Freie Lizenzen: Gericht verhandelt AGPL-Vertragsverletzung

Ist ein Verstoß gegen die GNU GPL nicht nur eine Urheberrechtsverletzung, sondern auch eine Vertragsverletzung? Ein Gericht in den USA hat eine Klage unter diesem Aspekt zugelassen und wird sich mit dieser Frage beschäftigen.

Artikel veröffentlicht am ,
Ghostscript ist Gegenstand einer Klage wegen Vertragsverletzung in den USA.
Ghostscript ist Gegenstand einer Klage wegen Vertragsverletzung in den USA. (Bild: Artefix/GNU Free Documentation License)

Bislang haben mehrere erfolgreiche Klagen wegen Copyright- beziehungsweise Urheberrechtsverletzungen der GNU General Public License 3 (GNU GPL) die Rechtssicherheit der freien Lizenz gefestigt. Seltener wird die Frage der Vertragsverletzung verhandelt. Unter diesem Aspekt hat ein Gericht in den USA eine Klage jetzt zugelassen.

Stellenmarkt
  1. SAP-Inhouse-Berater SD/MM (w/m/d)
    Salzgitter Mannesmann Handel GmbH, Mülheim an der Ruhr
  2. Technical Consultant Storage Block/San (m/w/d)
    operational services GmbH & Co. KG, Leinfelden-Echterdingen, München
Detailsuche

Ghostscript ist die weit verbreitete Software, die Gegenstand der Klage zwischen dem Hersteller Artifex und dem Unternehmen Hancom ist. Artifex stellt Ghostscript sowohl unter der GNU GPL 3 - genauer dem Derivat AGPL 3+ - kostenfrei als auch in einer kostenpflichtigen Variante zur Verfügung; Letztere ohne die Verpflichtungen, die die AGPL mit sich bringt. Sie erweitert die GNU GPL um eine Klausel, die verpflichtet, den Quelltext genutzter GNU-GPL-Software auch dann zur Verfügung zu stellen, wenn sie nicht direkt zum Download angeboten wird, etwa bei einem serverseitigen Einsatz. Die von Artifex ebenfalls mitentwickelte Version GNU Ghostscript, die unter der GNU GPL 3 angeboten wird, ist jedoch nicht Teil der Verhandlung.

Ghostscript-Entwickler Artifex wirft Hancom nun vor, Ghostscript in seiner proprietären Software eingebunden zu haben, ohne sich an die AGPL zu halten und auch keine Ausnahmelizenz von Artifex erworben zu haben. In der eingereichten Klageschrift beruft sich Artifex dabei nicht nur auf eine Verletzung des Copyrights, sondern auch auf eine Vertragsverletzung gegen die AGPL. Immerhin handelt es sich bei der GNU GPL als auch bei der AGPL um eine Lizenz.

Wirtschaftlicher Wert auch ohne Monetarisierung

Zunächst musste der Richter entscheiden, ob eine Klage überhaupt zugelassen werden kann. Hancoms Anwälte hatten argumentiert, dass Artifex ungenügend auf die AGPL hingewiesen hätte. Das Gericht befand jedoch, dass darauf in der Software hingewiesen wurde. Zudem habe Hancom selbst auf die APGL in seiner Software verwiesen. Das Gericht befand deshalb, dass Hancom sehr wohl einen Vertrag mit Artifex eingegangen sei.

Golem Karrierewelt
  1. Airtable Grundlagen: virtueller Ein-Tages-Workshop
    31.08.2022, Virtuell
  2. C++ Programmierung Basics: virtueller Fünf-Tage-Workshop
    05.-09.09.2022, virtuell
Weitere IT-Trainings

Außerdem argumentierten Hancoms Anwälte, dass Artifex keinen Nachteil durch den angeblichen Vertragsbruch erlitten habe. Dem widersprach der Richter und zog dabei ein früheres Urteil heran, nach dem es substanzielle und wirtschaftliche Vorteile bei der Erstellung und Verteilung von Werken unter freien Lizenzen gebe, die weit über verlangte Gebühren traditioneller Lizenzen hinausgingen. Auch deshalb wird das Gericht die Klage sowohl unter dem Vorwurf einer Vertragsverletzung und einer Verletzung des Copyrights zulassen. Auch wenn die Klage zunächst in erster Instanz verhandelt wird, könnte sie weitere Präzedenzen für freie Lizenzen schaffen.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Sparmaßnahmen
"Komplettes Chaos" nach Entlassungen bei Oracle

Auch Oracle hat einen massiven Stellenabbau begonnen. Das Unternehmen will eine Milliarde US-Dollar an Kosten einsparen.

Sparmaßnahmen: Komplettes Chaos nach Entlassungen bei Oracle
Artikel
  1. Klimawandel: SSDs sind klimaschädlicher als mechanische Festplatten
    Klimawandel
    SSDs sind klimaschädlicher als mechanische Festplatten

    Während ihrer Lebensdauer verursacht eine SSD fast doppelt so hohe CO2-Emissionen wie eine mechanische HDD.

  2. Elektroauto: Erster Microlino in der Schweiz ausgeliefert
    Elektroauto
    Erster Microlino in der Schweiz ausgeliefert

    Mit einiger Verzögerung ist das elektrische Kleinstauto Microlino an die ersten Kunden ausgeliefert worden.

  3. Microsoft Loop: Riesenkonzept mit Riesenchance auf Riesenchaos
    Microsoft Loop
    Riesenkonzept mit Riesenchance auf Riesenchaos

    Sehr unauffällig rollt Microsoft seine neue Technik Loop für die Onlinezusammenarbeit aus. Admins sollten sie jetzt schon auf dem Schirm haben, denn sie ist vielversprechend, erfordert aber viel Eindenken. Wir erklären sie im Detail.
    Von Mathias Küfner

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • MindStar (Gainward RTX 3070 559€, ASRock RX 6800 639€) • WD Black 2TB m. Kühlkörper (PS5) 219,90€ • Gigabyte Deals • Alternate (DeepCool Wakü 114,90€) • Apple Week bei Media Markt • be quiet! Deals • SSV bei Saturn (u. a. WD_BLACK SN850 1TB 119€) • Gamesplant Summer Sale [Werbung]
    •  /