Frühe Filmgeschichte: Lange verschollener Méliès-Film zeigt frühen Filmroboter
Ein bislang verschollener Kurzfilm des französischen Filmpioniers Georges Méliès ist wieder aufgetaucht, wie die US-Film-Website Slashfilm(öffnet im neuen Fenster) unter Berufung auf Angaben der US-amerikanischen Library of Congress berichtet. Der Film Gugusse and the Automaton (1897) wurde demnach kürzlich in deren Archiv(öffnet im neuen Fenster) identifiziert. Das Besondere: Der Streifen könnte eine der frühesten Darstellungen eines Roboters in der Filmgeschichte enthalten.
Visionär des frühen Kinos
Méliès gilt als einer der wichtigsten Wegbereiter des Kinos. Der ehemalige Bühnenmagier begann Mitte der 1890er Jahre Filme zu drehen, nachdem er eine Vorführung der Gebrüder Lumière gesehen hatte, die damals ihre neue Filmkamera präsentierten. In den folgenden Jahren experimentierte Méliès intensiv mit Trickeffekten, Schnitttechniken und aufwendigen Kulissen. Zu seinen bekanntesten Arbeiten gehört der Kurzfilm Le Voyage dans la Lune (Die Reise zum Mond, 1902), einer der berühmtesten frühen Science-Fiction-Filme.
Doch viele seiner Werke gingen im Laufe der Jahrzehnte verloren. Von rund 500 Filmen Méliès' gelten heute nur etwa 300 als erhalten. Der jetzt wiederentdeckte Film zeigt eine Figur namens Gugusse, die eine mechanische Figur aus einer Kiste hervorbringt. Der Automat – dargestellt von einem Schauspieler – verändert im Verlauf des Films mehrfach seine Größe, bis die Maschine schließlich zerstört wird. Méliès nutzte dabei Schnitttricks, um die Transformationen scheinbar magisch erscheinen zu lassen.
Der Begriff "Roboter" entstand allerdings erst später: Er wurde 1920 vom tschechischen Schriftsteller Karel Capek in seinem Theaterstück R.U.R. (Rossum's Universal Robots) geprägt. Mechanische Automaten waren jedoch bereits lange zuvor Teil von Bühnen- und Jahrmarktshows. Méliès dürfte solche Konstruktionen aus Zaubervorführungen gekannt haben, etwa aus Programmen des französischen Illusionisten Jean-Eugène Robert-Houdin.
Der Weg der Filmrolle
Die Filmrolle gelangte über eine private Sammlung in das Archiv der Library of Congress. Ein US-Amerikaner aus Michigan übergab der Library of Congress eine Kiste mit alten Filmkopien, die einst seinem Urgroßvater gehört hatten – einem Lehrer und Amateurmagier, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts Filmvorführungen veranstaltete.
Das stark beschädigte Nitratfilm-Material musste vorsichtig untersucht werden. Trotz seines Zustands konnte das Archiv den Film identifizieren – vermutlich die erste Sichtung seit über hundert Jahren.
Der Film kann hier(öffnet im neuen Fenster) angesehen werden.