Freies Betriebssystem: Haiku-Entwickler diskutieren Kernel-Wechsel

Die Entwickler des Haiku-Projektes diskutieren den Wechsel vom selbst geschriebenen Kernel hin zu Linux oder einem Kernel der BSD-Betriebssysteme. Dem vorausgegangen ist eine E-Mail(öffnet im neuen Fenster) , in der Sia Lang einen arbeitsfähigen Prototypen des BeOS-API-Nachbaus auf Basis von Linux ankündigt.
Damit seien die Module, die sogenannten Kits, App/Interface und Network bereits nach wenigen Monaten Entwicklung in einem annehmbaren Zustand, da Linux die harte Arbeit übernehme, schreibt Lang. Eventuell ließe sich mit diesem Vorgehen die gesamte Entwicklung von Haiku beschleunigen. Schreitet die Entwicklung des freien Betriebssystems weiterhin so langsam voran, wird Lang wohl ebenfalls an dem Wechsel weiterarbeiten. Unterstützt wird dieses Vorhaben von anderen Beteiligten in bekannter Hacker-Manier als Freizeitprojekt mit offenem Ende.
Für einen Wechsel spricht die einfache Wiederverwendbarkeit von Treibern oder den Implementierungen bestimmter Protokolle und einer stabilen Basis. Dennoch wird der Vorschlag derzeit von vielen nicht als ernsthaft machbare Umsetzung erwogen. Neben dem nötigen Arbeitsaufwand wird auch die Komplexität der Linux-Systeme mit zu vielen übereinanderliegenden Schichten als kritisch angesehen.
Dazu zählen etwa die Anstrengungen des Systemd-Projekts. Dieses möchte, wie Hauptentwickler Poettering immer wieder betont , den Linux-Userspace standardisieren. Doch Haiku verwendet eigene Userspace-Programme, was aus Sicht einiger auch beibehalten werden soll. Denn auch die vergleichsweise große Eigenständigkeit von Haiku ist vielen wichtig. Dass Haiku mittelfristig auf einen anderen Kernel wechselt, scheint zumindest derzeit also eher unwahrscheinlich. Trotzdem möchte Lang ein Quellcode-Repository mit den Arbeiten zur Linux-Nutzung bereitstellen.



