzer in kleineren Kommunen, die bisher noch keine Glasfaserleitungen verlegt bekommen haben und unter schlechter Netzanbindung leiden. "Fair To The Home bringt schnelles Internet an jeden Ort in Deutschland, und das in bestmöglicher Qualität und bei nachhaltiger sowie lokaler Produktion - das bietet keiner unserer Mitbewerber", sagt Geschäftsführer Ingo Kämpf, der aus einer traditionellen Glasbläserfamilie aus dem bayerischen Zwiesel stammt und seit sechs Jahren in Berlin lebt.

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Da chinesische Telekommunikationskonzerne derzeit den Markt für Glasfaserkabel praktisch leerfegen, können auch kleinere Anbieter trotz höherer Preise zum Zug kommen.

Die Glasfaser wird in einer Glasbläserei im Berliner Bezirk Kreuzberg mundgeblasen. Für den Glaskern der Kabel wird Quarz aus Brandenburg verwendet, der sich restlos in allen Produktionsprozessen rückverfolgen lassen soll. Auch die Zusatzprodukte wie das Phosphor zur Erhöhung des Brechungsindex' und die Materialien der Mantelbeschichtung sollen aus nachhaltiger Produktion stammen. Der Transport der fertigen Kabel soll zudem mit emissionsarmen Elektrotransportern erfolgen.

Erste Partnerschaften mit Kommunen bereits geschlossen

Für die Erstellung der Lieferkette hat FTTH laut Kämpf mehrere Jahre benötigt. Um eine Glasfaserleitung herstellen zu können, muss das Unternehmen an bestimmten Stellen allerdings immer noch auf Rohstoffe zugreifen, die nicht als fair gehandelt gelten. "Eine Glasfaser wirklich komplett fair herstellen zu können, ist aktuell für uns noch nicht machbar", gibt Kämpf zu. Andere Projekte - wie etwa Fairphone - stehen seit Jahren vor ähnlichen Problemen.

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Das Unternehmen hat bereits erste Partnerschaften mit Kommunen geschlossen, um seine Kabel verlegen zu können. Einige Kommunen in Brandenburg haben Golem.de wissen lassen, an dem Projekt interessiert zu sein - offiziell dürfen sie aber noch nichts sagen. "Das FTTH-Projekt könnte die Erschließung ländlicher Kommunen vereinfachen, wenn sich das Unternehmen auch auf die Verlegung der Glasfaser konzentriert", sagt Kämpf. Nach Angaben von Bundesinfrastrukturminister Alexander Dobrindt (CSU) haben Brandenburger Kommunen in der aktuellen Finanzierungsrunde zum Breitbandausbau die meisten Anträge gestellt. Davon könnte auch FTTH profitieren.

Mundgeblasene Glasfaser leitet besser

Sollte FTTH sein Produkt in Gegenden anbieten, die bisher noch keine Glasfaser bekommen haben, dürfte das Projekt auch potentielle Kunden interessieren, die am Nachhaltigkeitsgedanken eigentlich kein Interesse haben. "Dass wir unser Produkt nachhaltig und fair produzieren, ist nicht nur etwas, das wir aus Marketinggründen machen", sagt Geschäftsführer Kämpf. "Wir machen es, weil wir davon überzeugt sind und wir wissen, dass wir auf diese Weise ein besseres Produkt herstellen können. Falls Kunden unsere Glasfaser aber nur deshalb bestellen, weil wir der einzige lokale Anbieter sind, sagen wir natürlich nicht Nein", sagt Kämpf pragmatisch auf Nachfrage von Golem.de.

Kämpf ist außerdem davon überzeugt, dass seine Glasfaser die Daten sicherer und besserer leitet als industriell hergestellte Produkte. "Mundgeblasene Fasern lassen sich stärker biegen, ohne dass sie brechen", erläutert der Geschäftsführer. Der Laserstrahl benötige auch weniger Energie, da das Licht besser geleitet werde. Jedes Kabel durchläuft einen strengen Prüfprozess, bevor es zum Einsatz kommt. Störende Lufteinschlüsse, die den Datenfluss beeinträchtigen können, sind nahezu ausgeschlossen.

Glasfaserleitungen auf Putz für hippe Startups

Zudem will das Unternehmen künftig besonders schicke Glasfaserleitungen für Innenräume anbieten. "Anders als die traditionellen Cat6-Kabel für Ethernet muss man die mundgeblasene Glasfaserstäbe nicht im Leerrohr unter dem Fußboden verstecken", sagt Kämpf. Stattdessen entwickelt FTTH ein Konzept, um das Glas auf Retro-Befestigungssockeln auf Putz an der Wand direkt zum Schreibtisch zu verlegen. Dazu wurde ein einfaches Schmelzverfahren entwickelt, um Stäbe und Eckbögen miteinander verbinden zu können. "Als Startup oder als hippe Werbeagentur kann man auf diese Weise zeigen, wirklich up to date zu sein", sagt Kämpf.

Denn anders als Kupferkabel braucht Glasfaser auf diese Weise keine Abschirmung und kann offen verlegt werden. "Ein besonderer Ausdruck der Unternehmenstransparenz", behauptet Kempf und fügt hinzu: "Wir könnten die Glasfaser problemlos bei Manufactum anbieten." Eine weitere Zielgruppe sind kleinere Firmen, die beispielsweise das Telekom-Angebot "Mehr Breitband für mich" nutzen wollen.

Preise für seine Glasfaser hat FTTH in der aktuellen Pressemitteilung noch nicht genannt, auch das veröffentlichte Unternehmensvideo nennt die Kosten nicht. Auf Nachfrage von Golem.de erklärte ein Unternehmenssprecher lediglich, dass die Kosten für das faire Glasfaserkabel "leicht über denen aktueller Anbieter" liegen sollen.

Nachtrag vom 2. April 2017

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