Freier Videocodec AV1: Was der VP9-Nachfolger leisten kann

Der freie Videocodec AV1 gilt als Nachfolger von Googles VP9 und wird mit großer Unterstützung der Industrie erstellt. Er ist zwar noch nicht fertig, trotzdem zeigt sich bereits, dass er großes Potenzial hat, die MPEG-Codecs H.264 und H.265 langfristig zu verdrängen.

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AV1 sieht vor allem im Vergleich zu H.264 deutlich besser aus.
AV1 sieht vor allem im Vergleich zu H.264 deutlich besser aus. (Bild: Blender Foundation | durian.blender.org - Bearbeitung Martin Wolf/Golem.de/CC-BY 3.0)

In den vergangenen Jahrzehnten unterlag der Einsatz von Videocodec-Technik einer gewissen Hybris. Einerseits sind die Codecs der Moving Picture Experts Group (MPEG), wie etwa H.264 alias AVC und dessen Nachfolger H.265 alias HEVC, durch Patente geschützt. Andererseits sind die wohl besten Software-Encoder und Decoder meist freie Software. Die für die Patente nötigen Lizenzzahlungen widersprechen aber oft einer freien Weiterverteilung und sind vor allem für H.265 extrem hoch. Der neue und freie Videocodec AV1 soll diese Probleme überwinden und dabei noch besser sein als H.265, was beides schon in wenigen Monaten erreicht werden könnte.

Breite Unterstützung von der Industrie

Inhalt:
  1. Freier Videocodec AV1: Was der VP9-Nachfolger leisten kann
  2. Sichtbar besser, aber langsam

Der Codec AV1 entsteht beim Konsortium Alliance for Open Media (Aomedia). In der Aomedia organisieren sich verschiedene Unternehmen, die wohl sämtliche Bereiche der Industrie abdecken, die Interesse an einem Videocodec haben. Dazu gehören neben Hardwareproduzenten wie Intel, AMD oder Nvidia ebenso jene, die die Logik für En- und Decoding in Hardware lizenzieren, wie Verisilicon, Allegro und ARM.

Wichtig ist die Aomedia für Inhalteanbieter wie Netflix und Amazon, aber auch für die BBC sowie weitere Anbieter von Streaming-Lösungen etwa für Videokonferenzen. Wohl am wichtigsten sind aber die Wegbereiter beim Erstellen eines neuen Videcodecs: Google, Mozilla und Cisco.

VP9-Nachfolger mit viel neuer Technik

Denn AV1 geht aus der Zusammenarbeit der eben genannten Firmen hervor und liefert dabei beeindruckende Ergebnisse. Doch obwohl eben diese Zusammenarbeit an einem gemeinsamen Ziel folgerichtig erscheint, war es bis dahin ein langer Weg. Vorgelegt hat die hauptsächlich von Mozilla unterstützte Xiph Foundation mit der Ankündigung des Codecs Daala im Sommer 2013. Hauptziel war es, die in H.264 und H.265 genutzten theoretischen Grundlagen durch völlig neue Ansätze zu ersetzen, was deutlich bessere Ergebnisse liefern sollte.

  • Szene kodiert mit AV1 bei 300 KBit/s (Quelle: erstellt mit Inhalten von Blender Foundation | durian.blender.org - CC BY 3.0)
  • Szene kodiert mit x264 bei 300 KBit/s (Quelle: erstellt mit Inhalten von Blender Foundation | durian.blender.org - CC BY 3.0)
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  • Szene kodiert mit x264 bei 300 KBit/s (Quelle: erstellt mit Inhalten von Blender Foundation | durian.blender.org - CC BY 3.0)
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  • Szene kodiert mit AV1 bei 300 KBit/s (Quelle: erstellt mit Inhalten von Blender Foundation | durian.blender.org - CC BY 3.0)
  • Szene kodiert mit x264 bei 300 KBit/s (Quelle: erstellt mit Inhalten von Blender Foundation | durian.blender.org - CC BY 3.0)
  • Szene kodiert mit x265 bei 300 KBit/s (Quelle: erstellt mit Inhalten von Blender Foundation | durian.blender.org - CC BY 3.0)
Szene kodiert mit AV1 bei 300 KBit/s (Quelle: erstellt mit Inhalten von Blender Foundation | durian.blender.org - CC BY 3.0)
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Kurz zuvor hatte Google den freien Code VP9 veröffentlicht, dessen Nachfolger VP10 Google eigentlich in diesem Jahr hätte veröffentlichen wollen. Doch die für VP10 geplanten Verbesserungen werden mit Details aus Daala kombiniert. Hinzu kommen Bestandteile von Ciscos Codec Thor. Diese Kooperation deutete sich bereits im Herbst 2015 an. In diesem Jahr ist aus diesen Einzelteilen langsam der Open-Source-Codec AV1 der Aomedia erstellt worden.

AV1 ist lizenzkostenfrei

Doch dass sich Open Source allein nicht zwingend durchsetzt, zeigt sich an VP9. Dieser Codec wird zwar von vielen Browsern unterstützt und etwa von Youtube standardmäßig verwendet, eine breite Marktdurchdringung hat er aber immer noch nicht erreicht. Der Grund dafür liegt wahrscheinlich an der über Jahrzehnte gewachsenen Bindung der Industrie an H.264.

Ein Wechsel hin zu VP9 ist für viele Beteiligte vermutlich einfach zu aufwendig, zudem gibt es technisch nur wenige Gründe, VP9 zu verwenden. So ist etwa die Hardwareunterstützung für H.264 in nahezu jedem aktuellen Gerät verfügbar, für VP9 gilt das nicht.

Vermutlich wird sich AV1 dennoch deutlich schneller verbreiten als VP9, was wiederum auf einen Technikwandel zurückzuführen ist, der momentan stattfindet. Denn mit der Einführung von 4K-Auflösungen und Techniken wie HDR und einem größeren Farbraum ist der Wechsel auf eine neue Codec-Generation gekommen.

Allerdings kostet der Einsatz von H.265 deutlich mehr als H.264. Das liegt auch daran, dass mit der MPEG LA und der HEVC Advance gleich zwei Patentkonsortien existieren, die entsprechende Lizenzzahlungen verlangen. AV1 hingegen ist nicht nur Open Source, sondern die Aomedia verteilt den Codec auch mit einer Patentlizenz, die einen kostenfreien Einsatz ermöglicht.

Diese juristischen Details sind für die Beteiligten aber nur einer von zwei Gründen für AV1. Wohl noch wichtiger ist die Qualität des Videocodecs selbst. Und auch hier liefert AV1 überzeugende Ergebnisse.

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Sichtbar besser, aber langsam 
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Limit 10. Jan 2017

Netflix hat es bisher außer bei ein paar wenige UHD-Titeln alles bei AVC belassen...

ArneBab 03. Jan 2017

In Freenet¹ hat jemand (anonym) gezeigt, dass sich mit vp9 Animes im Vergleich zu h264...

SoniX 27. Dez 2016

Hmm... Irgendwie gehts nun doch auch einfacher. Wenn ich x264 einfach ein tff (oder...

GodFuture 22. Dez 2016

Absolut meine Meinung. Wenn Größen wie Mozilla oder Wikipedia hauptsächlich von Spenden...

SouThPaRk1991 21. Dez 2016

Ich denke dabei geht es dem Autor vor allem darum zu zeigen, dass der (von Aomedia...



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