FTC-Ermittlungen: Snapchat wirft Facebook Missbrauch seiner Marktmacht vor

Instagram-Influencer sollen von Facebook unter Druck gesetzt worden sein, keine Snapchat-Inhalte zu teilen: Diese und weitere Anschuldigungen sammelt Snapchat bereits seit mehreren Jahren im Projekt Voldemort. Auch die US-Handelsaufsicht hat Ermittlungen gegen Facebook eingeleitet.

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Facebook soll Snapchat bedrängt haben.
Facebook soll Snapchat bedrängt haben. (Bild: TeroVesalainen/Pixabay)

Viele Facebook-Konkurrenten beschweren sich über Wettbewerbsverstöße von Facebook. Snap, der Betreiber der Foto- und Messaging-App Snapchat, sammelt bereits seit mehreren Jahren Fälle, in denen Facebook seine Marktmacht ausgenutzt hat. Beispielsweise seien Inhalte von Snapchat auf Instagram schlechtergestellt und einige Funktionen kopiert worden. Auch die US-Handelsaufsicht FTC (Federal Trade Commission) interessiert sich für die Vorwürfe und hat bereits kartellrechtliche Ermittlungen aufgenommen. Laut einem Bericht des Wall Street Journals (Paywall) soll die FTC bereits Gespräche mit einer Reihe von ehemaligen und aktuellen Konkurrenten von Facebook geführt haben, die zum Teil durch den Verlust des Zugangs zu Facebook pleitegegangen seien. Ähnliche Ermittlungen sollen auch gegen Google und Amazon geführt werden.

Die Sammlung der Wettbewerbsverstöße von Facebook nennt Snap Projekt Voldemort, nach dem Bösewicht im Roman Harry Potter. Teil der Dokumente und neben der aggressiven Wachstumstaktik ein Schwerpunk der FTC-Untersuchung ist Facebooks Umgang mit konkurrierenden Startups. Solche Startups habe Facebook häufig versucht zu übernehmen, berichtet das Wall Street Journal. Habe der Kauf jedoch nicht geklappt, habe Facebook die Ideen und Funktionen der Startups kopiert und in die eigenen Dienste integriert. Zwei der betroffenen Startups waren Snap und der Empfehlungsdienst Foursquare. Während eines Verkaufsgesprächs soll Zuckerberg ihnen zwei Szenarien präsentiert haben: Entweder sie akzeptieren den Verkaufspreis oder Facebook würde ihre Produkte kopieren und ihnen den Weiterbetrieb ihrer Dienste erschweren.

Der Kauf kam nicht zustande und Facebook begann, zentrale Elemente von Snapchat zu kopieren und in seine Dienste zu integrieren. Auch auf Instagram wurden Storys, Filter und Sticker eingeführt.

Laut dem Wall Street Journal vermutet Snap, dass Facebook zudem dafür sorgte, dass populäre Inhalte von Snapchat auf Facebook nicht "trenden", also daran gehindert wurden, zu viel Bekanntheit zu erreichen. Zudem soll Facebook die Suche nach Begriffen oder Hashtags, die mit Snapchat in Verbindung gebracht wurden, blockiert haben. Diese sollen zudem nicht auf der Explore-Seite von Instagram, auf der neue Inhalte präsentiert werden, erschienen sein. Außerdem sollen Influencer auf Instagram unter Druck gesetzt worden sein, keine Snap-Inhalte mehr auf der Plattform zu teilen.

Das soziale Netzwerk steht im Fokus vieler Verfahren

Erst im Juli einigte sich Facebook mit der FTC auf eine Strafzahlung von 5 Milliarden US-Dollar, um Ermittlungen von US-Behörden zu beenden. Die FTC hatte die Ermittlungen nach Ausbruch des Datenskandals um Cambridge Analytica eingeleitet.

Facebook stimmte auch einer weiteren Strafzahlung von 100 Millionen US-Dollar an die US-Börsenaufsicht (Securities and Exchange Commission, SEC) zu. Diese argumentierte, dass Facebook bereits im Dezember 2015 wusste, dass die Daten von mehreren Dutzend Millionen Facebook-Nutzern an Cambridge Analytica verkauft worden waren. Facebook habe aber erst im März 2018 seine Nutzer informiert.

In einer Sammelklage von Facebook-Nutzern wegen der Datenweitergabe erklärte Facebook kürzlich, dass diese keine Privatsphäre auf Facebook erwarten könnten: "Es gibt keine Verletzung der Privatsphäre, da es überhaupt keine Privatsphäre gibt", sagte Facebook-Anwalt Orin Snyder.

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