Fritzing Creator Kit im Test: Bastelkasten für Nachwuchs-Arduino-Hacker
Wer als Einsteiger ein Arduino in die Hand gedrückt bekommt, weiß erst einmal kaum etwas damit anzufangen. Das Programm Blink, das der Entwicklungsumgebung für das Arduino als Beispiel beiliegt, lässt immerhin die LED auf der Steuerungsplatine leuchten.

Dass das Arduino aber weit mehr kann, zeigen die vielen Projekte, in denen die Bastelplatine zum Einsatz kommt, etwa bei der kreativen Beleuchtung auf den Kongressen des Chaos Computer Club. Das Blinkenlights-Kollektiv setzt das Arduino für die Steuerung der bunten Lichter ein. Das Arduino kommt aber auch vor in: 3D-Druckern, Wetterstationen, der Heimautomation, Oszilloskopen, Lügendetektoren und und und...
Das Creator Kit(öffnet im neuen Fenster) des Fritzing-Projekts(öffnet im neuen Fenster) will Einsteigern den Umgang mit dem Arduino beibringen. Die Steuerplatine ist das Herzstück des Bastelkastens. Mehr noch: Es soll einen Einstieg in die Elektronik bieten, und zwar in die interaktive, die kreative Elektronik. Dazu hat Fritzing dem Creator Kit eine umfangreiche gedruckte Einführung beigelegt.
Schon vor dem Unboxing ist das Creator Kit ein Hingucker. Auf der Verpackung ist das Arduino zu sehen samt Steckplatine, LEDs, Potentiometer, einem Roboter und einem Dinosaurier. Und die sind auch drin. Schon das Auspacken und Stöbern im Baukasten macht Laune.
Gemeinschaftsprojekt Handbuch
Das 130-seitige Handbuch, in dem die Bastelprojekte beschrieben werden, ist auf Hochglanzpapier gedruckt und gebunden. Als Autor ist zwar Stefan Hermann vom Fritzing-Projekt eingetragen, es soll aber mit Hilfe zahlreicher Fritzing-Entwickler sowie Erfahrungen aus "unzähligen Workshops" entstanden sein.
Für sämtliche Projekte, die in dem Buch beschrieben sind, hat das Fritzing-Team die elektronischen Bauteile beigelegt: LEDs, Widerstände, einen Motor oder einen Servo. Der Dinosaurier und der Roboter liegen als Bastelbogen bei.
Die "Einführung in den kreativen Umgang mit Elektronik" beginnt mit der Vorstellung einiger ungewöhnlicher Projekte, die mit dem Arduino realisiert wurden, darunter ein Zähler an einem Bienenstock oder ein Wachstumsmonitor für Pflanzen, der Töne generiert.
Didaktisches Processing nach Handbuch
Das Handbuch ist allerdings für Einsteiger gedacht, genauer gesagt für Jugendliche, die noch wenig Ahnung von Elektronik und der Programmierung des Arduinos haben. Es dutzt die Leser. Und es beginnt einfach. Zunächst wird das Arduino auf eine durchsichtige Kunststoffplatte geschraubt. Daneben können die beiden Steckplatinen aufgeklebt werden. Wie genau die Kunststoffplatten bestückt werden sollen, wird in einer detaillierten schriftlichen Anleitung und einer schematischen Zeichnung dargestellt. Erstes Kapitel: abgehakt.
Im zweiten Kapitel gibt es erste Berührungspunkte mit Schaltplänen und der Arduino-Programmierung. Noch bleibt die Aufgabe recht einfach. Ziel ist es, mit dem Arduino eine LED blinken zu lassen. Im beiliegenden Text gibt es auch eine erste Einführung in die Elektronik. Dabei wird erklärt, dass die LED bei 5 Volt, die das Arduino standardmäßig liefert, zerstört werden kann. Deshalb muss einer der mitgelieferten Widerstände verwendet werden.
Elektronikgrundlagen
Weiter hinten wird in der Anleitung erläutert, was es mit elektrischem Widerstand auf sich hat und welche Maßeinheit dafür verwendet wird. Das Niveau entspricht in etwa dem des Physikunterrichts in der Mittelstufe.
Es ist allerdings später auch von der Programmiersprache Processing die Rede, die dann über das Arduino geschieht. Dafür wird etwa eine digitale Zaubertafel gebastelt. Über die beigelegten Potentiometer wird auf dem Bildschirm eines angeschlossenen Rechners eine Skizze erstellt. Der Neigungsschalter, über den durch Schütteln das Skizzenblatt wieder geleert wird, liegt dem Bastelkasten ebenfalls bei.
So kann sich der angehende Arduino-Bastler von Projekt zu Projekt hangeln. Der Schwierigkeitsgrad steigt zwar gleichmäßig, die Zusatzaufgaben, die die Arduino-Programmierung vertiefen sollen, sind aber teilweise recht kniffelig. Schwieriger wird es im letzten Kapitel, das Processing mit dem Arduino anreißt. Dafür werden bestimmte Java-Bibliotheken und Firmata(öffnet im neuen Fenster) benötigt, die samt der Software von der Processing-Webseite heruntergeladen werden müssen. Damit lassen sich Projekte realisieren, die die Interaktion zwischen Rechnern umsetzen. Auch hier decken die Aufgaben grundlegende Beispiele dafür ab.
Anreiz für eigene Projekte
Sämtliche Aufgaben im Handbuch sind aber fehlerfrei umgesetzt, und der entsprechende Code funktionierte ebenfalls ohne nachträgliche Korrekturen.
Jede Übung bringt ein Resultat, mit dem gespielt oder weiter gebastelt werden kann. So erhält der Lernende ein klares Ziel, aber auch einen Anreiz, seine eigene Fantasie einzusetzen und sich selbst ein Projekt auszudenken.
Es gibt nur ein kleines Manko: Leider enthält das Buch keine Empfehlungen für das Debuggen, wenn ein Programm nicht wie gewünscht funktioniert.
Fritzing bietet eine freie Software(öffnet im neuen Fenster) , mit der sich später eigene Schaltpläne und Vorlagen für Leiterplatinen erstellen und dokumentieren lassen. Mit dem Creator Kit will das Projekt sich selbst finanzieren, vor allem aber weitere Entwickler dazu animieren, ihre Projekte über ihre Plattform zu präsentieren. Dort gibt es neben Hilfe im Forum auch Video-Tutorials, die den Einstieg vertiefen sollen.
Verfügbarkeit und Fazit
Das Creator Kit kostet bei Fritzing 95 Euro(öffnet im neuen Fenster) . Das Geld fließt in das Projekt zurück. Laut Fritzing ist der Baukasten für alle ab 12 Jahren geeignet.
Fazit
Viele Elektronikbaukästen bringen zwar umfangreiche Bauteile mit, was Einsteiger aber damit anfangen sollen, bleibt meist ihnen selbst überlassen. Hier hebt sich Fritzing mit seinem Creator Kit deutlich hervor – mit Projekten zum Anfassen.
Das beiliegende Handbuch ist didaktisch gut aufgebaut. Tiefergehende Programmierkenntnisse lassen sich mit Zusatzaufgaben erlangen. Einsteiger dürften trotzdem nicht gleich frustriert aufgeben, denn Lösungen werden auch gleich angeboten.
Unter unseren Versuchskaninchen war auch ein Zehnjähriger, der von dem Bastelkasten begeistert war und gut mit den Aufgaben klarkam – zumindest mit den ersten. Auch uns hat das Creator Kit sehr gut gefallen. Und wir freuen uns auf weitere Basteleien mit dem beigelegten Arduino. Ideen haben wir inzwischen einige.
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