"Freifahren": Diese App warnt Berliner Fahrgäste vor Ticket-Kontrollen
Die App Freifahren(öffnet im neuen Fenster) zeigt auf einer Karte, wo in U- und S-Bahnen in Berlin gerade kontrolliert wird. Wer eine Kontrolle beobachtet oder selbst kontrolliert wird, meldet das mit wenigen Klicks. Der Ort lässt sich manuell eingeben oder automatisch über die Standortfreigabe erfassen, die Uhrzeit übernimmt die App von selbst. Aus den gesammelten Meldungen berechnet das System zudem, in welche Richtung sich die Kontrolleurteams vermutlich als Nächstes bewegen.
Aus einer Chatgruppe wurde ein Vorhersage-System
Entwickelt wurde die App von Johan Trieloff, 21 Jahre alt und Informatikstudent an der TU Berlin, wie die Taz in einem Interview mit ihm berichtet(öffnet im neuen Fenster). Die Idee entstand demnach 2023, nachdem Trieloff ein Buch über soziale Ungleichheit vor Gericht gelesen hatte. Besonders hängen geblieben sei ihm dem Interview nach die Zahl von bis zu 9.000 Menschen, die jährlich wegen Schwarzfahrens in deutschen Gefängnissen sitzen. Ursprünglich tauschten sich Studierende ohne Semesterticket in großen Whatsapp- und Telegram-Gruppen über Kontrollen aus, Trieloff begann, diese Meldungen auszulesen und auf einer Karte darzustellen. Zwei Freunde stießen dazu und aus dem Projekt wurde die heutige Web-App.
Zehntausende Nutzer, zwei Beweggründe
Nach Angaben des Entwicklers nutzen mittlerweile rund 40.000 Menschen die App regelmäßig, im Schnitt sind etwa 100 Personen gleichzeitig aktiv. Freifahren ist im App Store und als Web-App verfügbar, ein Teil der Meldungen stammt weiterhin aus den ursprünglichen Chatgruppen. Trieloff unterscheidet zwei Nutzergruppen. Die einen könnten sich ein Ticket kaum leisten, die anderen besäßen zwar meist eines, meldeten die Kontrollen aber aus Solidarität.
Rechtlich unbedenklich, aber nicht unumstritten
Rechtlich sieht sich das Team auf vergleichsweise sicherem Terrain. Anwälte hätten dem Projekt bestätigt, dass wenig Spielraum für ein Verbot bestehe. Kritik, wonach der Nahverkehr auf Ticketeinnahmen angewiesen sei, lässt Trieloff nur bedingt gelten, ein Großteil der Finanzierung stamme aus öffentlichen Mitteln und nicht aus dem Ticketverkauf.
Für die Zukunft plant das Team technische Verbesserungen, etwa um wiederkehrende Kontrollrouten früher zu erkennen. Auch eine Ausweitung auf weitere Städte ist angedacht, technisch wäre das nach Angaben Trieloffs kein größeres Hindernis.


