FreeD: Wie Intel die Sportübertragungen verändern will
Bei Sportarten wie Basketball, Baseball und Fußball kann oftmals ein kurzer Moment von ein, zwei Sekunden spielentscheidend sein. Wie wurde der Gegenspieler ausgespielt? Warum hat der Schiedsrichter nicht Foul gepfiffen? Konnte er die Aktion überhaupt sehen? Seit Beginn der Sportübertragungen im Fernsehen versuchen Kameraleute, Regisseure und viele andere beteiligte Personen, eben diese entscheidenden Momente dem Zuschauer so gut wie möglich zu vermitteln.
Ein israelisches Startup(öffnet im neuen Fenster) schien im Jahr 2011 eine Lösung gefunden zu haben, um diese wenigen Sekunden noch besser darzustellen: Mit einem fest installierten Kamerasatz und viel Rechenpower wird das komplette Spielgeschehen zu einem volumetrischen Bild zusammengefügt, indem Kameraposition und Winkel nachträglich freigesetzt werden können – die FreeD-Technologie entstand.

Im Basket- und Baseball kommt die Technik bei TV-Übertragungen schon länger zum Einsatz: Der entscheidende Pass kann aus Perspektive des Spielers und des Gegenspielers nachvollzogen werden. Und Trick-Shots sehen mit der FreeD-Technik noch spektakulärer aus. Im Frühjahr 2016 hat Intel das Startup gekauft und bringt die Expansion noch weiter voran: Seit Dezember wird die Technik auch im europäischen Fußball eingesetzt. Im Camp Nou, dem Stadion des FC Barcelona, konnte sich Golem.de die Technik anschauen.
Das Traditionsspiel mit neuer Technologie
Zum El Classico – dem Spiel zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid – kündigte die spanische La Liga die Kooperation mit Intel an: In den kommenden drei Spielzeiten soll FreeD bei Fußballübertragungen verwendet werden. Dazu wurden die Stadien des FC Barcelona und Real Madrids mit der nötigen Technik ausgestattet.
Die Techniker von Intel installierten am Mittelrang des Camp Nou in Barcelona insgesamt 38 Kameras. Mit einem Winkel von 45 Grad decken sie jeden Zentimeter des Spielfelds aus verschiedenen Perspektiven ab und sind die Basis der Technologie. Interessant ist, dass die Kameras im Grunde nur aus Objektiv und Bildsensor mit 5K-Auflösung bestehen, die Daten werden direkt per Glasfaserkabel an den Übertragungscontainer am Rand des Stadiongeländes gesendet und erst dort von zwei für das FreeD-System verantwortlichen Personen verarbeitet – in kurzer Zeit.
Die Zukunft soll noch mehr Freiheiten bringen
Die Kamerafahrten werden von zwei Personen erstellt, einem sogenannten Piloten und einem Navigator. Rund 30 Sekunden haben sie Zeit, um eine Szene zu erstellen, rund 30 bis 40 Sekunden werden vom Server zur Berechnung benötigt. Spätestens dann muss die Wiederholung den Fernsehteams zur Verfügung stehen.
Bisher wird diese Technik nur bei Standbildern eingesetzt, noch ist es laut Intel nämlich nicht möglich, ganze Spielszenen in der zur Verfügung stehenden Zeit zu verarbeiten und zu berechnen. In den kommenden Jahren will Intel aber genau dafür Lösungen schaffen. Irgendwann sollen bei Sportübertragungen normale Kameras nicht mehr nötig sein, das FreeD-System soll sie ersetzen.
Der Zuschauer wird zum Regisseur
Und noch viele andere Pläne gibt es, wie James Carwana, CEO der Intel Sport-Abteilung, in Barcelona anriss . Intel wolle ein System entwickeln, bei dem der Zuschauer selbst die Möglichkeit habe, die Kameraposition während des Spiels oder bei Wiederholungen frei zu wählen – ganz bequem vom Sofa aus.
Als Hilfe für Schiedsrichterentscheidungen solle das System ebenfalls dienen. Doch bisher scheinen die Fußballverbände wenig Interesse daran zu haben, noch mehr Technik zur Unterstützung der Schiedsrichter einzusetzen.
Mit Virtual Reality das Spiel analysieren
Die volumetrischen Bilder könnten in Zukunft auch zur Spielanalyse mit Virtual-Reality-Brillen genutzt werden. So könne sich die Mannschaft etwa im Strafraum stehend noch einmal Standardsituationen wie Eckbälle analysieren und schauen, wie sich die Spieler in Zukunft besser positionieren können.
Noch sind diese Szenarien Zukunftsbilder, doch zeigen sie, wie sich der eher traditionelle Fußball langsam neuen Technologien öffnet. Um FreeD weiter voranzubringen, muss Intel noch viele Probleme lösen: Erst wenn Lösungen gefunden werden, eine große Menge an Daten zu verarbeiten und in Echtzeit zu berechnen, wird FreeD vielleicht die Art, wie wir Sportübertragungen anschauen, verändern. In bisheriger Form ist es nur eine interessante Spielerei für Wiederholungen.
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