Abo
  • Services:

Freie Software: Curl-Entwickler Stenberg darf weiterhin nicht in die USA

Nach einer Wartezeit von mehr als 100 Tagen vermutet Curl-Entwickler Daniel Stenberg inzwischen, dass die USA ihm wohl auch ein zweites Mal die Einreise verweigern wird. Er kann damit nicht an den Konferenzen seines Arbeitgebers Mozilla teilnehmen.

Artikel veröffentlicht am , Kristian Kißling/Linux Magazin/
Curl-Entwickler Daniel Stenberg wartet zurzeit auf ein Visum für die USA.
Curl-Entwickler Daniel Stenberg wartet zurzeit auf ein Visum für die USA. (Bild: Daniel Stenberg/CC-BY-SA 3.0)

"Der Türhüter stellt öfters kleine Verhöre mit ihm an, fragt ihn über seine Heimat aus und nach vielem andern, es sind aber teilnahmslose Fragen, wie sie große Herren stellen, und zum Schlusse sagt er ihm immer wieder, dass er ihn noch nicht einlassen könne." Die Szene aus Franz Kafkas Vor dem Gesetz erlebt der Schwede Daniel Stenberg gerade in der Realität. Der Entwickler des Werkzeugs Curl geht davon aus, dass ihm die USA offenbar ein zweites Mal die Einreise zu einer von Mozilla organisierten Konferenz verweigert.

Stellenmarkt
  1. ING-DiBa AG, Frankfurt
  2. Autobahndirektion Südbayern, München

Seine offizielle Visabewerbung laufe nun schon mehr als 100 Tage, er sei entsprechend nicht sehr optimistisch, dass er ein Visum erhalte, erklärt Stenberg in einem Blogpost. Immerhin könne er einige der Theorien, warum ihm die Einreise beim ersten Mal verweigert wurde, nun ausschließen.

Zweiter Versuch nach Esta-Ablehnung

Nachdem der Erfinder des beliebten Tools Curl schon im vergangenen Jahr nicht an der internen Mozilla-Konferenz teilnehmen durfte, weil das Land ihm aus unbekannten Gründen die Einreise verweigerte, startete er im April 2018 einen zweiten Versuch, eine Esta-Genehmigung zu bekommen. Die Ablehnung kam postwendend, er sei für das Programm nicht autorisiert. Er könne sein Visum aber eventuell über das Außenministerium erhalten.

Also versuchte es Stenberg über ein gewöhnliches Visum, füllte geduldig den mehr als zehnseitigen Antrag aus, der auch viele persönliche Details anfragt, zahlte 160 US-Dollar und machte einen Termin, um in der schwedischen US-Botschaft zu erscheinen. Dort erklärte er, er sei nicht im Iran, Irak oder Sudan gewesen und erhielt die Auskunft, dass es ein paar Wochen dauern werde, sein Visa zu bearbeiten.

Private Daten der vergangenen 15 Jahre notwendig

Zurück zu Hause, erhielt Stenberg eine E-Mail, er müsse ein zusätzliches Formular ausfüllen und seine Reisen, Wohnorte, Arbeitgeber und E-Mail-Adressen der vergangenen 15 Jahre angeben - um diese sensiblen Daten dann per E-Mail an die Visabearbeiter zu schicken. Er könne verstehen, wenn Besucher an dieser Stelle von einer Reise in die USA absähen, er habe sich diesen Aufwand aber trotzdem zugemutet, weil häufiger Konferenzen in den USA stattfänden und er viele Kontakte und Freunde dort habe, schreibt Stenberg.

Auf eine Bearbeitung seines Visums wartet Stenberg allerdings bis heute. Er sei schon in zahlreichen Ländern mit Visapflicht gewesen, nirgends habe eine Bewerbung länger als ein paar Wochen gedauert. Stenberg glaubt daher nicht mehr an einen Erfolg seiner Bewerbung, befürchtet aber auch, dass sich die potenzielle Ablehnung womöglich auch negativ auf nachfolgende Reisen auswirke, etwa nach Kanada.

Stenberg selbst vermutet, dass die Ablehnung mit seiner Tätigkeit als Chefentwickler von Curl zu tun habe. Die freie Software Curl, die nicht viel mehr tut, als Software aus dem Internet herunterzuladen, hat seiner Einschätzung nach etwa eine Milliarde Nutzer, auch wenn diese davon oft selbst gar nichts mitbekommen.

Curl wird nicht nur in vielen Security-Werkzeugen, sondern auch in Malware eingesetzt, was wegen der freien Verfügbarkeit des Codes recht einfach umzusetzen ist. Tatsächlich hatten sich in der Vergangenheit immer mal wieder vermeintliche Opfer oder auch Nutzer seiner Software bei ihm gemeldet, weil seine E-Mail-Adresse in den Lizenzbedingungen steht. Auch seine Internetdomain haxx.se könnten weniger IT-affine Menschen missverstehen. Das könnte dazu führen, dass die zuständigen US-Beamten Stenberg mit illegalen Tätigkeiten in Verbindung bringen und ihm deshalb die Einreise verwehrt wird. Die Esta-Regeln jedenfalls habe er nicht verletzt, so Stenberg.



Anzeige
Blu-ray-Angebote
  1. (u. a. Outlander, House of Cards)
  2. 9,99€
  3. 4,25€

x2k 01. Aug 2018 / Themenstart

Geht es denn wenn er einen fork zwar erlaubt, jedoch nicht für die Verwendung in den...

tingelchen 01. Aug 2018 / Themenstart

Auf welcher rechtlichen Grundlage soll man die USA zwingen zu Zahlen? ist ja schön wenn...

tingelchen 01. Aug 2018 / Themenstart

So und nicht anders sieht es aus. Als ob es so geheim wäre das man nach Namen und Gesicht...

Golressy 01. Aug 2018 / Themenstart

Auf der Seite haxx.se habe ich kein Impressum oder ähnl. gesehen. Nur eine E-Mail...

Der Held vom... 31. Jul 2018 / Themenstart

Mit genügend Geld kann man sich das Wohlwollen von Leuten kaufen, deren Einfluss die...

Kommentieren


Folgen Sie uns
       


Smartphones Made in Germany - Bericht

Gigaset baut Smartphones - in Deutschland.

Smartphones Made in Germany - Bericht Video aufrufen
Smartphone von Gigaset: Made in Bocholt
Smartphone von Gigaset
Made in Bocholt

Gigaset baut sein Smartphone GS185 in Bocholt - und verpasst dem Gerät trotz kompletter Anlieferung von Teilen aus China das Label "Made in Germany". Der Fokus auf die Region ist aber vorhanden, eine erweiterte Fertigung durchaus eine Option. Wir haben uns das Werk angeschaut.
Ein Bericht von Tobias Költzsch

  1. Bocholt Gigaset baut Smartphone in Deutschland

Indiegames-Rundschau: Schiffbruch, Anime und viel Brummbrumm
Indiegames-Rundschau
Schiffbruch, Anime und viel Brummbrumm

Gas geben, den weißen Hai besiegen und endlich die eine verlorene Socke wiederfinden: Die sommerlichen Indiegames bieten für jeden etwas - besonders fürs Spielen zu zweit.
Von Rainer Sigl

  1. Indiegames-Rundschau Spezial Unabhängige Riesen und Ritter für Nintendo Switch
  2. Indiegames-Rundschau Schwerelose Action statt höllischer Qualen
  3. Indiegames-Rundschau Kampfkrieger und Abenteuer in 1001 Nacht

Automatisiertes Fahren: Der schwierige Weg in den selbstfahrenden Stau
Automatisiertes Fahren
Der schwierige Weg in den selbstfahrenden Stau

Der Staupilot im neuen Audi A8 soll der erste Schritt auf dem Weg zum hochautomatisierten Fahren sein. Doch die Verhandlungen darüber, was solche Autos können müssen, sind sehr kompliziert. Und die Tests stellen Audi vor große Herausforderungen.
Ein Bericht von Friedhelm Greis

  1. Navya Mainz testet autonomen Bus am Rheinufer
  2. Drive-by-wire Schaeffler kauft Lenktechnik für autonomes Fahren
  3. Autonomes Fahren Ubers Autos sind wieder im Einsatz - aber nicht autonom

    •  /