FRMCS-Ausbau: Verbände warnen vor Monopol bei Bahnfunk-Masten
Der IT-Branchenverband Bitkom fordert, dass staatliche Fördergelder des Bundes für Zehntausende neue Funkmasten entlang der Schiene nicht nur an Infrastrukturbetreiber wie DB InfraGO gehen. "Deshalb sollte die Kostenbeteiligung des Bundes unabhängig davon möglich sein, wer einen Mast errichtet hat, errichtet oder betreibt", sagte Felix Hake, Bereichsleiter Mobility & Aviation beim Bitkom, Golem auf Anfrage. Wenn ein privater Netzbetreiber an der Strecke bereits einen Mast errichtet hat oder plant, müsse dieser gleichermaßen förderfähig sein.
Der Bitkom begrüße grundsätzlich den Ansatz, den Ausbau des neuen Zugfunkstandards FRMCS mit einer besseren Mobilfunkversorgung entlang der Schienenwege zu verbinden, betonte Hake.
Für die Versorgung mit dem neuen Bahnfunk FRMCS müssen rund 20.000 Funkmasten neu errichtet werden. Der Staat will laut einem Referentenentwurf die Kosten für Masten, Glasfaseranbindung und Stromleitungen entlang der Gleise übernehmen, wenn die vier Mobilfunkbetreiber sie mit aktiver Funktechnik ausstatten. Hake sagte: "Die gemeinsame Nutzung von Masten kann Synergien schaffen, den Ausbau beschleunigen und unnötige Doppelstrukturen vermeiden. Davon profitieren nicht nur die Fahrgäste durch eine bessere Internetversorgung, sondern auch der Zugbetrieb selbst."
Entscheidend sei aber die konkrete Ausgestaltung. Die Eisenbahninfrastrukturbetreiber müssten die Infrastrukturleistungen zu "transparenten, diskriminierungsfreien und kostenorientierten Bedingungen" bereitstellen. Die Neuregelung dürfe nicht zu Wettbewerbsverzerrungen zulasten des privatwirtschaftlichen Infrastrukturausbaus führen.
Große Vorteile für WIFI@DB
Tatsächlich könnte die Bahn ihr On-Board-WLAN durch eine 5G-Versorgung der vier Netzbetreiber entlang der Schiene stark verbessern und stabile Gigabit-Datenraten anbieten. Multi-Band-Außenantennen, Mobile Access Router für Carrier Aggregation im Zug und WLAN-Access-Points sind die Stationen zum Endgerät des Fahrgastes.
Die Bahn setzt das Intrain-Mobilfunk-Repeater-System des Schweizer Unternehmens Comlab ein. Pro Zugverband ist ein Icomera-X6i-Router installiert, Access Points und Wi-Fi-Antennen bringen die Konnektivität zu den Fahrgästen in den Waggons. Die schwedische Firma installiert die Multi-Provider-Systeme in den Zügen der Bahn. Icomera liefert die Hardware wie Antennen und Router.
Um den metallischen Wärme- und Sonnenschutz an den Fenstern der Züge, der auch alle sonstigen elektromagnetischen Wellen reflektiert, direkt für Mobilfunk durchlässig zu machen, lässt die Bahn zudem ihre Scheiben lasern.
Gerrit Wernke, der Leiter des VATM-Hauptstadtbüros, erklärte: "Gute Gründe sprechen dafür, den Milliardenaufwand für den neuen Bahnfunk zugleich für eine bessere Mobilfunkversorgung der Fahrgäste zu nutzen. Wenn entlang der Schienen ohnehin neue Masten, Stromanschlüsse und Glasfaser entstehen, sollten diese Infrastrukturen möglichst gemeinsam genutzt werden. Doppelte Strukturen wären teuer und ineffizient. Entscheidend ist aber, dass daraus kein Blankoscheck zulasten der Telekommunikationsunternehmen wird." Sie investierten selbst erheblich in Antennen, aktive Technik und Betrieb. Eine Kostenbeteiligung müsse sich deshalb an den tatsächlich entstehenden und nachvollziehbaren Mehrkosten für den öffentlichen Mobilfunk orientieren.
"Zugleich muss der Zugang für alle Netzbetreiber transparent, diskriminierungsfrei und zu fairen, kostenorientierten Bedingungen möglich sein. Dann kann der FRMCS-Ausbau tatsächlich zum Hebel für deutlich besseren Mobilfunk im Zug werden", betonte Wernke.
Der Golem-Blick
Der Streit um den FRMCS-Ausbau offenbart das fundamentale Dilemma der deutschen Schienen-Konnektivität: Während der Staat Milliarden Steuergelder für passive Infrastruktur ausgeben könnte und die Bahn vor allem den neuen Zugfunk und besseres WLAN im Blick hat, rangeln die Mobilfunkkonzerne um Profitwege, Standortmieten und die Abwälzung von Investitionskosten. Dass Fahrgäste im Jahr 2026 im Tunnel oder auf freier Strecke noch immer regelmäßig mit abgerissenen Verbindungen und überlastetem Zug-WLAN kämpfen, ist das direkte Resultat dieser Interessen.
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